Originalquelle zu „Das Sonnenlied“

Sólarljóð

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Deutsche KI-Übersetzung aus dem Altnordischen mithilfe der englischen Übersetzung.

1

Gut und Leben
raubte den Menschen
jener grimmige Grepp;
über die Wege,
die er bewachte,
kam keiner lebend hinweg.

2

Allein aß er,
sehr oft,
nie lud er einen Menschen zum Mahl,
bis einst müde
und kraftlos
Gestr des Weges kam.

3

Eines Trunkes bedürftig
nannte sich der erschöpfte Mann
und auch hungrig;
mit bangem Herzen,
sagte er, vertraue er dem,
der zuvor voll böser Absicht gewesen war.

4

Speise und Trank
reichte er dem Ermatteten,
aus ganzem Herzen;
er gedachte Gottes,
erwies ihm Gutes,
denn er hielt sich selbst für einen Frevler.

5

Der andere stand auf,
Böses sann er,
schlecht dankte er die Gabe;
seine Sünde schwoll an,
im Schlaf ermordete er
den weisen, umsichtigen Mann.

6

Den Gott des Himmels
bat dieser um Hilfe,
als er tödlich verwundet erwachte;
doch jener musste
die Sünden auf sich nehmen,
der ihn schuldlos verraten hatte.

7

Heilige Engel
kamen vom Himmel herab
und nahmen seine Seele zu sich;
in reinem Leben
soll sie leben,
ewig bei Gott, dem Allmächtigen.

8

Über Reichtum und Gesundheit
gebietet kein Mensch,
auch wenn ihm alles leicht gelingt;
manchen trifft,
was er am wenigsten erwartet,
keiner bestimmt sein Los selbst.

9

Nicht glaubten
Unnarr und Sævaldi,
dass ihr Glück vergehen würde;
nackt wurden sie
und all ihrer Habe beraubt
und liefen wie Wölfe zum Wald.

10

Die Macht der Wollust
hat manchen ins Leid gestürzt,
oft bringen Frauen Qual;
Unheil stifteten sie,
obwohl der mächtige Gott
sie rein erschaffen hatte.

11

In Eintracht lebten
Sváfaðr und Skartheðinn,
keiner konnte ohne den anderen sein,
bis sie in Raserei gerieten
um einer Frau willen:
Sie war ihnen zum Verderben bestimmt.

12

An keines von beidem dachten sie
um der hellen Jungfrau willen,
an Spiel noch an lichte Tage;
an nichts anderes
konnten sie denken
als an den hellen Leib.

13

Trüb wurden ihnen
die dunklen Nächte,
keinen süßen Schlaf konnten sie finden;
und aus diesem Kummer
ballte sich Hass
zwischen den treuen Freunden.

14

Verfehlungen werden
an den meisten Orten
grausam vergolten;
zum Zweikampf gingen sie
um der klugen Frau willen
und fanden beide den Tod.

15

Hochmut üben
sollte kein Mensch,
das habe ich wahrlich gesehen,
denn die ihm folgen,
wenden sich
meist von Gott ab.

16

Mächtig waren
Ráðný und Véboði
und meinten, nur Gutes zu tun;
nun sitzen sie da
und wenden ihre Wunden
bald diesem, bald jenem Feuer zu.

17

Auf sich selbst vertrauten sie
und glaubten, sie allein stünden
über allem Volk;
und doch erschien
ihr Wandel
dem allmächtigen Gott in anderem Licht.

18

Genüssen frönten sie
auf vielerlei Weise
und ergötzten sich am Gold;
nun wird es ihnen vergolten,
da sie wandern müssen
zwischen Frost und Feuer.

19

Deinen Feinden
vertraue niemals,
auch wenn sie freundlich zu dir sprechen;
versprich du Gutes;
gut ist es, sich fremdes
Unheil zur Warnung dienen zu lassen.

20

So erging es
Sörli, dem wohlberatenen,
als er sich in Vígúlfs Gewalt begab;
voll Zuversicht vertraute er
– doch jener übte Verrat –
dem Mörder seines Bruders.

21

Schutz gewährte er ihnen
aus gutem Herzen,
und sie versprachen ihm Gold dafür;
sie gaben sich friedfertig,
solange sie zusammen tranken,
doch dann trat ihre Falschheit zutage.

22

Doch danach,
am zweiten Tag,
als sie ins Rýgjardal geritten waren,
verwundeten sie mit Schwertern
den, der schuldlos war,
und nahmen ihm das Leben.

23

Seinen Leichnam schleiften sie
auf einen verborgenen Pfad
und zerstückelten ihn in einen Brunnen hinab;
verbergen wollten sie es,
doch der heilige Herr
sah es vom Himmel her.

24

Seine Seele hieß
der wahre Gott
in seine Freude eingehen;
doch die Übeltäter,
glaube ich, werden erst spät
aus ihren Qualen gerufen.
II.

25

Bitte die Disen
der Worte des Herrn,
dir im Herzen gewogen zu sein;
nach einer Woche
wird dir alles, was du begehrst,
nach Wunsch gelingen.

26

Die Taten des Zorns,
die du begangen hast,
vergelte nicht mit weiterem Bösen;
wen du zum Weinen brachtest,
sollst du mit Gutem trösten;
das, sagt man, ziemt der Seele.

27

Gott soll man anrufen
um gute Dinge,
ihn, der die Menschen erschaffen hat;
schwer bedrängt wird
jeder Mensch,
der säumt, den Vater zu finden.

28

Es hilft, besonders inständig
um das zu bitten,
woran es einem zu fehlen scheint;
alles entbehrt,
wer um nichts bittet;
wenige bedenken die Not des Schweigenden.

29

Spät kam ich,
früh gerufen,
zur Tür des Richters;
dorthin will ich gehen,
denn mir ward verheißen:
Leckerbissen erhält, wer darum bittet.

30

Die Sünden bewirken,
dass wir betrübt scheiden
aus der Welt des Schreckens;
niemand fürchtet sich,
außer wer Böses tut;
gut ist es, ohne Makel zu sein.

31

Wölfen gleich
erscheinen alle,
deren Sinn wankelmütig ist;
so wird es denen ergehen,
die wandern müssen
auf den glühenden Wegen.

32

Freundliche Ratschläge,
von Weisheit getragen,
lehre ich dich, sieben an der Zahl;
behalte sie wohl im Gedächtnis
und verliere sie niemals,
sie alle sind nützlich zu lernen.
III.

33

Davon ist zu erzählen,
wie glücklich ich war
in der Welt der Wonnen,
und auch davon,
wie die Menschensöhne
wider Willen zu Leichen werden.

34

Begierde und Verblendung
verführen die Menschensöhne,
die nach Reichtum gieren;
blankes Silber
wird zu langem Kummer;
Reichtum hat manchen zum Narren gemacht.

35

Über vieles froh
schien ich den Menschen,
denn ich wusste wenig voraus;
eine Welt des Trugs
hat der Herr erschaffen,
überreich an Freuden.

36

Gebeugt saß ich,
lange sank ich zur Seite,
sehr verlangte mich damals zu leben;
doch der entschied,
der mächtig war;
vor mir lagen die Wege des Todgeweihten.

37

Die Seile der Hel
wurden mir gewaltsam
um die Seiten geschlungen;
zerreißen wollte ich sie,
doch sie waren zäh;
leicht geht es sich ungebunden.

38

Ich allein wusste,
wie von allen Seiten
die Qualen in mir aufwallten;
Hels Jungfrauen
luden mich schaudernd machend
jeden Abend zu sich heim.

39

Die Sonne sah ich,
den wahren Tagesstern,
sinken in den lärmenden Welten;
doch Hels Gittertor
hörte ich auf der anderen Seite
schwer erdröhnen.

40

Die Sonne sah ich,
mit Blutstreifen gezeichnet;
weit war ich schon der Welt entrückt;
mächtig erschien sie mir,
in vieler Hinsicht anders,
als sie zuvor gewesen war.

41

Die Sonne sah ich,
mir war,
als sähe ich den erhabenen Gott;
vor ihr verneigte ich mich
zum letzten Mal
in der Menschenwelt.

42

Die Sonne sah ich,
so strahlte sie,
dass mir war, als wüsste ich nichts;
doch gewaltige Ströme
brüllten auf der andern Seite,
stark mit Blut vermischt.

43

Die Sonne sah ich
mit bebenden Augen,
voller Furcht und gebeugt;
denn mein Herz
war ganz und gar
in Fetzen zerflossen.

44

Die Sonne sah ich,
selten war ich trauriger;
schon neigte ich mich weit aus der Welt;
meine Zunge
war wie Holz geworden,
und außen war ich erkaltet.

45

Die Sonne sah ich
niemals wieder
nach jenem düsteren Tag,
denn die Wasser der Berge
schlossen sich über mir,
und ich schied, von den Qualen fortgerufen.

46

Der Stern der Hoffnung flog
– da ward ich geboren –
fort aus meiner Brust;
nicht hoch flog er,
nirgends ließ er sich nieder,
um Ruhe zu finden.

47

Länger als alle
war jene eine Nacht,
als ich starr auf Stroh lag;
da wird offenbar,
was Gott sprach:
Der Mensch ist der Erde gleich.

48

Das bedenke und wisse
der mächtige Gott,
der Erde und Himmel erschuf:
Wie verlassen
so viele dahingehen,
auch wenn sie von Angehörigen scheiden.

49

Seiner Werke Früchte
erntet jeder Mensch;
selig ist, wer Gutes tut;
fern vom Reichtum
war mir ein Bett bestimmt,
mit Sand bestreut.

50

Des Fleisches Hunger
verführt die Menschen oft,
mancher hegt ihn allzu stark;
das Wasser zum Waschen
war mir das Verhassteste
von allen Dingen.

51

Auf dem Stuhl der Nornen
saß ich neun Tage,
von dort hob man mich aufs Pferd;
der Riesin Sonnen
schienen grimmig
aus Skýdrupnirs Wolken.

52

Außen und innen
schien ich alle zu durchwandern,
die sieben Siegeswelten;
auf und nieder
suchte ich einen höheren Weg,
wo mir die Pfade am leichtesten wären.

53

Davon ist zu erzählen,
was ich zuerst sah,
als ich in die Welten der Qual kam:
Versengte Vögel,
die Seelen waren,
flogen so zahlreich wie Mücken.

54

Von Westen sah ich
Váns Drachen fliegen,
sie senkten sich auf Glævalds Weg;
sie schlugen die Flügel,
sodass mir schien, weithin
zersprängen Erde und Himmel.

55

Den Hirsch der Sonne
sah ich von Süden kommen,
zwei führten ihn gemeinsam;
seine Füße
standen auf der Erde,
doch sein Geweih reichte zum Himmel.

56

Von Norden sah ich
die Söhne der Sippen reiten,
sieben waren sie beisammen;
aus vollen Hörnern
tranken sie den reinen Met
aus Baugregins Brunnen.

57

Der Wind schwieg,
die Wasser standen still,
da hörte ich grimmiges Getöse;
für ihre Männer
mahlten treulose Frauen
Erde zur Speise.

58

Blutige Steine
schleppten jene dunklen Frauen
voller Trübsal;
blutige Herzen
hingen ihnen außen vor der Brust,
von großem Kummer gequält.

59

Manchen Menschen
sah ich verstümmelt gehen
auf jenen glühenden Wegen;
ihre Gesichter
schienen mir allesamt
mit Frauenblut gerötet.

60

Viele Menschen
sah ich in die Erde eingegangen,
die keinen Gottesdienst empfangen konnten;
heidnische Sterne
standen über ihren Häuptern,
mit Unheilszeichen bemalt.

61

Menschen sah ich,
die heftigen
Neid auf fremdes Wohlergehen nähren;
blutige Runen
waren ihnen auf der Brust
schmerzhaft eingeritzt.

62

Menschen sah ich dort,
viele ohne Freude,
sie hatten den Weg verloren;
das handelt sich ein,
wer sich in dieser Welt
von Unheil betören lässt.

63

Menschen sah ich,
die mit vielerlei Listen
nach fremdem Eigentum trachteten;
in Scharen zogen sie
zur Burg des Fégjarn
und trugen Lasten aus Blei.

64

Menschen sah ich,
die viele andere
um Gut und Leben gebracht hatten;
durch die Brust
fuhren jenen Männern
mächtige Giftdrachen.

65

Menschen sah ich,
die am wenigsten gewillt waren,
die Feiertage heiligzuhalten;
ihre Hände
waren auf heiße Steine
genagelt unter Qualen.

66

Menschen sah ich,
die sich aus Hochmut
höher einschätzten, als ihnen zukam;
ihre Kleider
waren auf seltsame Weise
rings von Feuer umschlagen.

67

Menschen sah ich,
die viele
Lügen über andere gesprochen hatten;
die Raben der Hölle
rissen ihnen aus dem Kopf
gewaltsam die Augen.

68

Alle Schrecken
kannst du nicht erfahren,
die den Toten widerfahren;
süße Sünden
werden mit schmerzlicher Buße bezahlt;
stets folgt Leid auf Lust.

69

Menschen sah ich,
die vieles
nach Gottes Geboten gegeben hatten;
reine Fackeln
wurden über ihren Häuptern
hell brennend gehalten.

70

Menschen sah ich,
die mit großmütigem Herzen
den Armen Hilfe erwiesen;
Engel lasen aus Büchern
und aus heiliger Hymnenschrift
über ihren Häuptern.

71

Menschen sah ich,
die ihren Leib
mit Hunger schwer gezüchtigt hatten;
Gottes Engel
verneigten sich vor ihnen allen;
das ist die höchste Wonne.

72

Menschen sah ich,
die ihrer Mutter
Speise in den Mund gelegt hatten;
ihre Ruhestätten
waren auf Himmelsstrahlen
kunstvoll bereitet.

73

Heilige Jungfrauen
hatten reingewaschen
von Sünden die Seelen
jener Menschen,
die sich an vielen Tagen
selbst kasteien.

74

Hohe Wagen
sah ich am Himmel fahren,
sie haben ihre Wege zu Gott;
Menschen lenken sie,
die ermordet wurden
ganz ohne jede Schuld.

75

Du mächtiger Vater!
Du erhabenster Sohn!
Heiliger Geist des Himmels!
Dich bitte ich, uns zu erlösen,
der du uns erschaffen hast,
uns alle aus dem Elend.
IV.

76

Hringvör und Listvör
sitzen in Herðirs Türen
auf dem Orgelstuhl;
eisernes Blut
rinnt ihnen aus den Nasen,
das weckt Hass unter den Menschen.

77

Odins Gemahlin
rudert auf dem Schiff der Erde,
voller Stolz auf ihre Lust;
ihre Segel
werden spät beladen,
die an den Seilen des Verlangens hängen.

78

Erbe, ich, dein Vater,
habe dir allein gedeutet,
zusammen mit Sólkatlas Söhnen,
des Hirsches Horn,
das aus dem Grabhügel trug
der weise Vígdvalin.

79

Hier sind die Runen,
die geritzt haben
Njörds neun Töchter:
Böðveig, die älteste,
und Kreppvör, die jüngste,
und ihre sieben Schwestern.

80

Jedes Unheil
haben sie angerichtet,
Sváfr und Sváfrlogi;
Blut ließen sie fließen
und sogen an Wunden,
stets dem Bösen ergeben.
V.

81

Dieses Gedicht,
das ich dich gelehrt habe,
sollst du vor den Lebenden singen:
das Sonnenlied,
das sich in vielem
als keineswegs erlogen erweisen wird.

82

Hier scheiden wir beide
und werden uns wiedersehen
am Freudentag der Menschen;
mein Herr
gebe den Toten Ruhe
und den Lebenden Gnade.