Originalquelle zu „Die Sprache der Dichtkunst“

Skáldskaparmál

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Deutsche KI-Übersetzung aus dem Altnordischen mithilfe der englischen Übersetzung.

1

Ein Mann hieß Ägir oder Hlér. Er wohnte auf der Insel, die jetzt Hlésey genannt wird. Er war sehr zauberkundig. Er machte sich auf den Weg nach Asgard; die Asen aber wussten im Voraus von seiner Reise, und er wurde freundlich empfangen, doch vieles wurde dabei durch Blendwerk bewirkt. Als man am Abend trinken wollte, ließ Odin Schwerter in die Halle tragen, die so hell glänzten, dass sie alles erleuchteten; ein anderes Licht wurde nicht gebraucht, solange man beim Trinken saß. Da begaben sich die Asen zu ihrem Festmahl, und zwölf Asen, die als Richter walten sollten, nahmen auf Hochsitzen Platz. Sie hießen Thor, Njörd, Freyr, Tyr, Heimdall, Bragi, Widar, Wali, Ull, Hönir, Forseti und Loki. Ebenso die Asinnen: Frigg, Freyja, Gefjon, Idun, Gerd, Sigyn, Fulla und Nanna. Ägir fand den Anblick dort prächtig. Alle Wandtäfelungen waren mit schönen Schilden behängt. Auch gab es dort berauschenden Met, und es wurde viel getrunken. Neben Ägir saß Bragi, und sie tranken miteinander und unterhielten sich. Bragi erzählte Ägir von vielen Begebenheiten, die die Asen erlebt hatten.

2

Er begann seine Erzählung damit, dass drei Asen von daheim aufbrachen, Odin, Loki und Hönir. Sie zogen durch Gebirge und Einöden, und es war schwer, Nahrung zu finden. Als sie aber in ein Tal hinabkamen, sahen sie eine Herde Ochsen, nahmen einen davon und bereiteten ihn in einer Kochgrube zu. Als sie meinten, er müsse gar sein, öffneten sie die Grube, doch das Fleisch war nicht gar. Auch als sie nach einer Weile die Grube zum zweiten Mal öffneten, war es nicht gar. Da besprachen sie miteinander, woran das liegen könne. Nun hörten sie oben in der Eiche über sich eine Stimme: Der dort saß, sagte, er sei daran schuld, dass das Fleisch in der Grube nicht gar werde. Sie blickten hinauf, und dort saß ein Adler, der keineswegs klein war. Da sprach der Adler: »Wollt ihr mir erlauben, mich an dem Ochsen satt zu fressen, dann wird das Fleisch in der Grube gar werden.« Sie willigten ein. Da ließ er sich vom Baum herab, setzte sich auf die Kochgrube und nahm sich sogleich als Erstes beide Hinterschenkel und beide Schulterstücke des Ochsen. Darüber wurde Loki zornig, ergriff eine große Stange, holte mit aller Kraft aus und schlug dem Adler auf den Leib. Der Adler fuhr bei dem Schlag auf und flog empor. Da haftete die Stange am Rücken des Adlers, Lokis Hände aber am anderen Ende der Stange. Der Adler flog in solcher Höhe, dass Lokis Füße gegen Felsen, Geröll und Bäume schlugen; von seinen Armen aber glaubte er, sie würden ihm aus den Schultern gerissen. Er schrie und flehte den Adler inständig um Schonung an. Dieser aber sagte, Loki werde niemals freikommen, wenn er ihm nicht schwöre, Idun mit ihren Äpfeln aus Asgard herauszubringen. Dazu war Loki bereit. Da kam er frei und ging zu seinen Gefährten. Von ihrer Reise wird vorerst nichts weiter berichtet, bis sie wieder heimkamen.

Zur verabredeten Zeit lockte Loki Idun aus Asgard hinaus in einen Wald und sagte, er habe Äpfel gefunden, die ihr gewiss kostbar erscheinen würden. Er bat sie, ihre eigenen Äpfel mitzunehmen und mit jenen zu vergleichen. Da kam der Riese Thjazi in Adlergestalt, ergriff Idun und flog mit ihr davon nach Thrymheim zu seinem Wohnsitz.

3

Die Asen aber waren über Iduns Verschwinden sehr bestürzt und wurden bald grauhaarig und alt. Da hielten sie eine Versammlung ab, und einer fragte den anderen, wer zuletzt etwas von Idun gewusst habe. Zuletzt hatte man sie gesehen, als sie mit Loki aus Asgard hinausging. Da wurde Loki ergriffen und vor die Versammlung geführt, und man drohte ihm mit Tod oder Folter. Als er Angst bekam, sagte er, er werde Idun aus Jötunheim holen, wenn Freyja ihm ihr Falkengewand leihen wolle. Als er das Falkengewand erhielt, flog er nordwärts nach Jötunheim und kam eines Tages zum Riesen Thjazi. Dieser war aufs Meer hinausgerudert, Idun aber war allein zu Hause. Loki verwandelte sie in eine Nuss, nahm sie in seine Fänge und flog so schnell er konnte davon. Als Thjazi heimkam und Idun vermisste, legte er sein Adlergewand an und flog Loki nach; bei seinem Flug entstand ein gewaltiger Luftzug.

Als die Asen den Falken mit der Nuss fliegen sahen und auch den heranfliegenden Adler erblickten, gingen sie hinaus an die Mauer von Asgard und trugen Ladungen von Hobelspänen dorthin. Als der Falke über die Burgmauer hereinflog, ließ er sich an der Mauer nieder. Da steckten die Asen die Hobelspäne in Brand; der Adler aber konnte seinen Flug nicht mehr bremsen, als ihm der Falke entging. Das Feuer griff auf sein Gefieder über, und sein Flug nahm ein Ende. Da waren die Asen zur Stelle und erschlugen den Riesen Thjazi innerhalb der Asentore. Diese Tötung ist weithin berühmt.

Skadi aber, die Tochter des Riesen Thjazi, nahm Helm, Brünne und sämtliche Kriegswaffen und zog nach Asgard, um ihren Vater zu rächen. Die Asen boten ihr jedoch einen Vergleich und Entschädigung an. Als Erstes sollte sie sich unter den Asen einen Mann wählen dürfen, doch nur nach den Füßen, ohne mehr von ihnen zu sehen. Da sah sie die Füße eines Mannes, die überaus schön waren, und sagte: »Diesen wähle ich. An Balder wird wohl wenig hässlich sein.« Es war aber Njörd aus Noatun. Zu ihrem Vergleich gehörte auch, dass die Asen etwas tun sollten, von dem sie glaubte, sie würden es nicht vermögen: sie zum Lachen bringen. Da band Loki eine Schnur um den Bart einer Ziege und das andere Ende um seine Hoden. Sie zerrten abwechselnd aneinander, und beide kreischten laut. Dann ließ Loki sich in Skadis Schoß fallen, und da lachte sie. Damit war vonseiten der Asen der Vergleich mit ihr geschlossen.

4

Es wird erzählt, Odin habe Skadi außerdem dadurch entschädigt, dass er Thjazis Augen nahm, an den Himmel warf und zwei Sterne daraus machte. Da sprach Ägir: »Thjazi scheint mir ein sehr mächtiger Mann gewesen zu sein. Aus welchem Geschlecht stammte er?« Bragi antwortete: »Sein Vater hieß Ölvaldi, und du wirst es wohl bemerkenswert finden, wenn ich dir von ihm erzähle. Er war überaus reich an Gold. Als er starb und seine Söhne das Erbe teilen sollten, maßen sie das Gold bei der Teilung so ab, dass jeder einen Mundvoll nehmen sollte und alle gleich viele. Einer von ihnen war Thjazi, der zweite Idi, der dritte Gang. Daher ist es bei uns heute üblich, das Gold den Mundzählbetrag dieser Riesen zu nennen. Wir verhüllen dies aber in Runen oder in der Dichtung, indem wir es Rede oder Worte oder Gespräch dieser Riesen nennen.« Da sprach Ägir: »Das scheint mir gut in Runen verhüllt.«

5

Und weiter sprach Ägir: »Woher stammt die Kunst, die ihr Dichtung nennt?« Bragi antwortete: »Ihr Ursprung war, dass die Götter mit dem Volk, das Wanen heißt, im Streit lagen. Sie vereinbarten aber eine Friedenszusammenkunft und schlossen auf folgende Weise Frieden: Beide Seiten traten an ein Gefäß und spuckten ihren Speichel hinein. Beim Abschied wollten die Götter dieses Friedenszeichen nicht vergehen lassen und schufen daraus einen Mann. Er heißt Kvasir. Er ist so weise, dass niemand ihm eine Frage stellen kann, auf die er keine Antwort weiß. Er zog weit durch die Welt, um die Menschen Wissen zu lehren. Als er einmal bei den Zwergen Fjalar und Galar zu Gast war, riefen sie ihn zu einem Gespräch unter vier Augen zu sich und töteten ihn. Sie ließen sein Blut in zwei Gefäße und einen Kessel fließen. Dieser heißt Odrörir, die Gefäße aber heißen Son und Bodn. Sie mischten Honig unter das Blut, und daraus entstand der Met, von dem jeder, der ihn trinkt, zum Dichter oder Gelehrten wird. Die Zwerge sagten den Asen, Kvasir sei an seinem Verstand erstickt, weil niemand so gelehrt gewesen sei, dass er ihn nach Wissen hätte fragen können.

Darauf luden diese Zwerge den Riesen namens Gilling und seine Frau zu sich ein. Die Zwerge baten Gilling, mit ihnen aufs Meer hinauszurudern. Als sie an der Küste entlangfuhren, ruderten die Zwerge auf eine Brandungsklippe und brachten das Boot zum Kentern. Gilling konnte nicht schwimmen und ertrank; die Zwerge aber richteten ihr Boot wieder auf und ruderten ans Land. Sie erzählten seiner Frau, was geschehen war, und sie war darüber tief betrübt und weinte laut. Da fragte Fjalar sie, ob ihr leichter ums Herz würde, wenn sie auf das Meer hinausblickte, dorthin, wo er umgekommen war. Das wollte sie. Da sagte er seinem Bruder Galar, er solle über die Tür steigen und ihr, wenn sie hinausginge, einen Mühlstein auf den Kopf fallen lassen; er sagte, ihr Geschrei verdrieße ihn. Und so tat Galar es.

Als Suttung, der Sohn Gillings, davon hörte, kam er herbei, ergriff die Zwerge, brachte sie aufs Meer hinaus und setzte sie auf eine bei Flut überspülte Schäre. Sie baten Suttung, ihr Leben zu verschonen, und boten ihm zur Versöhnung den kostbaren Met als Buße für seinen Vater an. Darauf einigten sie sich. Suttung brachte den Met heim und verwahrte ihn an dem Ort, der Hnitbjörg heißt. Seine Tochter Gunnlöd setzte er dort als Wächterin ein. Daher nennen wir die Dichtung Kvasirs Blut oder Zwergentrank oder Sättigung oder Flüssigkeit irgendeiner Art des Odrörir, der Bodn oder der Son; auch das Fahrzeug der Zwerge, weil dieser Met ihnen die Rettung ihres Lebens von der Schäre verschaffte, oder Suttungs Met oder Hnitbjörgs Flüssigkeit.« Da sprach Ägir: »Dunkel scheint mir diese Rede, die Dichtung mit solchen Bezeichnungen zu benennen. Wie aber seid ihr Asen an Suttungs Met gekommen?«

6

Bragi antwortete: »Davon handelt diese Geschichte: Odin zog von daheim fort und kam dorthin, wo neun Knechte Heu mähten. Er fragte, ob er ihnen die Sensen schärfen solle. Sie bejahten es. Da nahm er einen Wetzstein von seinem Gürtel und schärfte die Sensen. Ihnen schien nun, dass die Sensen viel besser schnitten, und sie wollten den Wetzstein kaufen. Er setzte den Preis so an, dass der Käufer eine angemessene Summe dafür geben sollte. Alle sagten, sie wollten ihn haben, und baten ihn, ihn ihnen zu verkaufen. Er aber warf den Wetzstein in die Luft. Als alle ihn fangen wollten, gerieten sie so aneinander, dass einer dem anderen mit der Sense in den Hals fuhr.

Odin suchte bei dem Riesen Baugi, Suttungs Bruder, ein Nachtquartier. Baugi klagte über den schlechten Stand seiner Wirtschaft und erzählte, seine neun Knechte seien ums Leben gekommen, und er wisse nicht, woher er neue Arbeiter bekommen solle. Odin nannte sich ihm gegenüber Bölverk. Er bot an, für Baugi die Arbeit von neun Männern zu übernehmen, verlangte aber als Lohn einen Trunk von Suttungs Met. Baugi sagte, er habe keinerlei Verfügungsgewalt über den Met; Suttung wolle ihn allein besitzen. Doch er werde mit Bölverk gehen und versuchen, ob sie den Met bekommen könnten. Bölverk verrichtete den Sommer über für Baugi die Arbeit von neun Männern. Als der Winter kam, forderte er von Baugi seinen Lohn. Da gingen beide zu Suttung. Baugi erzählte seinem Bruder Suttung von seiner Abmachung mit Bölverk, doch Suttung verweigerte ihnen entschieden jeden Tropfen des Mets.

Da sagte Bölverk zu Baugi, sie sollten es mit einer List versuchen, um an den Met zu kommen, und Baugi war damit einverstanden. Bölverk zog nun den Bohrer namens Rati hervor und sagte, Baugi solle den Felsen durchbohren, wenn der Bohrer schneide. Das tat er. Dann sagte Baugi, der Felsen sei durchbohrt. Bölverk aber blies in das Bohrloch, und die Späne flogen ihm entgegen. Da erkannte er, dass Baugi ihn betrügen wollte, und befahl ihm, den Felsen ganz zu durchbohren. Baugi bohrte weiter. Als Bölverk zum zweiten Mal hineinblies, flogen die Späne nach innen. Da verwandelte sich Bölverk in eine Schlange und kroch in das Bohrloch. Baugi stach mit dem Bohrer nach ihm, verfehlte ihn aber. Bölverk gelangte dorthin, wo Gunnlöd war, und lag drei Nächte bei ihr. Darauf erlaubte sie ihm, drei Züge von dem Met zu trinken. Mit dem ersten Zug trank er den Odrörir leer, mit dem zweiten die Bodn und mit dem dritten die Son. Nun hatte er den ganzen Met. Dann verwandelte er sich in einen Adler und flog so schnell er konnte davon.

Als Suttung den Adler fliegen sah, legte er selbst ein Adlergewand an und flog ihm nach. Als die Asen sahen, wo Odin heranflog, stellten sie ihre Gefäße in den Hof hinaus. Als Odin über Asgard hereinflog, spie er den Met in die Gefäße. Suttung war ihm aber so nahe gekommen, dass er ihn beinahe eingeholt hätte; deshalb ließ Odin einen Teil des Mets nach hinten hinausfahren, und darum kümmerte sich niemand. Davon bekam jeder, der wollte, und wir nennen es den Anteil der Dichterlinge. Suttungs Met aber gab Odin den Asen und den Menschen, die zu dichten verstanden. Daher nennen wir die Dichtung Odins Beute und Fund, seinen Trank und seine Gabe und den Trank der Asen.«

7

Da sprach Ägir: „Auf wie viele Arten wandelt ihr die Ausdrucksweisen der Dichtung ab, oder wie viele Gattungen der Dichtung gibt es?“ Da sprach Bragi: „Es gibt zwei Gattungen, nach denen sich alle Dichtung gliedert.“ Ägir fragte: „Welche beiden?“ Bragi sagte: „Sprache und Versformen.“ „Welche Ausdrucksweise wird für die Dichtung verwendet?“ „Die Dichtersprache gliedert sich in drei Arten.“ „Welche?“ „Die erste ist, jedes Ding so zu nennen, wie es heißt. Die zweite Art heißt Ersatzbenennung. Die dritte Ausdrucksart wird Kenning genannt. Sie wird so gebildet, dass wir Odin oder Thor oder Tyr oder einen anderen der Asen oder Alben nennen und bei jedem von ihnen, den ich anführe, eine Bezeichnung aus dem Besitz eines anderen Asen hinzufügen oder eine seiner Taten erwähnen. Dann gehört die Benennung diesem und nicht dem, der ausdrücklich genannt wurde. Wenn wir etwa Sieg-Tyr oder Gehängten-Tyr oder Lasten-Tyr sagen, so ist das eine Benennung Odins, und wir nennen es eine umschreibende Benennung; ebenso, wenn wir Wagen-Tyr sagen.“

8

Dies sei nun jungen Dichtern gesagt, die die Dichtersprache erlernen und sich mit alten Benennungen einen reichen Wortschatz verschaffen wollen oder verstehen möchten, was verhüllt gedichtet ist: Sie mögen dieses Buch zur Belehrung und Unterhaltung verstehen. Doch darf man diese Erzählungen nicht so vergessen oder für unwahr erklären, dass man die alten Kenningar aus der Dichtung entfernt, an denen die großen Dichter Gefallen gefunden haben. Christen sollen jedoch weder an heidnische Götter glauben noch an die Wahrheit dieser Erzählungen anders als so, wie es hier am Anfang des Buches dargelegt wird.

9

Nun sollen Beispiele zu hören sein, wie die großen Dichter es für angemessen gehalten haben, nach diesen Benennungen und Kenningar zu dichten, wie etwa Arnór Jarlaskáld sagt, dass Odin Allvater heiße:
Nun will ich, meine ich, den Männern
vom kühnen Jarl erzählen;
spät lässt mein Kummer nach;
Allvaters Hefenbrandung rauscht.

Hier nennt er die Dichtung auch Allvaters Hefenbrandung. Hávarð der Lahme dichtete so:
Nun flog über die Hügel
Ägirs Rossbäumen der Adler zu;
ich glaube, er nimmt vom Feld her
die Einladung des Gehängtengottes an.

So dichtete Víga-Glúm:
Das Heer scheute sich, mit dem Hut
Hangatyrs den Hang hinaufzugehen;
es schien ihnen nicht verlockend,
sich der Gefahr auszusetzen.

So dichtete Ref:
Oft kam mir hilfreich zugute
des Raben-Asen heiliger Becher,
als der Balder des Landes der Stevenblitze
dem Dichter dahingesunken war.

So dichtete Eyvind Skáldaspillir:
Und Sigurd,
der den Schwänen
von Farmatyrs Haddingengefallenen
Krähenbier gewährte,
raubten die Herrscher
des Landes
auf Ögloi
das Leben.

So dichtete Glúm Geirason:
Dort war der Sieg-Tyr
von Atals Tieren selbst im Angriffs-Alben;
ihn lenkten die Götter der Männer
im Wind der Schwerter.

So dichtete Eyvind wiederum:
Göndul und Skögul
sandte der Gauten-Tyr,
unter den Königen zu wählen,
wer aus Yngvis Geschlecht
mit Odin ziehen
und in Walhall sein sollte.

So dichtete Ulf Uggason:
Zum weithin ausgedehnten Scheiterhaufen
des Sohnes reitet der weithin berühmte
Hroftatyr; mir strömen unterdessen
Lobesworte über die Lippen.

So dichtete Thjódólf aus Hvin:
Gefallene lagen dort auf dem Sand,
dem einäugigen Bewohner
von Friggs Umarmung bestimmt;
wir freuten uns solcher Taten.

Dies dichtete Hallfred:
Mit wahren Worten lockt der kühne
Empfänger des Windes der Schwertrosse
die gerstenhaarige, umworbene Frau
Thr idis unter sich.

Hier ist ein Beispiel dafür, dass die Erde in der Dichtung Odins Frau genannt wird. So wird hier berichtet, dass Eyvind dichtete:
Hermod und Bragi,
sprach Hroftatyr,
geht dem Fürsten entgegen,
denn ein König kommt,
der als Held gilt,
hierher zur Halle.

So dichtete Kormák:
Mit einem Stirnband fördert der Landgewinner
den gewandten Wandler des Götterfjordes;
er ist es, der das Segel
am Masttopp bindet. Ygg bezauberte Rind.

So dichtete Steinthór:
Einen vor alters geschaffenen Hörnerstrom
der rastlosen Last von Gunnlöds Armen
habe ich für gewaltige Taten zu rühmen,
und doch ist er nur klein.

So dichtete Ulf Uggason:
Dort folgen, glaube ich, dem klugen Siegesbaum
Walküren und Raben zum Trunk
des heiligen Opfertieres.
So war es drinnen in Bildern zu sehen.

So dichtete Egil Skalla-Grímsson:
Nicht deshalb opfere ich
Wilis Bruder,
dem Götterschirmherrn,
weil ich es gern täte;
doch hat Mimirs Freund
mir Ersatz gewährt
für mein Unglück,
den ich für den besseren halte.
Mir gab eine Kunst
des Wolfes Feind,
der Kampfgewohnte,
frei von Makeln.

Hier wird er Götterschirmherr, Mimirs Freund und Feind des Wolfes genannt. So dichtete Ref:
Dir schulden wir die Getränke
von Fals Hallenweg,
tapferer, herrschaftsgewohnter Valgaut
vom Schnee der Wellenfalken.

So dichtete Einar Skálaglamm:
Ich werde keinen Vorwurf dafür ernten,
noch genügte ein solcher,
dass ich vor dem freigebigen Fürsten
Heertyrs Weinschiffsflut ausschöpfe.

So dichtete Ulf Uggason:
Heimdall reitet auf seinem Pferd
zum Scheiterhaufen, den die Götter errichteten,
zum gefallenen Sohn des kundigen
Rabenprüfers, des vortrefflichen.

So heißt es in den Eiríksmál:
Was ist das für ein Traum, sprach Odin:
Mir war, als stünde ich vor Tagesanbruch auf,
um Walhall zu räumen
für erschlagenes Volk;
ich weckte die Einherjer,
hieß sie aufstehen,
die Bänke bestreuen,
die Bierbecher spülen,
die Walküren Wein bringen,
als käme ein Fürst.

Dies dichtete Kormák:
Jung bitte ich den Allherrscher der Menschen,
den ganz kostbaren Yngvi vom beweglichen Feld
des Schellfisches über mich zu halten.
Hroft zog mit Gungnir.

Dies dichtete Thórálf:
Der Herrscher Hlidskjalfs sagte selbst,
was er dachte,
als dort die Mannen des schildscheuen
Hárek erschlagen wurden.

So dichtete Eyvind:
Der aus Surts
tiefen Tälern
die Last fliegend
emportrug.

So dichtete Bragi:
Mir ist deutlich, dass früh schon
des Menschenvaters Sohn
seine Kraft an der taubenetzten
Schlinge der Erde erproben wollte.

So dichtete Einar:
Denn mancher vielbegabte Edle
vermag bei Bestlas Sohn sehr viel,
doch weniger als du; zum Lob
habe ich den Mord ergriffen.

So dichtete Thorvald Blönduskáld:
Nun habe ich vieles
in den Met gefasst
von Borrs Sohn,
dem Erben Buris.

10

Hier soll man hören, wie die Dichter die Dichtung mit den zuvor aufgezeichneten Benennungen umschrieben haben, etwa indem sie sie Kvasirs Blut, Schiff der Zwerge, Met der Zwerge, Met der Riesen, Suttungs Met, Odins Met, Met der Asen, Vaterbuße der Riesen, Flüssigkeit und Füllung von Odrörir, Bodn und Son, Flüssigkeit Hnitbjörgs, Odins Beute, Fund, Last und Gabe nennen, wie hier in den Versen, die Einar Skálaglamm dichtete:
Den hochgesinnten Hüter des Landes
bitte ich, Kvasirs Blut zu hören;
höre, Jarl, die Hefenbrandung
vom Fjordknochen der Männer.

Und wie Einar Skálaglamm wiederum dichtete:
Über die ganze Schar der Eschen Ulls
vom Gehege des Schlachtenkummers,
dessen Tatkraft wächst, strömt
des Felsens bewahrte Zwergenflut.

Wie Orm Steinthórsson dichtete:
Dass der Leib der Bierbank
und mein Leib getragen würden,
Männer mögen Dvalins Totentrunk vernehmen,
in ein und denselben Saal.

Und wie Ref dichtete:
Ich biete Thorstein die Gabe
vom Geistesland des Steingeschlechts;
die Woge der Felsen-Mören rauscht,
ich bitte das Menschengeschlecht zu lauschen.

Wie Egil dichtete:
Der Fürst lud mich ein,
dort schulde ich Lob;
ich trug Odins Met
ins Land der Angeln.

Und wie Glúm Geirason dichtete:
Hört zu, Fürsten; ich habe
Unterhaltung des Götterbegehrers;
darum bitten wir um Schweigen,
damit wir vom Tod der Männer berichten.

Und wie Eyvind dichtete:
Ich wünsche Gehör
für Hars Trank,
während ich Gillings
Buße emporhebe,
während wir sein Geschlecht
in der Kesselflüssigkeit
der Galgenlast
bis zu den Göttern aufzählen.

Wie Einar Skálaglamm dichtete:
Die Flut des Lebensmeers tost vor dem Fürsten,
Rögnirs Werke gedeihen mir;
Odrörirs Welle rauscht
gegen die Klippe der Zauberlieder.

Und wiederum, wie er dichtete:
Nun beginnt Bodns Woge
von den Felsen-Saxar zu wachsen;
des Fürsten Völker mögen in der Halle
Schweigen schaffen und dem Schiff lauschen.

Und wie Eilíf Gudrúnarson dichtete:
Ihr müsst über Freundesgaben entscheiden,
denn uns wächst die Saat der Worte
für den ruhmreichen Fürsten
auf Sons Schilfflur.

Wie Völu-Stein dichtete:
Höre, Egil, meine Ströme
von Mimirs Freund an der Gaumenklippe rauschen;
mir ist Thunds Fund gegeben,
die Ströme vom Freudenberg.

So dichtete Orm Steinthórsson:
Männer brauchen um mein Gedicht
keine Sorge zu hegen; nichts wende ich
in Widurs Beute zum Spott;
wir verstehen das Lobgeschmeide zu formen.

So dichtete Ulf Uggason:
Dem frohen Olaf biete ich
Hilds treuem Helfer die Flut des Geistesfjordes;
ich will ihn mit Grimnirs Gabe
grüßen.

Die Dichtung wird Meer oder Flüssigkeit der Zwerge genannt, weil Kvasirs Blut Flüssigkeit in Odrörir war, ehe der Met bereitet wurde; dort im Kessel entstand er. Deshalb wird er Odins Kesselflüssigkeit genannt, wie Eyvind dichtete und wie zuvor aufgezeichnet wurde:
Während wir sein Geschlecht
in der Kesselflüssigkeit
der Galgenlast
bis zu den Göttern aufzählen.

Weiter wird die Dichtung Fahrzeug oder líð der Zwerge genannt. Líð heißt Bier, und líð heißt Schiff. Als Beispiel dafür, dass die Dichtung deshalb Schiff der Zwerge genannt wird, sei angeführt, was hier steht:
Sowohl den angeschwollenen Wind
zur Braut des Felsenjarls als auch
das Schiff der Zwerge muss ich
auf einen erst spät begangenen Weg senden.

11

Wie soll man Thor umschreiben? Indem man ihn Sohn Odins und Jörds nennt, Vater Magnis, Modis und Thruds, Gemahl Sifs, Stiefvater Ulls, Lenker und Besitzer Mjölnirs, des Kraftgürtels und Bilskirnirs, Beschützer Asgards und Midgards, Feind und Töter der Riesen und Trollfrauen, Erschläger Hrungnirs, Geirröds und Thrivaldis, Herrn Thjalfis und Röskvas, Feind der Midgardschlange, Ziehsohn Vingnirs und Hloras. So dichtete Bragi, der Dichter:
Die Leine von Widrirs Erben
lag keineswegs schlaff auf Eynæfirs Ski,
als Jörmungand sich
über den Meeresgrund wälzte.

So dichtete Ölvir Hnúfa:
In Wut gerieten aller Länder
Umringung und Jörds Sohn.

So dichtete Eilíf:
Zornig stand Röskvas Bruder,
Magnis Vater errang den Sieg;
weder Thors noch Thjalfis Mutstein
bebt vor Furcht.

Und wie Eystein Valdason dichtete:
Mit scharfen Augen blickte er
auf den Ring des steilen Weges;
der Wohnort des Schreckens geriet in Wut,
ehe Thruds Vater zum Boot gelangte.

Weiter dichtete Eystein:
Sifs Vertrauter machte rasch
beim Alten vorn sein Fanggerät bereit;
wir vermögen Hr imnirs Hörnerstrom
in Bewegung zu setzen.

Und wiederum dichtete er:
So zuckte der Seelachs der Erde,
dass die breiten Planken vorwärtsglitten
und die Fäuste von Ulls Stiefvater
über die Bordwand hinausschlugen.

So dichtete Bragi:
In der rechten Hand bewegte sich ihm
der Hammer, als der Schrecken
mächtiger Riesen den um alle Länder
geschlungenen Fisch erkannte.

So dichtete Gamli:
Als der Fürst, dessen Herz nie Trug ersann,
der Herr von Bilskirnir, kühn daran ging,
den Fisch des Landes mit dem Verderben
des Schluchtenwals zu zerreißen.

So dichtete Thorbjörn Dísarskáld:
Thor hat mit Yggs Dienern
Asgard tapfer verteidigt.

So dichtete Bragi:
Und der hässliche Ring des Weges
vom rudergetriebenen Schiff
starrte hartgesinnt von unten
auf Hrungnirs Schädelspalter.

Weiter dichtete Bragi:
Gut habt ihr eure Zugtiere
zurückgehalten, ihr Spalter
von Thrivaldis neun Häuptern,
beim weitberühmten Fest des Simbli.

So dichtete Eilíf:
Der Bedränger der abends umherziehenden Frauen
sperrte gegen den schweren roten Bissen
vom Tang der Zange den Ellenmund
seines Armgelenks auf.

So dichtete Ulf Uggason:
Dem stämmigen Fürsten, sagte er,
scheine des Bockbenutzers
gewaltiger Zug ein ungeheuerliches
Wagnis zu sein.

Und weiter dies:
Mit voller Kraft ließ der Fäller
des Berg-Gaut die Faust krachen
am Ohr des Erprobers des Rohrbeins;
ein schwerer Schlag war das.
(56.)
Der Weit-Riese der Furt von Wimur schlug
der glänzenden Schlange das Ohrengrundstück
an den Wogen ab.
So war es drinnen in Bildern zu sehen.

Hier wird er Riese der Furt von Wimur genannt. Wimur heißt ein Fluss, den Thor durchwatete, als er nach Geirrödsgard zog. Und so dichtete der Dichter Vetrliði:
Leikns Beine brachst du,
zerschlugst Thrivaldi,
stürztest Starkad,
tratest auf die tote Gjalp.

Und so dichtete Thorbjörn Dísarskáld:
Es krachte in Keilas Schädel,
Kjallandi zerbrachst du ganz;
zuvor erschlugst du Lut und Leidi,
ließest Búseyra bluten;
Hengjankjöfta hast du gebändigt,
Hyrrokkin starb schon früher;
doch früh schon wurde der dunklen
Svívör das Leben genommen.

12

Wie soll man Balder umschreiben? Indem man ihn Sohn Odins und Friggs, Gemahl Nannas, Vater Forsetis, Besitzer von Hringhorni und Draupnir, Feind Hödurs, Gefährten Hels und Gott der Tränen nennt. Ulf Uggason hat in der Húsdrápa einen langen Abschnitt über Balders Geschichte gedichtet, und zuvor sind Beispiele dafür angeführt worden, wie Balder auf diese Weise umschrieben wird.

13

Wie soll man Njörd umschreiben? Indem man ihn Wanengott, Wanenspross oder Wanen nennt und Vater Freyrs und Freyjas, den Gott, der Reichtum schenkt. So sagt Thord Sjareksson:
Gudrun selbst wurde
zur Mörderin ihrer Söhne;
die kluge Götterbraut
fand beim Wanen kein Gefallen;
Kjalar zähmte
recht gut die Rosse;
von Hamdir hieß es,
er scheue das Schwertspiel nicht.
Hier wird darauf angespielt, dass Skadi Njörd verließ, wie zuvor geschrieben steht.

14

Wie soll man Freyr umschreiben? Indem man ihn Sohn Njörds, Bruder Freyjas und ferner Wanengott, Wanenspross und Wanen nennt, den Gott guter Ernten und den Reichtumspender. So dichtete Egil Skallagrimsson:
Denn Grjotbjörn
haben Freyr und Njörd
mit der Kraft begabt,
Reichtum zu erwerben.
Freyr wird Belis Feind genannt, wie Eyvind Skaldenverderber dichtete:
Als die äußerste Zuflucht
des Feindes Belis
der Widersacher der Jarle
bewohnen wollte.
Er ist Besitzer von Skidbladnir und jenem Eber, der Gullinbursti heißt, wie hier gesagt wird:
Ivaldis Söhne
machten sich in frühen Tagen daran,
Skidbladnir zu schaffen,
das beste der Schiffe,
für den strahlenden Freyr,
Njörds tüchtigen Sohn.
So sagt Ulf Uggason:
Zum Scheiterhaufen von Odins Sohn
reitet der kampfkundige Freyr
auf dem goldborstigen Eber voran
und führt die Scharen.
Er heißt auch Slidrugtanni.

15

Wie soll man Heimdall umschreiben? Indem man ihn Sohn von neun Müttern oder Wächter der Götter nennt, wie zuvor geschrieben steht, oder den weißen Asen, Lokis Feind, Wiedergewinner von Freyjas Halsgeschmeide. Heimdalls Haupt wird Schwert genannt. Es wird erzählt, dass er mit einem Menschenhaupt durchbohrt wurde. Davon wird in Heimdalls Zauberlied gedichtet, und seither wird das Haupt Heimdalls Verderber genannt. Das Schwert heißt des Mannes Verderber. Heimdall ist Besitzer Gulltopps. Er ist auch der Aufsucher von Vagasker und Singastein. Damals stritt er mit Loki um das Brisingamen. Er heißt auch Vindler. Ulf Uggason dichtete in der Húsdrápa einen langen Abschnitt nach dieser Erzählung, und dort wird erwähnt, dass sie in Robbengestalt waren. Er ist auch Odins Sohn.

16

Wie soll man Tyr umschreiben? Indem man ihn den einhändigen Asen und Ziehvater des Wolfes nennt, den Gott der Kämpfe, Odins Sohn.

17

Wie soll man Bragi umschreiben? Indem man ihn Iduns Gemahl, den ersten Schöpfer der Dichtkunst und den langbärtigen Asen nennt – nach seinem Namen wird einer, der einen großen Bart hat, Bartbragi genannt – und Odins Sohn.

18

Wie soll man Widar umschreiben? Man kann ihn den schweigsamen Asen nennen, den Besitzer des Eisenschuhs, Feind und Töter des Fenriswolfs, Racheasen der Götter, den Asen, der die väterlichen Wohnstätten bewohnt, und Odins Sohn, Bruder der Asen.

19

Wie soll man Wali umschreiben? Indem man ihn Sohn Odins und Rinds nennt, Stiefsohn Friggs, Bruder der Asen, Racheasen Balders, Feind Hödurs und dessen Töter, Bewohner der väterlichen Wohnstätten.

20

Wie soll man Hödur umschreiben? Indem man ihn den blinden Asen nennt, Balders Töter, Schützen des Mistelzweigs, Odins Sohn, Gefährten Hels, Walis Feind.

21

Wie soll man Ull umschreiben? Indem man ihn Sohn Sifs nennt, Stiefsohn Thors, Skiasen, Bogenasen, Jagdasen, Schildasen.

22

Wie soll man Hönir umschreiben? Indem man ihn Bankgenossen oder Gefährten oder Vertrauten Odins nennt und den schnellen Asen, den Langfuß und Schlammkönig.

23

Wie soll man Loki umschreiben? Indem man ihn Sohn Farbautis und Laufeys, auch Nal genannt, nennt, Bruder Byleists und Helblindis, Vater Vanargands, das ist der Fenriswolf, und Jörmungands, das ist die Midgardschlange, und Hels und Naris und Alis, Verwandten und Vatersbruder, Reisegefährten und Bankgenossen Odins und der Asen, Besucher und Truhenschmuck Geirröds, Dieb der Riesen, des Bocks, des Brisingamen und der Äpfel Iduns, Verwandten Sleipnirs, Gemahl Sigyns, Feind der Götter, Verderber von Sifs Haar, Unheilstifter, den listigen Asen, Verleumder und Betrüger der Götter, Anstifter von Balders Tod, den gefesselten Asen, Streitgegner Heimdalls und Skadis. So sagt hier Ulf Uggason:
Der ruhmreiche, ratkundige Hüter
des Götterpfads streitet am Singastein
mit Farbautis
überaus listigem Sohn;
der mutstarke Sohn von acht Müttern
und einer gewinnt die schöne Meeresniere;
ich verkünde es zuvor
in den Strängen des Lobgedichts.
Hier wird erwähnt, dass Heimdall Sohn von neun Müttern ist.

24

Nun sollen weitere Geschichten erzählt werden, aus denen die eben niedergeschriebenen Umschreibungen stammen, soweit dazu zuvor keine Geschichten erzählt worden sind. So erzählte Bragi Ägir, dass Thor nach Osten gezogen war, um Trolle zu erschlagen, während Odin auf Sleipnir nach Jötunheim ritt und zu jenem Riesen kam, der Hrungnir hieß. Da fragte Hrungnir, wer der Mann mit dem Goldhelm sei, der durch Luft und Meer reite, und sagte, er habe ein erstaunlich gutes Pferd. Odin sagte, er wolle seinen Kopf darauf verwetten, dass es in Jötunheim kein ebenso gutes Pferd gebe. Hrungnir sagte, das sei ein gutes Pferd, behauptete aber, er selbst habe ein Pferd mit weit größerer Schrittweite. Es heißt Gullfaxi.

Hrungnir wurde zornig, sprang auf sein Pferd und jagte ihm nach, um ihm seine Prahlerei heimzuzahlen. Odin ritt so schnell, dass er schon jenseits des nächsten Höhenrückens war; Hrungnir aber war so von Riesenwut erfüllt, dass er erst bemerkte, wo er war, als er durch die Gittertore der Asen gekommen war. Als er an die Hallentür kam, luden ihn die Asen zum Trinken ein. Er ging in die Halle und verlangte zu trinken. Da wurden die Schalen herbeigeholt, aus denen Thor gewöhnlich trank, und Hrungnir leerte jede von ihnen. Als er betrunken wurde, fehlte es nicht an großen Worten. Er behauptete, er werde Walhall hochheben und nach Jötunheim bringen, Asgard aber versenken und alle Götter töten; nur Freyja und Sif wolle er mit sich heimnehmen. Freyja allein wagte es noch, ihm einzuschenken, und er behauptete, er werde das ganze Bier der Asen austrinken.

Als die Asen seiner Prahlreden überdrüssig wurden, riefen sie Thor. Gleich darauf kam Thor in die Halle, hielt den Hammer erhoben und war sehr zornig. Er fragte, wer dafür verantwortlich sei, dass hundsweise Riesen dort trinken dürften, oder wer Hrungnir Frieden zugesichert habe, sodass er in Walhall bleiben dürfe, oder weshalb Freyja ihm einschenken solle wie bei einem Gelage der Asen. Da antwortete Hrungnir und sah Thor keineswegs freundlich an. Er sagte, Odin habe ihn zum Trinken eingeladen, und er stehe unter dessen Schutz. Thor sagte darauf, Hrungnir werde diese Einladung bereuen, ehe er wieder hinauskomme. Hrungnir sagte, es bringe Asen-Thor wenig Ruhm, ihn waffenlos zu töten. Mehr Mut beweise es, wenn er wage, an der Grenze bei Grjotunagardar gegen ihn zu kämpfen. „Es war eine große Torheit“, sagte er, „dass ich meinen Schild und meinen Wetzstein zu Hause zurückgelassen habe. Hätte ich meine Waffen hier, so würden wir jetzt den Zweikampf ausfechten. Andernfalls aber erkläre ich dich zum ehrlosen Schurken, wenn du mich waffenlos töten willst.“ Thor wollte auf keinen Fall versäumen, zum Zweikampf zu kommen, nachdem er dazu herausgefordert worden war, denn das hatte zuvor noch niemand getan.

Hrungnir machte sich nun auf den Heimweg und ritt in rasendem Galopp, bis er nach Jötunheim kam. Seine Fahrt und die vereinbarte Begegnung mit Thor wurden unter den Riesen weithin berühmt. Die Riesen meinten, für sie hänge viel davon ab, wer den Sieg erringe. Sie erwarteten Schlimmes von Thor, wenn Hrungnir fiele, denn er war der Stärkste unter ihnen. Da schufen die Riesen bei Grjotunagardar einen Mann aus Lehm. Er war neun Meilen hoch und unter den Armen drei Meilen breit. Doch fanden sie kein Herz, das groß genug für ihn gewesen wäre, bis sie es einer Stute entnahmen; und dieses blieb ihm nicht standhaft, als Thor kam.

Hrungnir hatte das berühmte Herz aus hartem Stein, spitz und mit drei Ecken, wie das eingeritzte Zeichen, das seither Hrungnirs Herz heißt. Auch sein Kopf war aus Stein. Sein Schild war ebenfalls aus Stein, breit und dick, und er hielt ihn vor sich, als er bei Grjotunagardar stand und auf Thor wartete. Als Waffe hatte er einen Wetzstein, den er über der Schulter schwang, und sein Anblick war keineswegs einladend. An seiner Seite stand der Lehmriese, der Mökkurkalfi genannt wird, und hatte große Angst. Es heißt, dass er sich vor Angst einnässte, als er Thor sah.

Thor zog zum vereinbarten Zweikampf, und Thjalfi war bei ihm. Thjalfi lief voraus zu der Stelle, an der Hrungnir stand, und sagte zu ihm: „Du stehst unvorsichtig da, Riese, und hältst den Schild vor dich. Thor aber hat dich gesehen und zieht unten durch die Erde; er wird von unten gegen dich kommen.“ Da schob Hrungnir den Schild unter seine Füße und stellte sich darauf, den Wetzstein aber fasste er mit beiden Händen. Gleich darauf sah er Blitze und hörte gewaltigen Donner. Dann sah er Thor im Asenzorn. Er stürmte heran, schwang den Hammer und schleuderte ihn aus großer Entfernung gegen Hrungnir. Hrungnir hob den Wetzstein mit beiden Händen und warf ihn dem Hammer entgegen. Er traf ihn im Flug, und der Wetzstein zerbrach. Ein Stück fiel auf die Erde, und daraus sind alle Wetzsteinfelsen entstanden. Das andere Stück fuhr Thor in den Kopf, sodass er vornüber zu Boden fiel. Der Hammer Mjölnir aber traf Hrungnir mitten am Kopf und zerschmetterte seinen Schädel in winzige Stücke. Er fiel nach vorn über Thor, sodass sein Fuß auf Thors Hals lag. Thjalfi aber griff Mökkurkalfi an, und dieser fiel mit wenig Ruhm.

Dann trat Thjalfi zu Thor und wollte Hrungnirs Fuß von ihm heben, vermochte ihn aber überhaupt nicht zu bewegen. Als die Asen hörten, dass Thor gefallen war, kamen sie alle herbei und wollten den Fuß von ihm nehmen, brachten ihn aber nicht von der Stelle. Da kam Magni, der Sohn Thors und Jarnsaxas. Er war damals drei Nächte alt. Er schleuderte Hrungnirs Fuß von Thor und sagte: „Das ist ein schlimmes Unglück, Vater, dass ich so spät gekommen bin. Ich glaube, ich hätte diesen Riesen mit meiner Faust erschlagen, wenn ich ihn angetroffen hätte.“ Da stand Thor auf, begrüßte seinen Sohn herzlich und sagte, er werde ein gewaltiger Mann werden. „Und ich will dir“, sagte er, „das Pferd Gullfaxi schenken, das Hrungnir besessen hat.“ Da ergriff Odin das Wort und sagte, Thor tue unrecht daran, dieses gute Pferd dem Sohn einer Riesin zu schenken und nicht seinem eigenen Vater.

25

Thor fuhr heim nach Thrudwang, und der Wetzstein steckte in seinem Kopf. Da kam eine Seherin namens Groa, die Frau Aurvandils des Kühnen. Sie sang ihre Zauberlieder über Thor, bis der Wetzstein sich lockerte. Als Thor das spürte und nun hoffte, der Wetzstein könne entfernt werden, wollte er Groa die Heilung vergelten und ihr Freude machen. Er erzählte ihr, er sei von Norden her durch die Eliwagar gewatet und habe Aurvandil in einem Tragkorb auf dem Rücken von Norden aus Jötunheim getragen. Zum Beweis dafür erzählte er, dass eine seiner Zehen aus dem Korb geragt habe und erfroren sei; Thor habe sie abgebrochen, an den Himmel geworfen und daraus den Stern gemacht, der Aurvandils Zehe heißt. Thor sagte, es werde nicht mehr lange dauern, bis Aurvandil heimkomme. Groa aber freute sich so sehr, dass ihr kein Zauberlied mehr einfiel. So lockerte sich der Wetzstein nicht weiter und steckt noch immer in Thors Kopf. Deshalb wird davor gewarnt, einen Wetzstein quer über den Fußboden zu werfen, denn dann bewegt sich der Wetzstein in Thors Kopf. Nach dieser Geschichte hat Thjodolf aus Hvin in der Haustlöng gedichtet.“

Da sagte Ägir: „Hrungnir scheint mir sehr mächtig gewesen zu sein. Hat Thor noch eine größere Krafttat vollbracht, wenn er es mit Trollen zu tun hatte?“

26

Da antwortet Bragi: „Es ist einer ausführlichen Erzählung wert, wie Thor nach Geirrödsgard fuhr. Damals hatte er weder den Hammer Mjölnir noch den Kraftgürtel noch die Eisenhandschuhe bei sich, und daran war Loki schuld. Er begleitete ihn; denn Loki war Folgendes widerfahren, als er einmal zu seinem Vergnügen in Friggs Falkengewand umherflog: Aus Neugier flog er nach Geirrödsgard, sah dort eine große Halle, setzte sich nieder und blickte durch ein Fenster hinein. Geirröd aber sah ihn an und befahl, den Vogel zu fangen und ihm zu bringen. Der Diener gelangte nur mit Mühe an der Hallenwand hinauf, so hoch war sie. Loki fand Gefallen daran, dass jener nur mühsam zu ihm hinaufkam, und wollte vorerst nicht davonfliegen, bis er den ganzen beschwerlichen Weg zurückgelegt hätte. Als der Mann aber nach ihm griff, schickte er sich zum Flug an und stieß sich kräftig ab; doch seine Füße saßen fest. So wurde Loki gefangen und dem Riesen Geirröd gebracht. Als dieser seine Augen sah, vermutete er, dass es ein Mann sei, und forderte ihn auf zu antworten; Loki aber schwieg. Da sperrte Geirröd Loki in eine Truhe und ließ ihn dort drei Monate hungern. Als Geirröd ihn dann herausholte und zum Reden aufforderte, sagte Loki, wer er sei, und schwor Geirröd, um sein Leben zu retten, er werde Thor ohne Hammer und Kraftgürtel nach Geirrödsgard bringen.

Thor kehrte bei der Riesin ein, die Grid heißt. Sie war die Mutter Widars des Schweigsamen. Sie berichtete Thor wahrheitsgetreu von Geirröd, dass er ein äußerst verschlagener Riese sei, mit dem schwer umzugehen war. Sie lieh ihm einen Kraftgürtel und Eisenhandschuhe, die ihr gehörten, sowie ihren Stab, der Gridarvöl heißt. Dann kam Thor an den Fluss Wimur, den größten aller Flüsse. Da legte er den Kraftgürtel an und stemmte Gridarvöl gegen die Strömung; Loki hielt sich am Kraftgürtel fest. Als Thor aber mitten im Fluss war, schwoll dieser so stark an, dass ihm die Wogen über die Schultern schlugen. Da sprach Thor diesen Vers:

65
Schwelle nun nicht, Wimur,
denn ich muss dich durchwaten,
hin zu den Höfen der Riesen;
wisse: Wenn du anschwillst,
wächst mir die Asenkraft
so hoch wie der Himmel empor.

Da sah Thor oben in einer Schlucht Gjalp, Geirröds Tochter, mit je einem Bein auf beiden Seiten des Flusses stehen; sie verursachte das Anschwellen. Thor hob einen großen Stein aus dem Fluss, warf ihn nach ihr und sagte: ‚An der Mündung muss man den Fluss stauen.‘ Er verfehlte sein Ziel nicht. Im selben Augenblick wurde er ans Ufer getrieben, bekam einen Vogelbeerstrauch zu fassen und stieg so aus dem Fluss. Daher stammt die Redensart, die Vogelbeere sei Thors Rettung.

Als Thor zu Geirröd kam, wurde den Gefährten zunächst ein Ziegenstall als Unterkunft zugewiesen. Dort stand ein einziger Stuhl zum Sitzen, und Thor setzte sich darauf. Da bemerkte er, dass sich der Stuhl unter ihm zum Dach hinaufbewegte. Er stieß Gridarvöl gegen die Sparren und drückte sich mit aller Kraft auf den Stuhl nieder. Da ertönte ein lautes Krachen, gefolgt von einem Schrei. Unter dem Stuhl hatten Geirröds Töchter Gjalp und Greip gesessen, und er hatte beiden das Rückgrat gebrochen.

Darauf ließ Geirröd Thor zu Spielen in die Halle rufen. Dort brannten große Feuer der Länge nach durch die Halle. Als Thor Geirröd gegenübertrat, ergriff Geirröd mit einer Zange einen glühenden Eisenklumpen und warf ihn nach Thor. Thor aber fing ihn mit den Eisenhandschuhen auf und hob den Klumpen hoch, während Geirröd hinter eine Eisensäule sprang, um sich zu schützen. Thor warf den Eisenklumpen und schleuderte ihn durch die Säule, durch Geirröd und durch die Wand hindurch, bis er draußen in die Erde fuhr.“

Nach dieser Geschichte hat Eilif Gudrunarson in der Thorsdrapa gedichtet.

27

Wie soll man Frigg umschreiben? Indem man sie Fjörgyns Tochter, Odins Frau, Balders Mutter, Nebenfrau von Jörd, Rind, Gunnlöd und Gerd, Nannas Schwiegermutter, Königin der Asen und Asinnen, Herrin Fullas, des Falkengewandes und Fensalirs nennt.

28

Wie soll man Freyja umschreiben? Indem man sie Njörds Tochter, Freyrs Schwester, Ods Frau, Hnoss’ Mutter, Besitzerin der Gefallenen, Sessrumnirs, der Kater und des Brisingamen, Wanengottheit, Wanendís, die schön weinende Gottheit, Liebesgöttin nennt. – So kann man alle Asinnen umschreiben, indem man den Namen einer anderen nennt und ihn mit ihrem Besitz, ihren Taten oder ihrer Abstammung verbindet.

29

Wie soll man Sif umschreiben? Indem man sie Thors Frau, Ulls Mutter, die schönhaarige Gottheit, Jarnsaxas Nebenfrau, Thruds Mutter nennt.

30

Wie soll man Idun umschreiben? Indem man sie Bragis Frau und Hüterin der Äpfel nennt; die Äpfel aber nennt man das Heilmittel der Asen gegen das Alter. Sie ist auch die Raubbeute des Riesen Thjazi, wie zuvor erzählt wurde, dass er sie von den Asen fortführte. Nach dieser Geschichte dichtete Thjodolf aus Hvinir in der Haustlöng. Ebenso ist es richtig, die Asen zu umschreiben, indem man einen mit dem Namen eines anderen nennt und ihn mit seinen Taten, seinem Besitz oder seiner Abstammung verbindet.

31

Wie soll man den Himmel umschreiben? Indem man ihn Ymirs Schädel und danach Riesenschädel nennt, Mühsal oder Bürde der Zwerge oder Helm Westris und Austris, Sudris und Nordris, Land der Sonne, des Mondes, der Gestirne, der Wagen und der Winde, Helm oder Haus der Luft, der Erde und der Sonne. So dichtete Arnor Jarlaskald:

Kein junger Schildung betritt jemals,
ebenso freigebig, das beschlagene Schiff
unter dem alten Schädel Ymirs;
reich war des Fürsten Pracht.

Und ferner dichtete er:

Schwarz wird die helle Sonne,
die Erde sinkt ins dunkle Meer,
Austris Bürde zerbirst,
das ganze Meer dröhnt auf den Bergen.

So dichtete Bödvar Balti:

Denn kein Herrscher über Länder wird Ingi
unter dem Grund der Sonne
an Kampfkühnheit und Güte übertreffen,
noch werden seine Brüder höher stehen.

Und wie Thjodolf aus Hvinir dichtete:

Zum Eisenspiel fuhr
der Sohn der Jörd; es dröhnte,
Meilis Bruders Zorn schwoll,
der Weg des Mondes unter ihm.

So wie Orm Barreyjarskald dichtete:

Wie immer es steht, Göttin
von Draupnirs Streifen, ich höre vom mächtigen Fürsten:
Der Herr der Wagenbahn ist mir gewogen;
er bestimmt über die Herrschaft.

So wie der Dichter Bragi dichtete:

Der die Augen des Vaters
der Skigöttin in die weite
Welt der Winde warf,
über die Wohnstatt vieler Menschen.

Und wie Markus dichtete:

Fern liegt, dass ein edlerer
Hüter der Männer geboren werde auf des Sturmgefäßes Boden;
jeder Mann preist das erhabene Leben
des Ringverschenkers auf dem von Brandung umringten Grund.

So wie Stein Herdisarson dichtete:

Den heiligen Herrscher des hohen
Weltzeltes besinge ich zum Schluss dieses Liedes;
das Lob gelangt vor ihn, vor den Männern,
denn er ist herrlicher.

Und wie Arnor Jarlaskald dichtete:

Hilf du, herrlicher König
des Tagesgrundes, dem herrlichen Hermund.

Und ferner dichtete Arnor:

Wahrer Herrscher der Sonnenzelte,
hilf du dem tapferen Rögnvald.

Und wie Hallvard dichtete:

Knut schützt die Erde, wie der erhabene
Herr aller Dinge den Saal der Berge.

Wie Arnor dichtete:

Michael wägt, an Einsicht weise,
was als Unrecht gilt, und alles Gute;
der König des Sonnenhelms scheidet dann
die Menschen auf dem Richterstuhl.

32

Wie soll man die Erde umschreiben? Indem man sie Ymirs Fleisch und Thors Mutter, Onars Tochter, Odins Braut, Nebenfrau Friggs, Rinds und Gunnlöds, Sifs Schwiegermutter, Fußboden und Grund der Halle der Winde, Meer der Tiere, Tochter der Nott, Schwester Auds und Dags nennt. So wie Eyvind Skaldenverderber dichtete:

Nun ist die volle Sonne des Flusses
im Leib der Mutter des Riesenfeindes
verborgen; die Beschlüsse des starken
Volkes sind mächtig.

Wie Hallfred Vandrädaskald dichtete:

Die Pläne erfüllten sich: Der kluge
Vertraute des Königs besaß darauf
Onars einzige Tochter,
die mit Wald bewachsene.

Und ferner sagte er:

Die breitgesichtige Braut Baleygs
hat der Lenker der Raben
vom Stahlrastplatz durch Machtworte
an sich gezogen.

So wie Thjodolf dichtete:

Außen am Ende des Rentiers
vom Elchmeer bindet der Fürstenerfreuer,
beim geruderten Rumpf, das Schiff der Männer
an den Meeresboden.

Wie Hallfred dichtete:

Darum, glaube ich, lässt der berühmte Werfer,
dem herrlichen Halsringvernichter fügt sich die Erde,
nur sehr ungern Auds Schwester
allein.

So dichtete Thjodolf:

Der träge Speerzauderer stand
fern vom Kampflicht,
als der Eilige Rinds Nebenfrau
ohne Brautgabe nahm.

33

Wie soll man das Meer umschreiben? Indem man es Ymirs Blut nennt, Besucher der Götter, Rans Gemahl, Vater der Ägirstöchter, die Himingläva, Dufa, Blodughadda, Hefring, Udr, Hrönn, Bylgja, Bara und Kolga heißen, Land Rans und der Ägirstöchter, der Schiffe und dessen, was ein Seeschiff bezeichnet: Kiel, Steven, Planken, Plankennaht; Land der Fische und des Eises, Weg und Straßen der Seekönige, ebenso Ring der Inseln, Haus des Sandes, des Tangs und der Schären, Land der Angelschnur, der Seevögel und des Fahrwinds. So wie Orm Barreyjarskald dichtete:

Draußen umtost Ymirs Blut
die Sandbank der guten Schiffe.

So dichtete Ref:

Von Westen trägt das wellengetriebene,
Land erwarte ich vor dem Steven,
sanfte Tier der Mastspitzen seine Schultern über die See;
es streift den Rücken der Wale.

So wie Svein dichtete:

Als die sturmfrohen Töchter Ägirs
am Frost herangewachsen, die harten
Schneegestöber vom Bergwall des Speerschafts
woben und zerzausten.

Und wie Ref dichtete:

Den Bären der gedrehten Taue führt,
wo die Woge bricht,
oft in Ägirs Rachen
die sprühkalte Seherin Gymirs.

Hier wird gesagt, dass Ägir, Hlér und Gymir ein und derselbe sind. Und ferner dichtete er:

Doch der vom Gischt durchnässte Sleipnir der Seeklippe
reißt aus dem Rachen der weißen
Ran seine Brust,
mit roter Farbe überzogen.

Wie Einar Skulason dichtete:

Der heftige Sturmwind hat das Schiff rasch
vom Land gestoßen; das Ross des Schwanengefildes
lässt das Schneeland
in den Sog sinken.

Und ferner, wie er dichtete:

Manch steife Dolle steigt auf
unter den Händen der Männer; um die Länder jagt
der tosende Strand der Angelschnur,
zuweilen spannen sich die Stage.

Und ferner dichtete er:

Die Steven der Schnäcke tragen des Fürsten
vergoldete Planken; herrlich ist diese Fahrt für den König;
die Fessel der Inseln schleudert
Heitis Raben empor.

Ferner, wie er dichtete:

Der herbstkalte Inselrand stößt gegen
den bereiften Ski der Brandung.

Und ferner so:

Auseinander springt der mächtige Gürtel
der kühlen Länder vor den Steven.

Wie Snæbjörn dichtete:

Rasch, sagt man, bewegen den Grotti,
den schrecklichsten Feind der Schären,
draußen vor dem Saum der Erde
die neun Bräute des Inselmühlkastens;
sie mahlten vor langer Zeit
Amlodis Trankmehl; der Ringverminderer
durchschneidet mit dem Schiffsbug
die Wohnstatt der Schiffshänge.

Hier wird das Meer Amlodis Mühle genannt. – Ferner, wie Einar Skulason dichtete:

Die starke Plankennaht gibt nach
im jähen Strom von Raknis Land;
das Unheil des Segeltuchs stößt dort, wo die bleiche
Bebenerde liegt, gegen die Rippen beim Stag.

34

Wie soll man die Sonne umschreiben? Indem man sie Mundilfaris Tochter, Manis Schwester, Glens Frau, Feuer des Himmels und der Luft nennt. So wie Skuli Thorsteinsson dichtete:

Glens Gattin schreitet, götterfroh,
ins Heiligtum der Göttin; danach
kommt das gute Licht mit Strahlen
von oben, von Mani im grauen Gewand.

So dichtete Einar Skulason:

Nirgends, wo die flackernde Flamme der Welt
über den schrecklich lodernden Sälen von Beitis Burg
hoch einherschwebt,
steht ein Gabenfreund über unserem.

35

Wie soll man den Wind umschreiben? Indem man ihn Fornjóts Sohn, den Bruder Ägirs und des Feuers, Brecher des Holzes, Schädiger und Töter oder Hund oder Wolf des Holzes oder des Segels oder des Segelwerks nennt. So sprach Svein in der Norðrsetudrápa:
Zu stürmen begannen zuerst
Fornjóts grimmige Söhne.

36

Wie soll man das Feuer umschreiben? Indem man es den Bruder des Windes und Ägirs, Töter und Verderben des Holzes und der Häuser, Halfs Töter, Sonne der Häuser nennt.

37

Wie soll man den Winter umschreiben? Indem man ihn Windswals Sohn und Töter der Schlangen, Zeit der Schneestürme nennt. So dichtete Orm Steinþórsson:
Ich rate dem blinden Mann,
an diesem Sohn Windvals Freude zu haben.
So dichtete Ásgrím:
Der siegspendende, freigebige Fürst
war danach in Trondheim
jenen Schlangenkummer lang; das Volk weiß,
dass deine Taten wahr sind.

38

Wie soll man den Sommer umschreiben? Indem man ihn Swasuds Sohn, Wohltat für die Schlangen und Gedeihen der Menschen nennt. So dichtete Egil Skallagrimsson:
Hoch wollen wir unsere Schwerter blitzen lassen,
du Färber der Wolfszähne;
Heldentaten gilt es zu vollbringen
in der Gnadenzeit der Fische des Tales.

39

Wie soll man den Mann umschreiben? Den Mann soll man nach seinen Werken umschreiben, nach dem, was er gewährt oder empfängt oder tut. Man kann ihn auch nach seinem Besitz umschreiben, nach dem, was er besitzt, und ebenso nach dem, was er verschenkt hat, ferner nach den Geschlechtern, von denen er abstammt, und nach denen, die von ihm abstammen. Wie soll man ihn nach diesen Dingen umschreiben? Indem man ihn Vollbringer oder Ausführer seiner Fahrten oder Tätigkeiten, von Kämpfen oder Seefahrten oder Jagden oder von Waffen oder Schiffen nennt. Und weil er ein Erprober der Waffen und ein Vollbringer der Kämpfe ist, bedeutet dies dasselbe wie Wirkender. „Viðr“ heißt auch Baum. „Reynir“ heißt auch Baum. Aufgrund dieser Bezeichnungen haben die Dichter den Mann Esche oder Ahorn, Hain oder mit anderen männlichen Baumbezeichnungen benannt und diese mit Kämpfen oder Schiffen oder Reichtum verbunden. Es ist auch richtig, den Mann mit allen Namen der Asen zu umschreiben. Auch mit Riesennamen wird er umschrieben, doch ist das meist Spott oder Schmähung. Umschreibungen mit Elfennamen gelten als gut.

Die Frau soll man mit allem Frauenschmuck umschreiben, mit Gold und Edelsteinen, Bier oder Wein oder einem anderen Getränk, das sie reicht oder ausschenkt, ebenso mit Biergefäßen und allen Dingen, die sie angemessenerweise herstellt oder darreicht. Es ist richtig, sie so zu umschreiben, dass man sie Spenderin oder Darreicherin dessen nennt, was sie austeilt; doch „selja“ und „lág“ sind auch Baumbezeichnungen. Deshalb wird die Frau in Umschreibungen mit allen weiblichen Baumbezeichnungen benannt. Mit Edelsteinen oder Glassteinen aber wird die Frau deshalb umschrieben, weil es in alter Zeit einen Frauenschmuck gab, der Steinhalsband genannt wurde und den die Frauen um den Hals trugen. Dies wird nun so auf die Umschreibung übertragen, dass die Frau mit Stein und allen Steinbezeichnungen umschrieben wird. Die Frau wird auch mit allen Asinnen oder Walküren oder Nornen oder Disen umschrieben. Es ist ferner richtig, die Frau nach all ihrem Tun oder nach Besitz oder Geschlecht zu umschreiben.

40

Wie soll man Gold umschreiben? Indem man es Ägirs Feuer und Glasirs Nadeln, Sifs Haar, Fullas Stirnband, Freyjas Tränen, Rede und Stimme und Worte der Riesen, Draupnirs Tropfen und Regen oder Schauer Draupnirs oder der Augen Freyjas, Otterbuße, Zwangsbuße der Asen, Saat der Fyrisfelder, Hülgis Hügeldecke, Feuer aller Gewässer und der Hand, Gestein und Schäre oder Glanz der Hand nennt.

41

Warum wird Gold Ägirs Feuer genannt? Dazu gehört die bereits erwähnte Geschichte, dass Ägir einer Einladung nach Asgard folgte. Als er zur Heimfahrt bereit war, lud er Odin und alle Asen ein, ihn nach drei Monaten zu besuchen. An dieser Fahrt nahmen vor allem Odin und Njörd, Freyr, Tyr, Bragi, Widar und Loki teil, ebenso die Asinnen Frigg, Freyja, Gefjon, Skadi, Idun und Sif. Thor war nicht dort. Er war nach Osten gezogen, um Trolle zu töten. Als die Götter ihre Plätze eingenommen hatten, ließ Ägir leuchtendes Gold auf den Hallenboden hineintragen, das die Halle wie Feuer erhellte und beleuchtete. Es diente dort bei seinem Fest als Licht, wie in Walhall die Schwerter anstelle des Feuers dienten. Da stritt Loki dort mit allen Göttern und erschlug Ägirs Knecht, der Fimafeng hieß. Sein anderer Knecht wird Eldir genannt. Ran heißt seine Frau, und sie haben neun Töchter, wie zuvor geschrieben steht. Bei diesem Fest ging alles von selbst, sowohl die Speisen und das Bier als auch alle Verrichtungen, die für das Fest nötig waren. Da erfuhren diese Asen, dass Ran ein Netz besaß, mit dem sie alle Menschen fing, die auf dem Meer umkamen.

Diese Geschichte erklärt nun, woher es kommt, dass Gold Feuer oder Licht oder Glanz Ägirs, Rans oder der Töchter Ägirs genannt wird. Aus diesen Umschreibungen hat sich nun ergeben, dass Gold Feuer des Meeres und aller seiner Bezeichnungen genannt wird, da Ägir und Ran mit dem Meer verbundene Namen tragen. Davon ausgehend wird Gold nun Feuer der Gewässer oder der Flüsse und aller Flussnamen genannt. Mit diesen Bezeichnungen ist es wie mit anderen Bezeichnungen und Umschreibungen ergangen: Die jüngeren Dichter haben nach den Vorbildern der alten Dichter gedichtet, wie sie in deren Gedichten standen, und sie dann auf Bereiche ausgedehnt, die ihnen dem ähnlich schienen, worüber zuvor gedichtet worden war, so wie das Binnengewässer dem Meer ähnelt, der Fluss dem Binnengewässer und der Bach dem Fluss. Deshalb nennt man alles das Neubildungen, wo eine Bezeichnung weiter ausgedehnt wird, als es sich zuvor belegen lässt; und alles daran gilt als gut, was der Ähnlichkeit und der Natur der Dinge folgt. So dichtete der Dichter Bragi:
Feuer des Ellbogenbachs empfing ich
vom Fürsten beim Trinken;
das gab mir der Herrscher samt einem Becher
des Getränks von Fjölnirs Bergen.

42

Warum wird Gold Glasirs Nadeln oder Laub genannt? In Asgard steht vor den Türen Walhalls ein Hain, der Glasir genannt wird, und sein ganzes Laub ist rotes Gold, wie hier gedichtet wird:
Glasir steht
mit goldenem Laub
vor Sigtyrs Hallen.
Dieser Baum ist der schönste bei Göttern und Menschen.

43

Warum wird Gold Sifs Haar genannt? Loki, Laufeys Sohn, hatte aus Bosheit Sif das ganze Haar abgeschnitten. Als Thor davon erfuhr, packte er Loki und wollte ihm jeden Knochen im Leib zerschlagen, bis dieser schwor, er werde die Schwarzalben dazu bringen, Sif aus Gold ein Haar zu machen, das wie anderes Haar wachsen sollte. Danach ging Loki zu den Zwergen, die Ivaldis Söhne heißen, und sie machten das Haar und Skidbladnir und den Speer, den Odin besaß und der Gungnir heißt.

Da wettete Loki seinen Kopf mit dem Zwerg, der Brokk heißt, dass dessen Bruder Sindri keine drei ebenso guten Kostbarkeiten wie diese herstellen könne. Als sie zur Schmiede kamen, legte Sindri eine Schweinshaut in die Esse und gebot Brokk, den Blasebalg zu treten und nicht aufzuhören, ehe er aus der Esse nähme, was er hineingelegt hatte. Sobald er aber die Schmiede verlassen hatte und der andere den Blasebalg trat, setzte sich eine Fliege auf dessen Hand und stach ihn. Doch er blies weiter wie zuvor, bis der Schmied etwas aus der Esse nahm: Es war ein Eber, und seine Borsten waren aus Gold.

Als Nächstes legte er Gold in die Esse und gebot ihm, den Blasebalg zu treten und mit dem Blasen nicht aufzuhören, ehe er zurückkäme. Dann ging er fort. Da kam die Fliege, setzte sich auf seinen Hals und stach nun noch einmal so heftig wie zuvor. Doch er blies weiter, bis der Schmied den Goldring aus der Esse nahm, der Draupnir heißt.

Dann legte er Eisen in die Esse und gebot ihm, den Blasebalg zu treten, und sagte, das Werk werde misslingen, wenn das Blasen aussetze. Da setzte sich die Fliege zwischen seine Augen und stach ihm in die Lider. Als ihm das Blut in die Augen lief, sodass er nichts mehr sah, griff er so schnell wie möglich mit der Hand hin, während der Blasebalg zusammensank, und verscheuchte die Fliege. Da kam der Schmied zurück und sagte, nun sei es beinahe geschehen, dass alles in der Esse verdorben wäre. Dann nahm er einen Hammer aus der Esse.

Er gab nun alle Kostbarkeiten seinem Bruder Brokk in die Hände und gebot ihm, damit nach Asgard zu gehen und die Wette entscheiden zu lassen. Als er und Loki ihre Kostbarkeiten vorlegten, setzten sich die Asen auf die Richterstühle, und es sollte der Spruch gelten, den Odin, Thor und Freyr fällten. Da gab Loki Odin den Speer Gungnir, Thor aber das Haar, das Sif haben sollte, und Freyr Skidbladnir. Er erläuterte die Eigenschaften aller Kostbarkeiten: Der Speer werde beim Stoß niemals aufgehalten; das Haar aber wachse im Fleisch fest, sobald es auf Sifs Kopf komme; und Skidbladnir habe günstigen Wind, sobald das Segel gehisst werde, wohin es auch fahren solle, doch könne man es wie ein Tuch zusammenfalten und in seinem Beutel tragen, wenn man wolle.

Da legte Brokk seine Kostbarkeiten vor. Er gab Odin den Ring und sagte, dass in jeder neunten Nacht acht ebenso schwere Ringe von ihm tropfen würden. Freyr aber gab er den Eber und sagte, er könne Tag und Nacht schneller als jedes Pferd durch Luft und Wasser laufen, und niemals werde es in der Nacht oder in den dunklen Welten so finster, dass dort, wo er hinzöge, nicht reichlich Licht wäre, so sehr leuchteten seine Borsten. Dann gab er Thor den Hammer und sagte, er könne damit so fest zuschlagen, wie er wolle, was ihm auch im Wege sei, ohne dass der Hammer versage. Und wenn er ihn nach etwas werfe, werde er niemals sein Ziel verfehlen und niemals so weit fliegen, dass er nicht in die Hand zurückkehre. Wenn er wolle, sei er auch so klein, dass er ihn im Hemd tragen könne. Doch hatte er den Mangel, dass sein Stiel etwas kurz war.

Ihr Urteil lautete, dass der Hammer die beste aller Kostbarkeiten sei und den größten Schutz gegen die Reifriesen biete; und sie entschieden, dass der Zwerg den Wetteinsatz erhalten solle. Da bot Loki an, seinen Kopf freizukaufen, doch der Zwerg sagte, das komme nicht in Frage. „Dann fang mich“, sagte Loki; als er ihn aber greifen wollte, war er schon weit fort. Loki besaß Schuhe, mit denen er durch Luft und Wasser lief. Da bat der Zwerg Thor, ihn zu fangen, und der tat es. Nun wollte der Zwerg ihm den Kopf abschlagen, doch Loki sagte, ihm gehöre der Kopf, aber nicht der Hals.

Da nahm der Zwerg einen Riemen und ein Messer und wollte Löcher in Lokis Lippen stechen und ihm den Mund zunähen, doch das Messer schnitt nicht. Da sagte er, die Ahle seines Bruders wäre dafür besser. Sobald er sie aber genannt hatte, war die Ahle da, und sie durchbohrte die Lippen. Er nähte die Lippen zusammen, und Loki riss den Riemen aus den Ösen. Der Riemen, mit dem Lokis Mund zusammengenäht wurde, heißt Vartari.

44

Hier kann man hören, dass Gold mit Fullas Stirnband umschrieben wird, wie Eyvind Skaldaspillir dichtete:
Fullas sinkende Sonne des Brauenfelds
schien auf den Bergen von Ulls Schiff
uns Dichtern während der ganzen
Lebenszeit Hakons.

Gold wird Freyjas Tränen genannt, wie zuvor gesagt wurde. So dichtete Skúli Þorsteinsson:
Mancher Bringer des Mordfeuer-Unheils
gewann am Morgen mehr von Freyjas
Tränen, dort, wo wir Krieger fällten;
wir waren dabei.

Und wie Einar Skúlason dichtete:
Dort liegt Mardölls Tränenfluss
zwischen den Einschnitten der mächtigen Tür,
auf dem Lager der Talforelle; wir tragen
des Gauten schadenschwellendes Werkzeug.

Und hier hat Einar Freyja ferner so umschrieben, dass er sie Hnoss' Mutter oder Ods Frau nennt, wie hier:
Der König gewinne das Alter; vor dem Regen
aus den Augen von Ods Bettfreundin
schwindet das mächtige Eis
von Rodis Dach nicht dahin.

Und ferner so:
Hörns ruhmreiches Kind darf ich besitzen,
eine kostbare Gabe ward uns zuteil;
der Schwertbrand tost am goldumwundenen
Rand des Schildes;
Freyrs Nichte trägt die Schneewehen
der Brauen ihrer Mutter; der Pfleger
von Frodis Schwanensaat schenkte mir
die des Kampfschwans.

Hier wird auch erwähnt, dass man Freyja so umschreiben kann, dass man sie Freyrs Schwester nennt. Und ferner so:
Njörds tüchtige Tochter bot mir
des Meeres Feuer; dem Stahl war es nahe,
das schützende Werk; dafür preise ich
den Fürsten wohl.

Hier wird sie Njörds Tochter genannt. Und ferner so:
Der kampfstolze Bedränger von Wafödrs Thing,
der den Ruhm mehrt, schenkte mir
die kraftvolle Tochter
der Wanenbraut;
der mächtige Herr des Schwertkampfs führte
dem Dichter Gefns Jungfrau ins Bett,
übersät mit Glut vom Weg
der Schwäne Gautreks.

Hier wird sie Gefn und Wanenbraut genannt. Es ist richtig, die Tränen mit allen Namen Freyjas zu umschreiben und so das Gold zu benennen. Diese Umschreibungen werden auf vielerlei Weise abgewandelt: Man nennt es Hagel oder Regen oder Schneegestöber oder Tropfen oder Schauer oder Wasserfälle ihrer Augen oder Wangen oder Backen oder Brauen oder Lider.

45

Hieraus kann man ersehen, dass das Gold, wie zuvor gesagt, Wort oder Stimme der Riesen genannt wird. So dichtete der Skalde Bragi:

Ihn hatte ich zum schlimmsten Freund
für die Stimme des Áli von Vastrs
unterer Kugel, mir aber zum besten,
zum dritten, ungeschmähten.

Er nannte den Stein Vastrs untere Kugel, den Riesen aber den Áli des Steines und das Gold die Stimme des Riesen.

46

Weshalb wird Gold Otterbuße genannt? Es wird erzählt, dass die Asen Odin, Loki und Hönir, als sie auszogen, die Welt zu erkunden, an einen Fluss kamen und an ihm entlang bis zu einem Wasserfall gingen. Bei dem Wasserfall war ein Otter, der einen Lachs aus dem Wasserfall gefangen hatte und ihn mit geschlossenen Augen fraß. Da hob Loki einen Stein auf, warf ihn nach dem Otter und traf ihn am Kopf. Darauf rühmte Loki seinen Fang, denn er habe mit einem einzigen Schlag einen Otter und einen Lachs erbeutet. Sie nahmen den Lachs und den Otter mit sich, kamen zu einem Gehöft und gingen hinein. Der Bauer, der dort wohnte, hieß Hreidmar. Er war ein mächtiger Mann und sehr zauberkundig. Die Asen baten um ein Nachtlager und sagten, sie hätten reichlich Nahrung bei sich; dabei zeigten sie dem Bauern ihre Beute. Als Hreidmar den Otter sah, rief er seine Söhne Fafnir und Regin und sagte, dass ihr Bruder Otr erschlagen worden sei, und auch, wer es getan hatte. Nun gingen Vater und Söhne auf die Asen los, ergriffen und fesselten sie und erklärten ihnen, dass der Otter Hreidmars Sohn gewesen sei. Die Asen boten als Lösegeld für ihr Leben so viel Gut an, wie Hreidmar selbst bestimmen wollte. Darauf einigten sie sich und bekräftigten es mit Eiden.

Dann wurde dem Otter das Fell abgezogen. Hreidmar nahm den Otterbalg und sagte ihnen, sie sollten den Balg mit rotem Gold füllen und ihn auch ganz damit bedecken; das solle ihre Sühneleistung sein. Da schickte Odin Loki nach Schwarzalbenheim, und dieser kam zu dem Zwerg namens Andvari. Er lebte als Fisch im Wasser, und Loki fing ihn mit den Händen und verlangte als Lösegeld für sein Leben alles Gold, das er in seinem Felsen besaß. Als sie in den Felsen kamen, brachte der Zwerg alles Gold hervor, das er besaß, und das war ein sehr großer Schatz. Einen kleinen goldenen Ring aber schob der Zwerg unter seinen Arm. Loki sah das und forderte ihn auf, den Ring herauszugeben. Der Zwerg bat ihn, ihm den Ring nicht zu nehmen, und sagte, mit dem Ring könne er sich neuen Reichtum verschaffen, wenn er ihn behielte. Loki sagte, er solle keinen einzigen Pfennig behalten, nahm ihm den Ring ab und ging hinaus. Der Zwerg aber sprach, dieser Ring solle jedem, der ihn besäße, den Tod bringen. Loki sagte, das sei ihm recht, und dieser Fluch werde wohl Bestand haben können, denn er werde ihn denen zu Gehör bringen, die das Gold nun empfingen.

Er zog fort, kam zu Hreidmar und zeigte Odin das Gold. Als Odin den Ring sah, gefiel er ihm, und er nahm ihn aus dem Schatz, das Gold aber übergab er Hreidmar. Dieser füllte den Otterbalg, so voll er nur konnte, und stellte ihn auf, als er gefüllt war. Da trat Odin hinzu und sollte den Balg mit dem Gold bedecken. Dann sagte er zu Hreidmar, er solle nachsehen, ob der Balg nun ganz bedeckt sei. Hreidmar sah genau hin, entdeckte ein einziges Barthaar und verlangte, auch dieses zu bedecken; andernfalls sei ihre Vereinbarung hinfällig. Da holte Odin den Ring hervor, bedeckte das Barthaar und sagte, nun seien sie von der Otterbuße frei.

Als Odin seinen Speer und Loki seine Schuhe wieder an sich genommen hatten und sie nichts mehr zu fürchten brauchten, sagte Loki, es solle gelten, was Andvari gesprochen hatte: Dieser Ring und dieses Gold sollten dem, der sie besäße, den Tod bringen. Und so geschah es später. Nun ist erzählt, weshalb Gold Otterbuße oder Zwangsbuße der Asen oder Zwietrachtsmetall genannt wird.

47

Was ist weiter von dem Gold zu erzählen? Hreidmar nahm das Gold als Buße für seinen Sohn, Fafnir und Regin aber verlangten einen Teil davon als Buße für ihren Bruder. Hreidmar gönnte ihnen keinen einzigen Pfennig von dem Gold. Da fassten die Brüder den ruchlosen Entschluss, ihren Vater um des Goldes willen zu töten. Danach verlangte Regin, Fafnir solle das Gold mit ihm zu gleichen Teilen teilen. Fafnir antwortete, es sei wenig wahrscheinlich, dass er das Gold mit seinem Bruder teilen werde, nachdem er seinen Vater um des Goldes willen erschlagen habe. Er hieß Regin fortgehen, andernfalls werde es ihm wie Hreidmar ergehen. Fafnir hatte den Helm genommen, der Hreidmar gehört hatte, und ihn sich aufgesetzt. Dieser hieß Schreckenshelm, und alle lebenden Wesen, die ihn sehen, fürchten sich vor ihm. Auch das Schwert namens Hrotti hatte er genommen. Regin hatte das Schwert, das Refill genannt wird. Er floh nun, Fafnir aber zog hinauf auf die Gnitaheide, richtete sich dort eine Lagerstatt ein, nahm Drachengestalt an und legte sich auf das Gold.

Regin ging nun zu König Hjalprek in Thjod und wurde dort sein Schmied. Dort nahm er Sigurd als Ziehsohn auf, den Sohn Sigmunds, des Sohnes Wölsungs, und der Hjördis, der Tochter Eylimis. Sigurd war durch Herkunft, Kraft und Mut der hervorragendste aller Heerkönige. Regin sagte ihm, wo Fafnir auf dem Gold lag, und reizte ihn dazu, das Gold zu holen. Dann schmiedete Regin das Schwert namens Gram. Es war so scharf, dass Sigurd es in fließendes Wasser hielt und eine Wollflocke durchschnitt, die mit der Strömung gegen die Schwertschneide trieb. Gleich darauf spaltete Sigurd mit dem Schwert Regins Amboss bis hinab in den Holzblock.

Danach zogen Sigurd und Regin auf die Gnitaheide. Sigurd grub auf Fafnirs Weg eine Grube und setzte sich hinein. Als Fafnir zum Wasser kroch und über die Grube kam, stieß Sigurd ihm das Schwert durch den Leib, und das brachte ihm den Tod. Da kam Regin hinzu und sagte, Sigurd habe seinen Bruder erschlagen. Zur Sühne verlangte er von ihm, Fafnirs Herz zu nehmen und am Feuer zu braten. Regin aber legte sich nieder, trank Fafnirs Blut und legte sich schlafen. Als Sigurd das Herz briet und meinte, es müsse gar sein, prüfte er mit dem Finger, wie fest es sei. Als der Saft aus dem Herzen auf seinen Finger floss, verbrannte er sich und steckte den Finger in den Mund. Als aber das Herzblut seine Zunge berührte, verstand er die Sprache der Vögel und begriff, was die Meisen sagten, die im Gehölz saßen. Da sprach eine:

Dort sitzt Sigurd,
mit Blut bespritzt,
Fafnirs Herz
brät er am Feuer;
weise erschiene mir
der Verschwender der Ringe,
wenn er den glänzenden
Lebensmuskel äße.

Dort liegt Regin, sprach eine andere,
berät sich mit sich selbst,
will den Jüngling betrügen,
der ihm vertraut,
fügt aus Zorn
falsche Worte zusammen,
will, der Unheilstifter,
den Bruder rächen.

Da ging Sigurd zu Regin und erschlug ihn, dann zu seinem Pferd namens Grani und ritt, bis er zu Fafnirs Lagerstatt kam. Er nahm das Gold, band es zu Saumlasten zusammen, legte sie Grani auf den Rücken, stieg selbst auf und ritt seines Weges. Nun ist erzählt, welche Geschichte dahintersteht, dass das Gold Fafnirs Lager oder Behausung oder Metall der Gnitaheide oder Granis Bürde genannt wird.

48

Sigurd ritt nun weiter, bis er auf dem Berg ein Haus fand. Darin schlief eine Frau, die einen Helm und eine Brünne trug. Er zog sein Schwert und schnitt ihr die Brünne vom Leib. Da erwachte sie und nannte sich Hild. Sie wird Brynhild genannt und war eine Walküre. Sigurd ritt von dort fort und kam zu einem König namens Gjuki. Seine Frau hieß Grimhild. Ihre Kinder waren Gunnar, Högni, Gudrun und Gudny. Guthorm war Gjukis Stiefsohn. Dort blieb Sigurd lange Zeit. Dann heiratete er Gudrun, Gjukis Tochter, und Gunnar und Högni schlossen mit Sigurd Blutsbrüderschaft.

Darauf zogen Sigurd und Gjukis Söhne zu Atli, Budlis Sohn, um für Gunnar um dessen Schwester Brynhild zu werben. Sie wohnte auf dem Hindarfjall, und um ihren Saal loderte ein Flammenwall. Sie hatte gelobt, nur den Mann zu heiraten, der es wagte, durch den Flammenwall zu reiten. Da ritten Sigurd und die Gjukungen – sie werden auch Niflungen genannt – den Berg hinauf, und Gunnar sollte nun durch den Flammenwall reiten. Er besaß das Pferd namens Goti, doch dieses Pferd wagte nicht, ins Feuer zu springen. Da tauschten Sigurd und Gunnar ihre Gestalt und ebenso ihre Namen, denn Grani wollte keinen anderen Mann als Sigurd tragen. Sigurd sprang nun auf Grani und ritt durch den Flammenwall. An jenem Abend hielt er mit Brynhild Hochzeit. Als sie aber zu Bett gingen, zog er das Schwert Gram aus der Scheide und legte es zwischen sie. Am Morgen, als er aufstand und sich ankleidete, gab er Brynhild als Morgengabe den goldenen Ring, den Loki Andvari abgenommen hatte; von ihrer Hand nahm er einen anderen Ring zur Erinnerung. Dann sprang Sigurd auf sein Pferd und ritt zu seinen Gefährten. Er und Gunnar tauschten nun ihre Gestalt zurück und kehrten mit Brynhild heim zu Gjuki. Sigurd hatte mit Gudrun zwei Kinder, Sigmund und Swanhild.

49

Einmal gingen Brynhild und Gudrun zum Wasser, um ihr Haar zu bleichen. Als sie an den Fluss kamen, watete Brynhild vom Ufer aus in den Fluss hinaus und sagte, sie wolle sich nicht das Wasser über den Kopf gießen, das aus Gudruns Haar flösse, denn sie habe einen mutigeren Gemahl. Da ging Gudrun ihr in den Fluss nach und sagte, sie dürfe ihr Haar deshalb weiter flussaufwärts waschen, weil sie einen Mann habe, dem weder Gunnar noch irgendein anderer auf der Welt an Tapferkeit gleichkomme; denn er habe Fafnir und Regin erschlagen und beider Erbe an sich genommen. Da antwortete Brynhild: „Mehr ist es wert, dass Gunnar durch den Flammenwall ritt, während Sigurd es nicht wagte.“ Da lachte Gudrun und sprach: „Glaubst du, Gunnar sei durch den Flammenwall geritten? Ich glaube, derjenige ging zu dir ins Bett, der mir diesen goldenen Ring gab. Der goldene Ring aber, den du an der Hand trägst und als Morgengabe empfingst, heißt Andvaranaut, und ich glaube nicht, dass Gunnar ihn von der Gnitaheide geholt hat.“ Da verstummte Brynhild und ging heim.

Danach reizte sie Gunnar und Högni dazu auf, Sigurd zu töten. Weil sie Sigurd aber durch Eide verbunden waren, stifteten sie ihren Bruder Guthorm an, Sigurd zu töten. Er stieß Sigurd im Schlaf das Schwert durch den Leib. Als dieser die Wunde empfing, warf er ihm das Schwert Gram nach, sodass es den Mann mitten durchtrennte. Dort fiel Sigurd und auch sein dreijähriger Sohn namens Sigmund, den sie erschlugen. Danach durchbohrte Brynhild sich mit einem Schwert, und sie wurde mit Sigurd verbrannt. Gunnar und Högni aber nahmen Fafnirs Erbe und Andvaranaut an sich und herrschten nun über die Länder.

50

König Atli, Budlis Sohn und Brynhilds Bruder, nahm darauf Gudrun, die Sigurd zur Frau gehabt hatte, zur Frau, und sie bekamen Kinder. König Atli lud dann Gunnar und Högni zu sich ein, und sie folgten seiner Einladung. Bevor sie aber von zu Hause aufbrachen, verbargen sie das Gold, Fafnirs Erbe, im Rhein, und dieses Gold ist seither niemals gefunden worden. König Atli hatte jedoch eine Streitmacht bereit und kämpfte gegen Gunnar und Högni, und sie wurden gefangen genommen. König Atli ließ Högni bei lebendigem Leib das Herz herausschneiden. Daran starb er. Gunnar ließ er in eine Schlangengrube werfen; doch heimlich wurde ihm eine Harfe gebracht, und er schlug sie mit den Zehen, denn seine Hände waren gefesselt. Er spielte die Harfe so, dass alle Schlangen einschliefen bis auf eine Natter. Die glitt auf ihn zu und biss ihn so in den Brustknorpel, dass sie ihren Kopf in die Brusthöhle stieß, und sie hing an seiner Leber, bis er starb. Gunnar und Högni werden Niflungen und Gjukungen genannt. Daher heißt Gold Schatz oder Erbe der Niflungen.

Wenig später tötete Gudrun ihre beiden Söhne und ließ aus ihren Schädeln Trinkgefäße mit Gold und Silber anfertigen. Dann wurde das Totenmahl für die Niflungen gehalten. Bei diesem Fest ließ Gudrun König Atli aus diesen Trinkgefäßen Met einschenken, der mit dem Blut der Knaben vermischt war; ihre Herzen ließ sie braten und dem König zu essen geben. Als das geschehen war, sagte sie es ihm selbst mit vielen hässlichen Worten. Es fehlte dort nicht an berauschendem Trank, sodass die meisten Leute einschliefen, wo sie saßen. In jener Nacht ging sie zum König, während er schlief, und mit ihr Högnis Sohn, und sie stachen auf ihn ein. Das war sein Tod. Dann legten sie Feuer an die Halle, und die Leute, die darin waren, verbrannten.

Danach ging sie ans Meer und sprang hinein, um sich das Leben zu nehmen; doch sie wurde über den Fjord getrieben und gelangte in das Land, das König Jonakr gehörte. Als er sie sah, nahm er sie zu sich und heiratete sie. Sie hatten drei Söhne, die Sörli, Hamdir und Erp hießen. Alle hatten rabenschwarzes Haar wie Gunnar und Högni und die anderen Niflungen. Dort wuchs auch Swanhild auf, die Tochter des jungen Sigurd, und sie war die schönste aller Frauen. Das erfuhr der mächtige König Jörmunrek. Er sandte seinen Sohn Randwer aus, um für ihn um sie zu werben. Als dieser zu Jonakr kam, wurde Swanhild ihm anvertraut. Er sollte sie zu König Jörmunrek bringen. Da sagte Jarl Bikki, es passe besser, dass Randwer Swanhild zur Frau nehme, da er jung sei und sie beide jung seien, Jörmunrek aber alt. Dieser Rat gefiel den beiden jungen Leuten gut. Darauf hinterbrachte Bikki dies dem König. Da ließ König Jörmunrek seinen Sohn ergreifen und zum Galgen führen. Randwer nahm darauf seinen Falken, rupfte ihm die Federn aus und ließ ihn seinem Vater senden. Dann wurde er gehängt. Als König Jörmunrek den Falken sah, kam ihm in den Sinn, dass sein Reich ebenso hilflos war, da er alt und ohne Sohn war, wie der Falke flugunfähig und federlos war. Als König Jörmunrek mit seinem Gefolge von der Jagd aus dem Wald geritten kam, erblickte er Swanhild, wie sie dasaß und ihr Haar in der Sonne trocknete. Da ritten sie auf sie los und trampelten sie unter den Hufen der Pferde zu Tode.

Als Gudrun dies erfuhr, stachelte sie ihre Söhne zur Rache für Swanhild an. Als sie sich zur Fahrt rüsteten, gab sie ihnen Brünnen und Helme, so stark, dass kein Eisen sie durchdringen konnte. Sie gab ihnen den Rat, wenn sie zu König Jörmunrek kämen, sollten sie sich ihm nachts nähern, während er schlief. Sörli und Hamdir sollten ihm Hände und Füße abhauen, Erp aber den Kopf. Als sie unterwegs waren, fragten sie Erp, welche Hilfe sie von ihm hätten, wenn sie König Jörmunrek anträfen. Er antwortete, er werde ihnen ebenso helfen wie die Hand dem Fuß. Sie sagten, es komme überhaupt nicht vor, dass der Fuß sich auf die Hand stütze. Sie waren auf ihre Mutter so zornig, weil sie sie mit gehässigen Worten verabschiedet hatte, und wollten ihr den größten Schmerz zufügen. Deshalb erschlugen sie Erp, denn ihn liebte sie am meisten. Wenig später glitt Sörli beim Gehen mit einem Fuß aus und stützte sich mit der Hand. Da sagte er: »Nun hat die Hand dem Fuß geholfen. Besser wäre es jetzt, wenn Erp lebte.«

Als sie nachts zu König Jörmunrek kamen, wo er schlief, und ihm Hände und Füße abhieben, erwachte er und rief nach seinen Männern; er befahl ihnen aufzuwachen. Da sagte Hamdir: »Nun wäre auch der Kopf ab, wenn Erp lebte.« Darauf standen die Gefolgsmänner auf und griffen sie an, konnten ihnen aber mit Waffen nichts anhaben. Da rief Jörmunrek, man solle sie mit Steinen erschlagen. So geschah es. Dort fielen Sörli und Hamdir. Damit waren auch das ganze Geschlecht und alle Nachkommen Gjukis tot. Deshalb heißt die Brünne Kleidung oder Gewand Hamdirs und Sörlis.

51

Sigurd, den jungen Helden, überlebte eine Tochter namens Aslaug, die bei Heimir in Hlymdalir aufgezogen wurde; von ihr stammen große Geschlechter ab. Es wird erzählt, Sigmund, Wölsungs Sohn, sei so widerstandsfähig gewesen, dass er Gift trank, ohne Schaden zu nehmen. Sein Sohn Sinfjötli und Sigurd aber hatten eine so harte Haut, dass Gift ihnen nicht schadete, wenn es von außen auf ihre bloße Haut kam. Deshalb hat der Dichter Bragi so gedichtet:

Als der sich windende Aal des Wölsungentrankes
am Haken des Umarmungsbieters
der Männer des alten Lit
gekrümmt hing.

Nach diesen Geschichten haben die meisten Dichter gedichtet und verschiedene Teile daraus aufgegriffen. Bragi der Alte dichtete vom Fall Sörlis und Hamdirs in der Drapa, die er auf Ragnar Lodbrok verfasste.

Und aus bösem Traum musste
Jörmunrek erwachen,
bei blutgefärbten Scharen
in der Flut der Schwerter;
Aufruhr entstand in der Halle
von Raudwes nächstem Ahnen,
als die rabenschwarzen Brüder
Erps ihr Leid rächten.

Über die Bänke floss im Saal
Leichentau des Kampfelfen,
wo im Blut die abgehauenen
Hände wie die Füße sichtbar waren;
kopfüber fiel er in den
blutvermischten Brunnen der Bierschalen;
das ist auf dem Blatt der Bäume
von Leifis Landen gemalt.

Dort stehen, sodass sie umhegten
des Fürsten Trog des Bodenrosses,
die Masten von Naglfaris Segel,
der Nägel ledig;
bald wurden Sörli und Hamdir
auf gemeinsamen Beschluss
mit den harten Schulterknollen
von Hergauts Geliebter erschlagen.

Der Lenker der Flut des Stahls ließ
Gjukis Nachkommen heftig mit Steinen treffen,
als sie des Lebens berauben wollten
Foglhilds Geliebten;
und alle vergolten Jonakrs Söhnen
die schönen Pfade des Sprengers blauer Hemden;
es dröhnten die Stirnhiebe
und die Schneiden.

Diesen Fall der Männer sehe ich
auf dem schönen Grund des Schildes.
Ragnar gab mir den Mond von Ræs Wagen
und eine Fülle von Geschichten.

52

Warum heißt Gold Frodis Mehl? Dazu gehört folgende Geschichte: Skjöld hieß ein Sohn Odins, von dem die Skjöldungen abstammen. Er hatte seinen Sitz und herrschte über die Länder dort, wo es jetzt Dänemark heißt; damals aber hieß es Gotland. Skjöld hatte einen Sohn namens Fridleif, der nach ihm über die Länder herrschte. Fridleifs Sohn hieß Frodi. Er übernahm das Königtum nach seinem Vater zu der Zeit, als Kaiser Augustus der ganzen Welt Frieden auferlegte. Damals wurde Christus geboren. Weil aber Frodi der mächtigste aller Könige in den Nordlanden war, wurde der Friede im ganzen Gebiet der dänischen Sprache nach ihm benannt, und man nennt ihn Frodis Frieden. Kein Mensch tat einem anderen etwas zuleide, selbst wenn er dem Mörder seines Vaters oder Bruders begegnete, sei dieser frei oder gefesselt. Auch gab es damals keinen Dieb oder Räuber, sodass ein Goldring lange auf der Jalangrsheide liegen blieb.

König Frodi folgte einer Einladung nach Schweden zu dem König, der Fjölnir genannt wird. Dort kaufte er zwei Sklavinnen namens Fenja und Menja. Sie waren groß und stark. Zu jener Zeit fanden sich in Dänemark zwei Mühlsteine, so groß, dass niemand stark genug war, sie zu bewegen. Doch die Mühle besaß die Eigenschaft, dass auf ihr gemahlen wurde, was der Mahlende ihr zu mahlen gebot. Diese Mühle hieß Grotti. Hengikjöft wird derjenige genannt, der König Frodi die Mühle schenkte. König Frodi ließ die Sklavinnen zur Mühle führen und befahl ihnen, Gold zu mahlen. Das taten sie auch und mahlten zuerst Gold, Frieden und Glück für Frodi. Dann gewährte er ihnen nicht länger Ruhe oder Schlaf, als der Kuckuck schwieg oder man ein Lied singen konnte. Es wird erzählt, sie hätten das Lied gesungen, das Grottasöngr heißt und so beginnt:

Nun sind wir gekommen
zum Haus des Königs,
zwei Zukunftskundige,
Fenja und Menja;
bei Frodi,
Fridleifs Sohn,
werden die starken Mädchen
als Sklavinnen gehalten.

Und ehe das Lied zu Ende war, mahlten sie ein Heer gegen Frodi, sodass noch in jener Nacht ein Seekönig namens Mysing dorthin kam, Frodi erschlug und große Beute machte. Damit endete Frodis Frieden. Mysing nahm Grotti und auch Fenja und Menja mit sich und befahl ihnen, Salz zu mahlen. Um Mitternacht fragten sie, ob Mysing des Salzes noch nicht überdrüssig sei. Er befahl ihnen, weiterzumahlen. Sie mahlten nur noch kurze Zeit, ehe das Schiff sank. Seitdem ist dort ein Strudel im Meer, wo das Wasser in das Mühlsteinloch stürzt. So wurde das Meer salzig.

53

Warum heißt Gold Krakis Saat? Ein König in Dänemark wird Hrolf Kraki genannt. Er war der berühmteste der alten Könige, vor allem wegen seiner Freigebigkeit, Tapferkeit und Bescheidenheit. Ein viel erzähltes Beispiel seiner Bescheidenheit ist dieses: Ein kleiner, armer Junge namens Wögg kam in König Hrolfs Halle. Der König war damals jung an Jahren und schlank von Gestalt. Wögg trat vor ihn und sah zu ihm auf. Da sagte der König: »Was willst du sagen, Junge, dass du mich so ansiehst?« Wögg sagte: »Als ich zu Hause war, hörte ich sagen, König Hrolf in Lejre sei der größte Mann in den Nordlanden; nun aber sitzt hier auf dem Hochsitz nur ein kleines Stämmchen, und ihr nennt es König.« Da antwortete der König: »Du, Junge, hast mir einen Namen gegeben: Hrolf Kraki soll ich heißen. Nun ist es üblich, dass zur Namensgebung ein Geschenk gehört. Ich sehe aber, dass du kein Geschenk hast, das du mir zur Namensgebung geben könntest und das mir willkommen wäre. Nun soll derjenige dem anderen geben, der etwas besitzt.« Er nahm einen Goldring von seiner Hand und gab ihn ihm. Da sagte Wögg: »Mögest du von allen Königen am glücklichsten schenken! Und ich gelobe, den Mann zu töten, der dein Mörder wird.« Da sagte der König und lachte dabei: »Über wenig freut sich Wögg.«

54

Als weiteres Zeugnis für Hrolf Krakis Tapferkeit wird Folgendes erzählt: Über Uppsala herrschte ein König namens Adils. Er war mit Yrsa, der Mutter Hrolf Krakis, verheiratet. Er lag mit dem König, der über Norwegen herrschte und Ali hieß, im Streit. Sie verabredeten eine Schlacht auf dem Eis des Sees, der Vänern heißt. König Adils sandte seinem Stiefsohn Hrolf Kraki die Botschaft, er möge ihm zu Hilfe kommen, und versprach seinem ganzen Heer Sold für die Dauer des Feldzugs; der König selbst sollte drei Kostbarkeiten erhalten, die er sich aus Schweden aussuchen durfte. König Hrolf konnte wegen des Krieges, den er mit den Sachsen führte, nicht mitziehen, doch sandte er Adils seine zwölf Berserker. Unter ihnen waren Bödvar Bjarki und Hjalti der Mutige, Hvitserk der Kühne, Vött, Veseti und die Brüder Swipdag und Beigud. In dieser Schlacht fielen König Ali und ein großer Teil seines Heeres. König Adils nahm dem Toten den Helm Hildisvin und sein Pferd Hrafn ab.

Da verlangten Hrolf Krakis Berserker ihren Sold, jeder von ihnen drei Pfund Gold, und außerdem verlangten sie, Hrolf Kraki die Kostbarkeiten mitzubringen, die sie für ihn ausgesucht hatten. Das waren der Helm Hildigölt und die Brünne Finnsleif, an denen beiden kein Eisen haftete, sowie der Goldring, der Sviagris genannt wurde und den Adils’ Vorfahren besessen hatten. Doch der König verweigerte ihnen sämtliche Kostbarkeiten und zahlte auch den Sold nicht. Die Berserker zogen fort, waren mit ihrem Anteil sehr unzufrieden und berichteten Hrolf Kraki, wie es sich verhielt. Sogleich brach er nach Uppsala auf. Als er mit seinen Schiffen in den Fluss Fyris gelangt war, ritt er nach Uppsala, begleitet von seinen zwölf Berserkern, alle ohne freies Geleit.

Seine Mutter Yrsa begrüßte ihn und führte ihn in eine Unterkunft, nicht in die Halle des Königs. Dort wurden Feuer für sie entzündet, und man gab ihnen Bier zu trinken. Da kamen König Adils’ Männer herein, legten Holzscheite ins Feuer und machten es so groß, dass Hrolf und seinen Männern die Kleider am Leib verbrannten. Sie sagten: »Ist es wahr, dass Hrolf Kraki und seine Berserker weder Feuer noch Eisen fliehen?« Da sprang Hrolf Kraki auf und mit ihm alle seine Männer. Er sprach:
»Schüren wir noch die Feuer
in Adils’ Häusern!«
Er nahm seinen Schild, warf ihn ins Feuer und sprang über das Feuer, während der Schild brannte. Dann sprach er:
»Das Feuer flieht nicht,
wer darüber hinwegspringt.«
So tat einer seiner Männer nach dem anderen. Sie ergriffen auch diejenigen, die das Feuer geschürt hatten, und warfen sie hinein.

Da kam Yrsa und gab Hrolf Kraki ein Tierhorn voller Gold und dazu den Ring Sviagris. Sie bat sie, zu ihrem Heer zurückzureiten. Sie sprangen auf ihre Pferde und ritten hinab auf die Fyrisfelder. Da sahen sie, dass König Adils ihnen mit seinem voll bewaffneten Heer nachritt und sie töten wollte. Hrolf Kraki griff mit der rechten Hand in das Horn und streute das Gold über den ganzen Weg. Als die Schweden das sahen, sprangen sie aus den Sätteln, und jeder nahm, was er bekommen konnte. König Adils aber befahl ihnen weiterzureiten und ritt selbst mit größter Eile. Sein Pferd hieß Slöngvir und war das schnellste aller Pferde. Da sah Hrolf Kraki, dass König Adils ihm nahe kam. Er nahm den Ring Sviagris, warf ihn ihm zu und bat ihn, ihn als Geschenk anzunehmen. König Adils ritt zu dem Ring, fing ihn mit der Speerspitze auf und ließ ihn auf die Tülle gleiten. Hrolf Kraki wandte sich um und sah, wie er sich niederbeugte. Da sprach er: »Nun habe ich den Mächtigsten unter den Schweden sich wie ein Schwein bücken lassen.« So schieden sie voneinander.

Aus diesem Grund wird Gold die Saat Krakis oder der Fyrisfelder genannt. So dichtete Eyvind Skaldenverderber:
Wir trugen, Ull des Schlachtlauchs,
Håkons ganzes Leben hindurch
auf den Bergen der Falken
die Saat der Fyrisfelder.

So dichtete Thjodolf:
Der Fürst sät seinem Hofgefolge
das Korn von Yrsas Sohn
auf den hell gepflügten Steilacker
der knöchelvertrauten Ringe.
Der untadelige Landesherrscher schüttet
Krakis helles Korn
auf das Fleisch der windbedeckten Falkenstange,
mir selbst.

55

Es wird erzählt, dass der König namens Hölgi, nach dem Hålogaland benannt ist, der Vater Thorgerd Hölgabruds war. Beiden wurden Opfer dargebracht. Hölgi wurde ein Grabhügel aufgeschüttet, abwechselnd mit einer Schicht aus Gold oder Silber — das waren die Opfergaben — und einer Schicht aus Erde und Steinen. So dichtete Skuli Thorsteinsson:
Als ich vor Svolder um Reichtum
Reifnirs Dachfeuer rötete,
häufte ich das Hügeldach des heerbegleitenden Hölgi
in Ringen zusammen.

56

In den alten Bjarkamál werden viele Goldbezeichnungen aufgezählt. Dort heißt es:
Der freigebigste Fürst
beschenkte sein Gefolge
mit Fenjas schwerer Arbeit,
mit Fafnirs Midgard,
mit Glasirs glühendem Laub,
mit Granis schöner Bürde,
mit Draupnirs kostbarem Schweiß,
mit Grafvitnirs Daunen.
Der freigebige Herrscher spendete,
die Männer nahmen entgegen,
Sifs Haarbändern,
dem Eis der Talnot,
dem leidvollen Otterlösegeld,
Mardölls Tränen,
Oruns Feuer,
Idis glänzenden Reden.
Der Kampfspender erfreute
— wir gingen prächtig gekleidet —
mit Thjazis Versammlungsreden
die zahlreichen Heerscharen,
mit des Rheins rotem Erz,
mit dem Streitgut der Niflungen,
der kampfkühne Herrscher.
Balder schonte er dabei nicht.

Gold wird in Kenningar Feuer der Hand, des Gelenks oder des Arms genannt, weil es rot ist; Silber aber Schnee, Eis oder Reif, weil es weiß ist. Auf dieselbe Weise soll man Gold oder Silber auch durch die Beziehung zu einem Beutel, einem Schmelztiegel oder einer Schaumpfanne umschreiben. Sowohl Silber als auch Gold können Steine der Hand oder Halsschmuck eines Mannes genannt werden, der gewöhnlich eine Halskette trug. Halsketten und Ringe können sowohl Silber als auch Gold bedeuten, wenn es nicht anders angegeben wird. So dichtete Thorleik der Schöne:
Der Fürst wirft den Mannen Tiegellast
auf die glänzenden Falkensitze;
der junge Herrscher schenkt Glut
des Arms.

Und so dichtete Einar Schalenklang:
Der landkühne Fürst von Lund
vermag Gelenkbrände zu vernichten.
Ich glaube nicht, dass den Männern des Herrschers
die Steine des Rheins ausgehen.

So dichtete Einar Skulason:
Zu beiden Seiten des Blutglutbergs
liegen des Beutelmeeres
Schnee und Feuer; ich habe
den Widersacher der Schätze zu preisen.

Und weiter dichtete er:
Täglich tost die Meeresflamme
über dem weißen Tiegelschnee;
der Bordschild von Heitis Ross
gebietet mit mildem Herzen.
Niemals lässt sich vor dem Feuer
des Aals des Rauschwegs der Schalen Schnee schmelzen;
der Fäller der Krieger widersteht
jeglichem Wagemut.

Hier wird Gold Feuer des Aals des Rauschwegs genannt, Silber aber Schnee der Schalen. So dichtete Thord Mæraskald:
Hermod erkennt im Vernichter der Goldfäden,
der das Lager der Schlange besaß,
dem frohen Spender des Lavagesteins der Hände,
einen guten Vater.

57

Ein Mann wird Brecher des Goldes genannt, wie Ottar der Schwarze dichtete:
Der Güte des Brechers
der Kampfglut muss ich teilhaftig werden.
Hier drinnen ist das überaus tatkräftige
Hofgefolge bei dem weisen Fürsten.

Oder Goldspender, wie Einar Schalenklang dichtete:
Der Goldspender lässt den Empfänger von Yggs Met
Land genießen; der Fürst erfreut die Kriegerschar;
seine Wertschätzung darf ich
erlangen.

Goldwerfer, wie Thorleik dichtete:
Der Goldwerfer macht sich durch seine Taten
das Gefolge des Fürsten gewogen.

Goldfeind, wie Thorvald Blönduskald dichtete:
Der Goldfeind wirft mit Glut des Arms,
der König schenkt roten Reichtum;
der Vernichter der Unholde verteilt
Granis Last.

Goldfürst, wie es hier heißt:
Einen Goldfürsten fand ich;
fertig ist die Tögdrápa auf den Baum des Feuers
des Weges des Hagels
des Kampflichts.

58

Eine Frau wird durch Gold umschrieben und Weide des Goldes genannt, wie Hallar-Stein dichtete:
Der Bernsteinstreuer des salzigen Kaltfelds
von Vidblindis Eber wird lange
an die Weide des Weges
des Schilfriemens denken.

Hier werden Wale Vidblindis Eber genannt. Er war ein Riese und zog draußen auf dem Meer Wale wie Fische heraus. Das Feld der Wale ist das Meer, der Bernstein des Meeres ist Gold. Eine Frau ist die Weide des Goldes, das sie verschenkt. Ein gleichbedeutendes Wort für Weide ist Baum, wie zuvor geschrieben wurde: Eine Frau wird durch allerlei weibliche Baumbezeichnungen umschrieben. Sie wird auch Stamm dessen genannt, was sie verschenkt. Stamm heißt auch ein Baum, der im Wald fällt. So dichtete Gunnlaug Schlangenzunge:
Ein Weib ward den Menschenkindern
zum Streit geboren; der Kampfstrauch verursachte es.
Den Stamm des Reichtums zu besitzen,
begehrte ich voller Leidenschaft.

Eine Frau wird Wald genannt. So dichtete Hallar-Stein:
Mit dem Bohrer der Dichtung habe ich
Bil der Biersteven geschnitzt,
den schönen Wald der Schalen, sorgsam
bei der Arbeit an den Steven des Refrainknorrs.

Stange, wie Stein weiter dichtete:
Du schlanke Stange des Flutfeuers,
Hüter-Sif des Hjadning-Steins, wirst
wie viele andere gegen dein
Glück ankämpfen.

Stütze, wie Orm Steinthorsson dichtete:
Die überaus reine Stütze des Fjordbeins
wurde in Kleider gehüllt.
Der Speerspitzen-Freyr legte eine neue
Spange um die Hrist des Mets.

Säule, wie Steinar dichtete:
Alle Träume haben mich über die milde Syn
des weichen Sitzes des Halsrings belogen;
diese schwankende Säule des Strommonds
hat mich zur Ruhe gebracht.

Birke, wie Orm weiter dichtete:
Denn auf den Becher von Billings Sohn,
den ich vortrage, habe ich
das Zeichen der Birke des hohlen
Rauschfeuers der Hände gesetzt.

Eiche, wie es hier heißt:
Die schön geschmückte Eiche des Goldes
steht unserem Vergnügen im Wege.

Linde, wie es hier heißt:
Du kampfkühne Ulme des dröhnenden Metallschauers,
unser beider Mut darf nicht schwinden;
so gebot die Linde des Leinens
im Lande.

59

Ein Mann wird, wie zuvor geschrieben wurde, durch Bäume umschrieben und Eberesche der Waffen oder der Kämpfe, der Fahrten und der Taten, der Schiffe und alles dessen genannt, worüber er gebietet und was er erprobt. So dichtete Ulf Uggason:
Doch die starre Schnur starrte
vor dem Bord auf die Eberesche der Krieger
des Beins des Erdbodens,
mit funkelndem Antlitz, und blies Gift.

Baum und Stamm, wie Kormak dichtete:
Der Stamm des Mordzweigs ist vielen überlegen
im Getöse der Speere;
das Schwert gewinnt von den Kampfbäumen
Land für Jarl Sigurd.

Hain, wie Hallfred der Schwierige dichtete:
Im Osten steht den Eschenstämmen Ulls
zu mächtigem Schutz
der starke, haarsprossende Hain,
der das Schildverderben schwingt.

Hier wird auch der Baumstamm genannt. Busch, wie Arnor dichtete:
Bei einbrechender Dämmerung hieß der Kampfbusch der Rygier
die Schilde aneinanderlegen;
der Regen der Streitwolken hielt
die ganze Herbstnacht hindurch an.

Esche, wie Ref dichtete:
Die freigebige Esche von Hars Schneegestöber,
der Asen-Freyr, betrat mit reifer Kraft
das goldbestreute Bett
der Jungfrau.

Ahorn, wie es hier heißt:
»Heil deinem Kommen!« — der Ahorn des Handeises
grüßte so den der Brünne.

Baum, wie Ref dichtete:
Denn dem Schrecken des Schlachtplatzes
habe ich allein Kampfesförderung anzubieten beschlossen,
Thorstein — der Baum der Schwerter
selbst bewegt mich dazu.

Stab, wie Ottar dichtete:
Du hieltest, wo der Rabe nicht hungerte,
entschlusskühner Stab des Schreckens,
das Land gegen zwei Fürsten,
grimmig gegen das Geschlecht der Männer.

Dorn, wie Arnor dichtete:
Der junge Dorn des Reichtums türmte
vor den Adlern schwere Leichenhaufen auf;
doch die Gefolgsleute leisteten
dem Adlerfütterer tückischen Beistand.

60

Wie soll man die Schlacht umschreiben? Indem man sie Wetter der Waffen oder der Schilde oder Odins oder einer Walküre oder der Heerkönige nennt, oder ihr Getöse oder ihren Lärm. So dichtete Hornklofi:
Der Fürst focht den Speersturm
gegen Männer, wo Wundgänse schrien;
rote Wunden spritzten Blut
beim Getöse Sköguls.

So dichtete Eyvind:
Und jener Mann
trug in Hars Wetter
das graue Hemd
des Reisig-Grimnir.

So dichtete Bersi:
Einst, als wir jünger waren,
galt ich, so sagt man,
bei den Feuerbäumen des Kampfes
als wohlbewährt in Hlö kks Schneesturm.

So dichtete Einar:
Der tapfere Fürst lässt Hilds Segel
Gönduls stärksten Sturmwind fangen;
das Leinen knistert,
wo der Sehnenhagel treibt.

Wie Einar skálaglamm dichtete:
Die Hemden der Siegesbirken
schützten die Schmuckbäume nicht fest
vor Högnis Schauern
im Kampfgetöse Hars.

Wie hier:
Den Saum des Spitzennetzes
gegen die Erreger des Spitzenlärms setzen.

Und ferner dies:
Beim Lärm Gönduls sanken die Feinde
des Fürsten unter die Klauen des Adlers.

61

Waffen und Kriegsgewänder soll man durch die Schlacht, durch Odin, die Walküren und die Heerkönige umschreiben: Den Helm nennt man Hut oder Kopfbedeckung, die Brünne Hemd oder Gewand, den Schild Zelt; die Schildburg wird Halle und Dach, Wand und Fußboden genannt. Schilde werden auch durch Kriegsschiffe umschrieben und Sonne oder Mond oder Blatt oder Glanz oder Umfriedung des Schiffes genannt. Der Schild wird auch Ulls Schiff genannt oder durch Hrungnirs Füße umschrieben, weil er auf einem Schild stand. Auf alten Schilden pflegte man einen Streifen aufzumalen, der Ring genannt wurde, und durch diesen Ring werden Schilde umschrieben. Hiebwaffen, Äxte oder Schwerter, nennt man Feuer des Blutes oder der Wunden. Schwerter heißen Odins Feuer; Äxte aber benennt man mit Namen von Trollfrauen und umschreibt sie durch Blut oder Wunden oder Wald oder Holz. Stichwaffen lassen sich treffend durch Schlangen oder Fische umschreiben. Schusswaffen werden häufig durch Hagel oder Schneetreiben oder Regenschauer umschrieben. Alle diese Umschreibungen werden auf vielerlei Weise abgewandelt, denn das meiste, wozu man solche Umschreibungen braucht, wird in Lobgedichten verfasst. So dichtete Víga-Glúm:
Das Heer zögerte, mit den Hüten
des Hänge-Tyr den Hang hinaufzuziehen;
es schien ihnen nicht verlockend,
sich der Gefahr auszusetzen.

So dichtete Einar skálaglamm:
Zur Schlacht mit helmverhülltem Haupt
forderte der kampfeifrige Sigvaldi auf,
und der kampfkühne Bui,
der von Süden in Gunns Getöse zog.

Ródis Hemd, wie Tind dichtete:
Da mussten die Brünnenbäume
Hangis ringgeschmücktes, klirrendes Hemd
abwerfen, als Ródis
Wegesrosse leergekämpft wurden.

Hamdirs Hemd, wie Hallfred dichtete:
Draußen prasselt gewaltig
auf Hamdirs Hemden den kühnen Bäumen
des Wellentiers hart
der Klingelhagel von Egils Waffen.

Sörlis Kleider, wie er ferner dichtete:
Davon werden der Männer helle Kleider
Sörlis, das erfahre ich genau,
im Blut gerötet, in den Feilenschauern
des Wundenfeuers.

[Hlökks Zelte], wie Grettir dichtete:
Die Heber von Hlökks Zelten
hielten die Nasen von Hilds Wand zusammen,
und die Sturm-Njörde hieben
einander bis zu den Bärten.

Ródis Dach, wie Einar dichtete:
Das starke Eis der Augen
von Ods Bettgenossin schwindet nicht
vor dem Regen von Ródis Dach;
möge jener König alt werden.

Hilds Wand, wie Grettir dichtete und wie zuvor geschrieben steht. Schiffssonne, wie Einar dichtete:
Olafs Geschlecht rötet auf dem Meer
die Flamme der Schiffssonne.

Bugmond, wie Ref dichtete:
Schön war der Tag, da die Werfer
des schönen Armfeuers mir
den Bugmond auf den Hängepfad
der Ringe drängten.

Umfriedung des Schiffes, wie hier:
So schoss der Mehrer des Speerlärms
durch die steinbemalte Umfriedung des Schiffes,
als wäre sie aus Birkenrinde;
grimmig war er im Kampf.

Ulls Esche, wie Thjódólf dichtete:
Stürme von Ulls Schiff
ziehen mit voller Kraft über den Fürsten,
wo die mit Scheiden bekleideten
Masten der Fugenägel reiten.

Hrungnirs Sohlenblatt, wie Bragi dichtete:
Wollt ihr, Hrafnketil, hören,
wie ich das steinbewachsene
Sohlenblatt von Thruds Dieb
und den Fürsten preisen soll?

Bragi, der Skalde, dichtete dies über den Ring auf dem Schild:
Es sei denn, der ruhmreiche
Sohn Sigurds begehrte guten Lohn
für das tönende, ringbenabte Rad
von Högnis Tochter.

Er nannte den Schild Hilds Rad, den Ring aber die Nabe des Rades. Ringland, wie Hallvard dichtete:
Der Fürst sieht das rotglänzende,
rund gefasste Ringland des Spitzengedränges
in zwei Teile fliegen;
der weiße Schild zerbricht.

Ferner wird so gedichtet:
Am Schild steht der Ring am schönsten,
am Bogen aber die Pfeile.

Das Schwert ist Odins Feuer, wie Kormák dichtete:
Der Kampf schwoll, als der Fütterer
von Grids Ross mit Gauts gellendem Feuer
heranzog, er, der Streit erregte.
Urd kam aus dem Brunnen.

Helmfeuer, wie Ulf Uggason dichtete:
Mit aller Kraft ließ die Hild der Berge
den Meeres-Sleipnir vorwärts stampfen;
doch Hrofts Bäume der Helmfeuer
schlugen ihr Ross nieder.

Brünnenfeuer, wie Glúm Geirason dichtete:
Der Hüter des Landes ließ dazu
das vom Wetzstein verdünnte Brünnenfeuer
heulen, er, der sich lebenshart
gegen die Männer wehrte.

Eis des Schildrandes und Verderben des Schildes, wie Einar dichtete:
Vom rechtschaffenen Fürsten empfing ich
das Eis der roten Schildränder,
mit Freyjas Lidtau besprengt;
des Helmes Verderben tragen wir in der Hand.

Die Axt heißt Trollfrau der Schilde, wie Einar dichtete:
Die Reiter von Ræfils Landross
können deutlich sehen, wie schön
die Drachen eingeschnitten liegen
neben der Wimper der Helm-Grid.

Der Speer wird Schlange genannt, wie Ref dichtete:
Mein grimmiger Walddrache
kann, wo Männer sich treffen,
eichengeschäftet auf den Handflächen
der Menschen am Schild spielen.

Pfeile werden Hagel des Bogens oder der Sehne oder der Schilde oder der Schlacht genannt, wie Einar skálaglamm dichtete:
Der Rögnir des Schwertgekrachs schüttelte
kühn den Bogenhagel
aus Hlökks Segeln; der Wölfe
Schonungsloser rettete sein Leben.

Und Hallfred:
Auch die eisengeschmückten Gewänder
der Speer-Rota schützten
die Hungerstiller von Hangis Gans
nicht vor dem Sehnenhagel.

Und Eyvind skáldaspillir:
Man sagte, du ließest deinen Mut,
Hüter des Landes der Hörder,
kaum wanken, als Brünnenhagel in Wunden brach
und sich die Ulmenbogen bogen.

62

Die Schlacht wird Wetter oder Unwetter der Hjadning genannt, die Waffen aber Feuer oder Ruten der Hjadning, und dazu gibt es eine Geschichte. Ein König namens Högni hatte eine Tochter, die Hild hieß. Sie nahm ein König namens Hedin, Hjarrandis Sohn, als Kriegsbeute mit. König Högni war damals zu einer Zusammenkunft von Königen gereist. Als er aber erfuhr, dass man sein Reich verheert und seine Tochter fortgeführt hatte, zog er mit seinem Heer aus, um Hedin zu suchen, und erfuhr von ihm, dass er nordwärts an der Küste entlanggefahren war. Als König Högni nach Norwegen kam, erfuhr er, dass Hedin westwärts über das Meer gesegelt war. Da segelte Högni ihm bis zu den Orkneyinseln nach, und als er an den Ort kam, der Háey heißt, war Hedin mit seinem Heer schon dort.

Da ging Hild zu ihrem Vater und bot ihm im Namen Hedins einen Halsring zur Versöhnung an; zugleich aber sagte sie, Hedin sei zum Kampf bereit, und Högni dürfe von ihm keine Schonung erwarten. Högni antwortete seiner Tochter schroff. Als sie aber Hedin traf, sagte sie ihm, Högni wolle keine Versöhnung, und forderte ihn auf, sich zur Schlacht zu rüsten. So taten beide: Sie gingen auf die Insel hinauf und stellten ihre Heere auf. Da rief Hedin seinen Schwiegervater Högni an und bot ihm Versöhnung und viel Gold als Entschädigung.

Da antwortete Högni: »Zu spät bietest du dies an, wenn du dich versöhnen willst, denn nun habe ich Dainsleif gezogen, das die Zwerge schufen und das jedes Mal einen Menschen töten muss, wenn es entblößt wird. Es versagt niemals beim Hieb, und keine Wunde heilt, wenn es sie geschlagen hat.«

Da sprach Hedin: »Ein Schwert rühmst du da, aber keinen Sieg. Jedes Schwert nenne ich gut, das seinem Herrn treu ist.«

Da begannen sie jene Schlacht, die Hjadningkampf genannt wird, und kämpften den ganzen Tag. Am Abend gingen die Könige zu den Schiffen. Hild aber ging in der Nacht zu den Gefallenen und erweckte durch Zauberkunst alle, die tot waren. Am nächsten Tag gingen die Könige auf das Schlachtfeld und kämpften, und ebenso alle, die am Vortag gefallen waren. So ging diese Schlacht Tag für Tag weiter: Alle Gefallenen und alle Waffen, die auf dem Schlachtfeld lagen, und ebenso die Schilde wurden zu Stein. Wenn aber der Tag anbrach, standen alle Toten auf und kämpften, und alle Waffen waren wieder brauchbar. In Gedichten wird gesagt, dass die Hjadning so Ragnarök erwarten sollen. Nach dieser Geschichte dichtete der Skalde Bragi in seiner Drápa auf Ragnar Lodbrok.

63

Die Schlacht ist Odins Wetter, wie zuvor geschrieben steht. So dichtete Víga-Glúm:
Wie die Jarle bahnte ich mir einst,
man sprach davon,
mit den Stäben der Rute von Vidrirs Wetter
den Weg zu Ländereien.

Vidrirs Wetter wird hier die Schlacht genannt, die Rute des Kampfes aber das Schwert und die Männer die Stäbe des Schwertes. Hier werden sowohl die Schlacht als auch die Waffe zur Umschreibung des Mannes gebraucht. Wenn so gedichtet wird, nennt man das eine weitergeführte Umschreibung. Der Schild ist das Land der Waffen, die Waffen aber sind Hagel oder Regen dieses Landes, wenn man mit neuen Bildschöpfungen dichtet.

64

Wie soll man das Schiff umschreiben? Indem man es Pferd oder Tier oder Ski der Seekönige oder des Meeres oder der Schiffsausrüstung oder des Wetters nennt. Wogenhengst, wie Hornklofi dichtete:
Der ganz junge, hart entschlossene,
hochberühmte Räumer der Schiffe
ließ den bleichen Wogenhengst
ins Meer stoßen.

Geitis Ross, so dichtete Erringar-Stein:
Obwohl alles Volk dem Skalden
von Unfrieden aus dem Süden erzählt,
beladen wir dieses Ross Geitis mit Steinen;
fröhlich machen wir uns daran.

Sveidis Rentiere:
Siegeskühner Sohn Sveins, du führtest
die langbebordeten Rentiere Sveidis
auf den Pfad von Sölsis Bank;
die Tiere des Sunds glitten vom Land.

So dichtete Hallvard. Hier werden sie auch Tiere des Sunds genannt und das Meer Sölsis Bank. So dichtete Thord Sjáreksson:
Von Norden ließ er vor Siggja
das Sonnenbordross schwingen.
Der Wind trieb den Jubel von Gylfis Bahn
südwärts vor Aumar.
Doch dann ließ das Ross des Seeschwalbenpfads
Körmt und Agdir beide hinter dem Heck;
das Lauchross watete
vor Lista.

Hier wird das Schiff Pferd des Sonnenbords genannt und das Meer Gylfis Land, ferner das Meer Pfad der Seeschwalbe und das Schiff Pferd, und außerdem Lauchpferd. Lauch heißt der Mastbaum. Und ferner, wie Markús dichtete:
Der Wintergänger der Meeresbahn durchwatete
kraftvoll die Schneemassen der Fjordschlangen.
Der Iugtanni des Walhauses sprang
über die Gipfel der Mastspitzen.
Der Bär schritt vorwärts auf den alten
Pfaden der Meeresski der Flut.
Der schauerfeste Bär der Schiffsstütze
brach des Schärs tönende Fessel.

Hier wird das Schiff Bär der Meeresbahnen genannt. Der Bär heißt Wintergänger und Iugtanni und Bersi, und hier wird es Bär der Schiffsstütze genannt. Das Schiff wird auch Rentier genannt, wie Hallvard dichtete und wie zuvor geschrieben steht, und Hirsch, wie König Harald Sigurdsson dichtete:
Weithin schnitt das Bord vor Sizilien;
stolz waren wir damals.
Prächtig glitt, wie erhofft,
der Hirsch des Feldes unter den Kriegern.

Und Elch, wie Einar dichtete:
Freundlicher Verscheucher des Ringfriedens,
kein Krieger kann lange bei dir sein,
wenn ihm nichts zuteilwird;
wir rüsten den Elch der Flut.

Otter, wie Mani dichtete:
Was wirst du auf dem Otter des Meeres,
gebückter, grauwangiger Alter,
bei den Kriegern leisten können,
da deine Kraft schwindet?

Wolf, wie Ref dichtete:
Doch der Schatzminderer hörte
auf Thorstein; dem Baum
des Wetzsteinstabs des Rollenwolfs
bin ich treu bei zornigen Reden.

Und Ochse. Das Schiff wird Ski oder Wagen oder Gefährt genannt. So dichtete Eyjólf dáðaskáld:
Jung fuhr er auf Meitis Ski
sehr spät am Tage
mit ebenbürtigem Gefolge
dem trefflichen Herrn des Außenmeers entgegen.

So dichtete Styrkár Oddason:
Und hinter dem edlen Verschwender
des Feuers von Högnis Flut
fuhr das Gefolge voller Mut
auf Rollenwagen über Heitis Schnee.

Und wie Thorbjörn dichtete:
Der Belader des Meereswagens der Rollen
war im Brunnen der Taufe;
der Schatzverschwender erlangte
die höchste Gnade des weißen Christus.

65

Wie soll man Christus umschreiben? Indem man ihn Schöpfer des Himmels und der Erde, der Engel und der Sonne nennt, Lenker der Welt, des Himmelreichs und der Engel, König des Himmels, der Sonne, der Engel, Jerusalems, des Jordans und Griechenlands, Herrscher der Apostel und der heiligen Menschen. Alte Dichter haben ihn durch den Urdbrunnen und Rom umschrieben, wie Eilif Gudrunarson dichtete:

Am Felsenberg, heißt es, sitzt er
südlich am Urdbrunnen;
so hat der mächtige König der Mächte Roms
seine Herrschaft über die Länder gefestigt.

So dichtete Skafti Thóroddsson:

Die Macht des Herrn der Mönche
ist die größte; Gott vermag am meisten.
Christus schuf und errichtete mächtig
die ganze Welt, die Halle Roms.

König des Himmels, wie Markus dichtete:

Der Fürst des Sturmhauses schuf Erde und Himmel
sowie die treue Heerschar;
allein vermag der Herrscher über alles,
Christus, über die Menschheit zu walten.

So dichtete Eilif Kulnasvein:

Vor dem heiligen Kreuz des Himmels neigen sich
die Scharen der Welt und das Volk der Menschen.
Wahr ist alle Herrlichkeit, doch der eine
Sonnenkönig ist reiner als jede andere.

Marias Sohn, wiederum wie Eilif dichtete:

Das Gefolge des Himmels, der Herrlichkeit,
neigt sich vor Marias wahrem Sohn;
Macht gewinnt der milde Herrscher der Menschen,
Mensch ist er und Gott.

König der Engel, wiederum wie Eilif dichtete:

Die herrliche Macht des Gottesfreundes
ist größer, als Menschen ermessen.
Doch ist der freigebige Fürst der Engel
heiliger und herrlicher als alles.

König des Jordans, wie Sighvat dichtete:

Einst ließ der Fürst des Jordans
vier Engel aus der Höhe senden;
heiliges Wasser strömte ihm
über das Haar des Hauptes.

König der Griechen, wie Arnor dichtete:

Für den Beistand beim Fall der Männer habe ich Gebete
an den tapferen Hüter
der Griechen und Gardarikis gerichtet.
So vergelte ich dem Fürsten seine Gabe.

So dichtete Eilif Kulnasvein:

Die Herrlichkeit des Himmels preist den Herrscher
der Menschen; er ist der König über alles.

Hier nannte er Christus zuerst König der Menschen und beim zweiten Mal König über alles. Ferner dichtete Einar Skulason:

Der über das Landvolk wacht,
der erbarmungshelle Umfasser
der ganzen Welt, ließ dem tapferen Fürsten
das Himmelreich öffnen.

66

Hier überschneiden sich die Umschreibungen, und wer die Dichtung deutet, muss aus dem Zusammenhang erkennen, von welchem der beiden Könige die Rede ist. Denn es ist richtig, den Kaiser von Konstantinopel Griechenkönig zu nennen, und ebenso den König, der über das Land Jerusalem herrscht, König von Jerusalem; ebenso kann man den Kaiser der Stadt Rom König von Rom nennen oder den, der über England herrscht, König der Engländer. Die oben angeführte Umschreibung aber, Christus König der Menschen zu nennen, kann auf jeden König angewandt werden. Alle Könige darf man so umschreiben, dass man sie Landesherrscher, Landeshüter, Landeroberer, Gefolgsherren oder Hüter des Landvolkes nennt. So dichtete Eyvind Skaldaspillir:

Dem Lasten-Tyr
nahmen das Leben
die Landesherrscher
auf Öglo.

Und wie Glum Geirason dichtete:

Der Fürst rötete unter dem Helm
das Tal des Wetzsteins an den Gauten.
Dort traf man im Getöse der Speere
den Hüter des Landes.

Wie Thjodolf dichtete:

Der erhabene Gefolgsherr soll
frohen Sinnes seinen Söhnen
sein Erbe und angestammtes Land hinterlassen;
das ist mein Wunsch.

Wie Einar dichtete:

Der tapfere Hüter des Volkes trägt den Schlangenkopfschmuck
auf dem Berg seines Haares;
der Dichter verkündet den Männern den Ruhm
des beherzten Königs der Hörden.

Auch ist es richtig, einen König, dem tributpflichtige Könige unterstehen, König der Könige zu nennen. Der Kaiser ist der höchste unter den Königen; auf ihn folgt der König, der über ein ganzes Volksland herrscht. In allen dichterischen Umschreibungen stehen diese einander gleich. Danach kommen die Männer, die Jarle oder tributpflichtige Könige heißen; sie stehen in den Umschreibungen einem König gleich, nur darf man tributpflichtige Könige nicht Volkskönige nennen. So dichtete Arnor Jarlaskald über Jarl Thorfinn:

Das Volk vernehme, wie dieser
entschlossene König der Jarle angriff.
Er scheute sich nicht, dem Schrecken bringenden,
übermächtigen Fürsten zu widerstehen.

Danach kommen in den dichterischen Umschreibungen die Männer, die Hersen heißen. Man kann sie wie einen König oder Jarl umschreiben, indem man sie Goldbrecher, freigebige Spender von Reichtum, Bannerträger oder Heerführer nennt oder einen solchen Mann Anführer des Gefolges oder der Schlacht nennt. Denn jeder Volkskönig, der über viele Länder herrscht, setzt tributpflichtige Könige und Jarle neben sich zur Landesverwaltung ein, damit sie nach den Landesgesetzen richten und das Land in den Gegenden, die dem König fern liegen, gegen Krieg schützen. Ihre Urteile und Strafen sollen dort ebenso rechtsgültig sein wie die des Königs selbst. In einem Land aber gibt es viele Bezirke, und es ist Brauch der Könige, dort einen Richter über so viele Bezirke einzusetzen, wie sie ihm zur Verwaltung übertragen. Diese heißen in dänischer Sprache Hersen oder Lehnsmänner, in Sachsen Grafen und in England Barone. Auch sie sollen rechtmäßige Richter und rechtmäßige Verteidiger des Landes in dem Gebiet sein, das ihnen zur Verwaltung anvertraut ist. Ist der König nicht zugegen, soll man ihnen in den Schlachten ein Banner vorantragen; dann sind sie ebenso rechtmäßige Heerführer wie Könige oder Jarle.

Danach kommen die Männer, die Hölde heißen. Das sind Bauern von angesehenem Geschlecht, die das volle Recht genießen. Man kann sie so umschreiben, dass man sie Spender und Hüter des Vermögens und Schlichter unter den Menschen nennt. Diese Umschreibungen können auch auf Häuptlinge angewandt werden. Könige und Jarle haben Männer in ihrem Gefolge, die Gefolgsleute und Hauskerle heißen. Auch Lehnsmänner haben Männer, die sich ihnen persönlich verpflichtet haben; diese werden in Dänemark und Schweden Gefolgsleute genannt, in Norwegen aber Hauskerle, und sie schwören dennoch Eide, wie Gefolgsleute sie den Königen schwören. Die Hauskerle der Könige wurden in alter Zeit häufig Gefolgsleute genannt. So dichtete Thorvald Blönduskald:

Sei heil, kampffreudiger König, und ebenso
deine tapferen Hauskerle;
die Männer führen mein zum Lob
gedichtetes Lied im Munde.

Dies dichtete König Harald Sigurdarson:

Mit voller Macht erwartet die Schar der Hauskerle
hinter dem Jarl die Besetzung
des Herrschersitzes; oft merke ich,
dass geringere Dinge betrieben werden.

Gefolgsleute und Hauskerle der Häuptlinge kann man so umschreiben, dass man sie Hausgefolge, Gefolgschaft oder Ehrmannen nennt. So dichtete Sighvat:

Ich hörte, dass jüngst auf dem Wasser
die Gefolgschaft des Fürsten diese Kämpfe führte;
diese Speerstürme zähle ich
keineswegs zu den kleinsten.

Und ferner dies:

Damals war es anders, als wenn diesen
Ehrmannen auf des Fürsten Ross des Taues
ein Mädchen Met reichte
vor dem Gruß der Waffen.

Ehrengut heißen Sold und Gaben, die Häuptlinge geben. So dichtete Ottar der Schwarze:

Ich muss die Güte des Brechers
der Schlachtglut genießen.
Hier drinnen ist ein überaus tatkräftiges
Hausgefolge beim klugen Fürsten.

Jarle, Hersen und Gefolgsleute werden so umschrieben, dass man sie Vertraute, Gesprächsgefährten oder Bankgenossen des Königs nennt. So dichtete Hallfred:

Des Fürsten schlachtenmächtiger Vertrauter,
der den Wagemut liebt, lässt kampfbereit
um sich die mit Högnis Hammer
geschlagenen Gewänder erklingen.

Wie Snäbjörn dichtete:

Der Gesprächsgefährte der Fürsten lässt das Schwert
der Ruderleine gegen die harte,
mit Planken versehene Flanke
des Rosses der Welle Dufa stemmen.

So dichtete Arnor:

Meine jungen Söhne sehen mich
den Tod dieses mordkundigen
Bankgenossen des Fürsten
als schweres Leid beklagen.

Gesprächsgefährte des Königs, wie Hallfred dichtete:

So gingen die Pläne aus, dass danach
der klug beratende Gesprächsgefährte des Königs
Onars einzige Tochter besaß,
die mit Wald bewachsene.

So soll man Männer durch ihre Verwandtschaft umschreiben, wie Kormak dichtete:

Der Sohn des bewährten Erprobers des Harald,
der Syr des Sumpfzahns,
höre meinen schäumenden Rhein;
freigebig trage ich das Lied der Dichter vor.

Er nannte den Jarl den bewährten Erprober des Königs und Jarl Hakon den Sohn des Jarls Sigurd. Thjodolf aber dichtete so über Harald:

Olafs Vater mehrt
das Wetter der Eisenschwerter;
jede kühne Tat vollbringt er so,
dass sie des Lobes würdig ist.

Und ferner so:

Jarizleif sah,
wohin es den Fürsten trieb.
Vorwärts strebte der Bruder
des heiligen Herrschers.

Und ferner dichtete er:

Gestorben ist er,
der alle überragte,
der Spross der Falkensitze,
Haralds Brudersohn.

Ferner dichtete Arnor so in der Rögnvaldsdrapa:

Heitis heerhilfreicher Spross beschloss,
mit mir Verwandtschaft zu schließen.
Die mächtige Verschwägerung mit dem Jarl
verschaffte uns dadurch Ansehen.

Und ferner dichtete er über Jarl Thorfinn:

Die Schwerter bissen; dort fielen
südlich von Man vor den dünn geschmiedeten Klingen
unter den Schilden mächtige Heerscharen,
Nachkomme Rögnvalds des Alten.

Und ferner dichtete er:

Gott bewahre den herrlichen Mehrer des Geschlechts
des übermächtigen Torf-Einar vor Leid;
ich bitte für den teuren Herrscher
um verlässliche Gnade.

Und ferner dichtete Einar Skalaglam:

Auch wird dem Mehrer des Schreckens
keine mildere Stütze aus dem Geschlecht
Hilditanns erwachsen;
ich bin verpflichtet, ihn im Lob zu bewahren.

67

Was ist die unumschriebene Ausdrucksweise der Dichtung? Dass man jedes Ding mit seinem Namen nennt. Welches sind die unumschriebenen Namen der Dichtung? Sie heißt Dichtkunst, Ruhmeslied, Gesang, Preis und Lob. Dies dichtete Bragi der Alte, als er spät am Abend durch einen Wald fuhr. Da sprach ihn eine Trollfrau in Versen an und fragte, wer dort fahre:

Troll nennt man mich,
Mond des Wohnstätten-Hrungnir,
Reichtumssaugerin des Riesen,
Unheil der Sturmsonne,
liebe Gefährtin der Seherin,
Hüterin der Leichenerde,
Verschlingerin des Himmelsrades.
Was ist ein Troll, wenn nicht das?

Er antwortete so:

Dichter nennt man mich,
Gemütsschmied Widurs,
Finder von Gauts Gabe,
freigebigen Sänger,
Yggs Bierträger,
Schöpfergeist des Liedes,
kunstreichen Schmied der Dichtung.
Was ist ein Dichter, wenn nicht das?

Und wie Kormak dichtete:

Noch mehr Ruhmeslied dichte ich
auf Sigurds berühmten Sohn;
ich erweise ihm die Ehre des Göttertranks.
Thor sitzt in seinem Wagen.

Und wie Thord Kolbeinsson dichtete:

Sehr viele Schniggen ließ der Schildahorn,
der freigebige Gegenstand des Preislieds,
sowie Lastschiffe und Langschiffe über die Brandung donnern;
des Dichters Gesang wächst.

Preis, wie Ulf Uggason dichtete:

Hier kommt das Meer in das Lob der Männer
des Schwertregens; zuvor
trug ich noch mehr Preis vor;
so bringe ich ihn dar.

Hier wird die Dichtung Lob genannt.

68

Welche Namen haben die Götter? Sie heißen Bande, wie Eyjolf Dadaskald dichtete:

Eirik zieht nach dem Willen der Bande
Land unter seine Herrschaft, freigebig
mit dem Pfand der Speere, und rüstet zur Schlacht.

Und Fesseln, wie Thjodolf von Hvin dichtete:

Schwer ließ sich den Göttern
das Trugren zwischen den Knochen zerteilen.
Wer, sagte der helmgeschmückte Mehrer
der Klugheit der Fesseln, habe dies verursacht?

Mächte, wie Einar Skalaglam dichtete:

Die mächtig erstarkten Mächte, sage ich,
mehren Hakons Herrschaft.

Julmächte, wie Eyvind dichtete:

Das Trinkgelage der Julmächte
haben wir wiederum bereitet,
das Lob des Herrschers,
gleich einer Brücke aus Steinen.

Diar, wie Kormak dichtete:

Der Landempfänger ehrt mit dem Stirntuch
den Spender des Fjords der Diar;
er bindet das Segel gerade
an die Rah. Ygg zauberte um Rind.

69

Diese Namen des Himmels sind aufgezeichnet, doch haben wir nicht alle diese Bezeichnungen in Gedichten gefunden. Mir scheint, dass man diese dichterischen Bezeichnungen ebenso wenig wie andere in der Dichtung verwenden sollte, sofern man nicht zuvor solche Bezeichnungen in den Werken bedeutender Dichter gefunden hat.

Himmel: Hlyrnir, Heidthornir, Hreggmimir, Andlang, Ljosfari, Drifandi, Skatyrnir, Widfedmir, Wetmimir, Leiftr, Hrjod, Widblain.

Sonne: Sunna, Rödul, Eyglóa, Alskir, Syni, Fagrahvel, Liknskin, Dwalins Gespielin, Alfrödul, Ifrödul, Mylin.

Mond: Mani, Neumond, abnehmender Mond, Jahreszähler, Mulin, Fengari, Glam, Skyndir, Skjalg, Skram.

70

Welche Bezeichnungen gibt es für die Erde? Sie heißt Erde, wie Thjodolf dichtete:
Der Jarl, der Ringe zerschlägt, lässt oft
Speerregen niedergehen, harte Unwetter,
ehe er die Erde
unter seine Gewalt zwingt.

Flur, wie Ottar dichtete:
Die Flur schützt der Schlachten-Balder;
wenige Könige vermögen so viel.
Olaf erfreut die Adler,
der treffliche Herrscher der Schweden.

Grund, wie Hallfred dichtete:
Der weite Grund liegt unter dem Baum des Wegs
der Inselfessel, dem giftlistigen Drachen, gebunden;
der Hödur des Wetzsteinlands
vernichtet Schätze.

Landboden, wie Einar dichtete:
Mit dem Schwert verteidigen tapfere Männer
den Boden strahlender Fürsten;
oft birst ein Helm im wilden,
harten Schneidensturm.

Land, wie Thord Kolbeinsson dichtete:
Nach dem Kampf erstreckte sich von Veiga
nordwärts – schwer ist von der Schlacht zu reden –
das Land südwärts bis Agdir,
oder noch eine längere Strecke.

Gefilde, wie Ottar dichtete:
Du hieltest, wo der Rabe nicht hungerte,
tatkräftig bist du, das Gefilde
als grimmiger Stab des Schreckens gegen zwei Fürsten
und gegen das Geschlecht der Männer.

Hlödyn, wie Völu-Stein dichtete:
Ich erinnere mich, wie die dunkle Erde einst
meines Dan Worte entsandte;
der grüne Boden der Gebeine Hlödyns
klaffte mit gegrabenem Mund.

Erdreich, wie Ulf Uggason dichtete:
Doch die starre Leine des Erdknochens
starrte über den Schiffsrand
auf den Erprober der Krieger,
mit funkelndem Blick, und blies Gift.

Fjörgyn, wie hier gedichtet wird:
Dem freigebigen Spender des klingenden Bettes
des Aals von Eldis Fjörgyn war ich
im Wort treu; ihm sei Ehre,
und dem Sturm des Ambosses des Flusses.

71

Das Tier heißt Wolf. Es ist richtig, es mit Blut oder Aas zu umschreiben, indem man dieses seine Speise oder seinen Trank nennt. Bei anderen Tieren ist eine solche Umschreibung nicht richtig. Der Wolf heißt auch Úlfr, wie Thjodolf dichtete:
Geri war reichlich Bewirtung bereitet,
als Sigurds Sohn von Norden kam,
den Wolf aus dem Wald
an die Wunden zu locken.

Hier wird er auch Geri genannt. Freki, wie Egil dichtete:
Als die Speerbrandung
auf dem Hauptsteven dem Raben dröhnte,
riss Freki
die Wunde auf.

Witnir, wie Einar dichtete:
Die giftkalte Elbe wurde vom heißen
Wundenschwall gerötet.
Witnirs warmes Bier floss mit dem Wasser
in die Halskette Karmts.

Wölfin, wie Arnor dichtete:
Das unheilvolle Geschlecht der Wölfin
verschlang den zu Tode geschlagenen Leichnam;
das grüne Meer wurde mit Blut
vermengt und rot.

Wolf, wie Illugi dichtete:
Des Wolfes Freude war es, als mein Herr
die Fliehenden verfolgte und als Ringezerstörer
mit dem Schwert manchen dunklen
Forellen des Waldes durchbohrte.

Dies sind weitere Bezeichnungen für den Wolf, wie Hall dichtete:
Den Hunger des Heidegängers stillte er,
der graue Heuler genoss die Wunden;
der Fürst rötete Fenrirs Lefzen,
der Wolf ging aus Wunden trinken.

Und ferner, wie Thord dichtete:
Gj alps Gestüt watete im Blut;
die Schar des Riesen erhielt reichlich
Weizen für Freki, und der Heuler
genoss Geris Bier.

Der Bär heißt Weitschreiter, Jungbär, Wintergänger, Bersi, Kater, Grimmtann, Ifjung, Brummer, Jölfud, Scharfsinniger, Bärin, Jorek, Riti, Gieriger, Blom, Tober. Der Hirsch heißt Mótrödnir, Dalarr, Dalr, Dain, Dwalin, Duneyr, Durathror.

72

Diese Pferdenamen werden in Thorgrims Thula aufgezählt:
Hrafn und Sleipnir,
ausgezeichnete Pferde,
Val und Lettfeti,
dort war Tjaldari,
Gulltopp und Goti;
Soti hörte ich nennen,
Mor und Lung samt Mar.
Vigg und Stuf
waren bei Skäwad.
Blakk vermochte einen Krieger zu tragen,
Silfrtopp und Sinir;
auch Fak hörte ich erwähnen,
Gullfaxi und Jor bei den Göttern.
Blodughofi hieß das Pferd,
von dem man sagte, es trage
den mächtigen Atridi;
Gisl und Falhofnir,
Glär und Skeidbrimir,
auch Gyllir wurde dort genannt.

Diese werden ferner in der Kalfsvisa aufgezählt:
Dag ritt Drösul,
Dwalin aber Modnir,
Hjalm Hafeti,
Haki aber Fak;
Belis Töter ritt
Blodughofi,
Skäwad aber
der Fürst der Haddinge.
Westein ritt Val,
Wifil aber Stuf,
Meinthjof Mor,
Morgin aber Wakr,
Ali Hrafn,
als sie aufs Eis ritten;
ein anderes Pferd aber
schweifte im Osten unter Adils,
ein graues,
vom Speer verwundet.
Björn ritt Blakk,
Bjar aber Kert,
Atli Glaum,
Adils aber Slöngwir,
Högni Hölkvir,
Harald aber Fölkvir,
Gunnar Goti,
Grani aber Sigurd.

Arwak und Alswid ziehen die Sonne, wie zuvor geschrieben steht. Hrimfaxi oder Fjörswartnir ziehen die Nacht. Skinfaxi oder Gladr begleiten den Tag.

73

Diese Ochsennamen stehen in Thorgrims Thula:
Die Namen alter Ochsen
habe ich genau erfahren:
Raud und Häfir,
Rekin und Hyr,
Himinhrjod und Apli,
Arf und Arfuni.

Dies sind Bezeichnungen für Schlangen: Drache, Fafnir, Jörmungand, Natter, Nidhögg, Lindwurm, Schlange, Goin, Moin, Grafwitnir, Graurücken, Ofnir, Swafnir, Grim.

Rind: Kuh, Kalb, brünstiger Stier, Färse, Jährling, Stier, Bulle.

Schaf: Widder, Bock, Mutterschaf, Lamm, Schafbock.

Schwein: Sau, junge Sau, Eber, Keiler, Ferkel.

74

Welche Bezeichnungen gibt es für die Luft und das Wetter? Die Luft heißt Ginnungagap und Mittelwelt, Vogelwelt, Wetterwelt. Das Wetter heißt Sturm, Fahrtwind, Unwetter, Kälteeinbruch, Windstoß, Wind. So heißt es in den Alswinnsmal:
Wind heißt er bei den Menschen,
Wansuð bei den Göttern,
Wieherer nennen ihn die hohen Mächte,
Heuler die Riesen,
Lärmf ahrer die Alben;
in Hel heißt er Dröhner.

Das Wetter heißt auch Bö.

75

Zwei Vögel gibt es, die man nur so zu umschreiben braucht, dass man Blut oder Aas ihren Trank oder ihre Speise nennt. Das sind Rabe und Adler. Alle anderen Vögel mit männlicher Bezeichnung kann man mit Blut oder Aas umschreiben, und dann bezeichnet dies einen Adler oder Raben, wie Thjodolf dichtete:
Mit der Gerste des Bluthahns lässt
der Fürst die Adler sich freuen.
Gauts Sichel trägt der König der Horden
gegen das Korn des Blutschwans.
Mit Speerspitzen lässt der Speiser
des Aasgeiers der Adlersee seine Gefolgschaft
jeden Grund weiter südlich abstecken,
den er bewachen soll.

Dies sind Namen des Raben: Krak, Hugin, Munin, Borginmodi, Frühflieger, Jahreszähler, Fleischkünder. So dichtete Einar skalaglamm:
Den bergvertrauten Raben gab der Heerführer
Sättigung; satt wurde der Rabe,
während die Speere klangen,
an der Beute der Wölfin.

So dichtete Einar Skulason:
Der edle Stärker des Kampf-Stares
vermag das kostbare Tier zu lenken;
Leid vertreibt der Last Hugins Leid,
dem Hund der blinkenden Sonne.

Und ferner, wie er dichtete:
Während im Kampf, wo Männer fallen,
des Königs Herz vor Mut schwillt,
trinkt Munin, blauschwarz,
Blut aus den Wunden.

Wie Wiga-Glum dichtete:
Als wir, nach Kampfgetöse begierig,
beschildet auf der Landzunge standen,
erhielt Borginmodi Beute
vom Blut der Göttin der Halskette.

Wie Skuli Thorsteinsson dichtete:
Zuletzt sollte Hlökk mich
in der Schar von hundert Hwitingen sehen,
wo ich dem Frühflieger
blutende Wunden gab.

Der Adler heißt so: Aar, Gemlir, Sturmsegler, Eggdir, Ginnarr, Wundensegler, Gellrufer. Wie Einar dichtete:
Mit Blut rötete er dem dunkelfarbigen
Pferd Jarnsaxas die Lefzen;
der Adler zerriss Geris Köder,
Adlernahrung wurde mit Eisen gewonnen.

Wie Ottar dichtete:
Der Adler trinkt, die Wölfin erhält
Mittagskost, einen Trunk aus Leichen;
oft rötet der Wolf die Kiefer,
der Aar bekommt dort Speise.

Wie Thjodolf dichtete:
Den Erzählern von Geschichten flog
der Wolf der Frau entgegen,
im alten Adlerkleid;
vor nicht langer Zeit blieb er nicht stumm.

Und wie es hier heißt:
Für die Hände des Sturmseglers will ich
erlesenen, hochgestimmten Met bereiten.

Und ferner, wie Skuli dichtete:
Ich gedenke dessen, wie ich zuvor und später
des Gellrufers Meer der Erschlagenen
vom Kummer abhielt; der Dichter
lauscht dann guter Rede.

76

Welche Bezeichnungen gibt es für das Meer? Es heißt: Marr, Ägir, Gymir, Hler, hohe See, Weg, Meerweite, Salzflut, Gewässer, Brandungsmeer. Wie Arnor dichtete und wie zuvor geschrieben steht:
Die Gefolgschaft höre, wie der entschlossene
König der Jarle das Meer befuhr.
Dem unerbittlichen Fürsten fehlte es nicht
an Kraft, mit Ägir zu ringen.

Hier wird es Meer genannt und ebenso Ägir. Marr, wie Hornklofi dichtete:
Als der männermordende Schwung-Natter
Schwinger der Wasserzähne
Nökkvis Pferde des Segelwegs
ruhmvoll hinaus aufs Meer trieb.

Auch Gewässer wird es hier genannt. So dichtete Einar:
Das Gewässer wäscht die Schiffe; die schönen
Wetterweiser klirren, wo das Meer
an beiden Seiten tost;
die Brandung der Flut spült die Rosse.

Hier wird es auch Flut genannt. So dichtete Ref, wie zuvor geschrieben steht:
Bald führt die schauerkalte Wölwa Gymirs
Björn oft in Ägirs Rachen,
wo die Woge bricht,
an gedrehten Tauen.

Hohe See, wie Hallward dichtete:
Westwärts ließest du, Schwinger des Eises
des Sichelgürtels aller Länder,
des harten Rosses Vordersteven
hinaus auf die hohe See weisen.

Weg, wie hier:
Wir sind auf dem Weg fortgezogen
vom Land, das Finnen auf Skiern durchlaufen.
Im Osten sehe ich Berge, vom Pfad der Schiffe aus,
von Strahlen schimmernd.

Meerweite, wie Egil dichtete:
Westwärts fuhr ich über die Meerweite,
doch ich trage Widrirs
Meer des Bruststrands;
so steht es mit meiner Fahrt.

Marr, wie Einar dichtete:
Das kalte Meer wäscht viele Tage lang
unter dem Freigebigen die schwarzen Hölzer;
sturmgetriebene Wogen graben dem Fürsten
Kummer in die Brüste der Ulme.

Salzflut, wie Arnor dichtete:
Die Salzflut durchschnitt von Osten her
der tapfere Volkskönig mit geneigtem Rumpf;
günstige Winde trugen den Schmäler
des Brandungsfeuers der Woge nach Sigtuna.

Brandungsmeer, wie Bölverk dichtete:
Im folgenden Jahr rüstetest du vom Land
eine Flotte mit schönen Schiffen aus;
das Wasser ging über sie, mit prächtigen
Brandungsrossen durchpflügtest du das Meer.

Hier wird das Meer auch Brandung genannt. Weites Wasser, wie Ref dichtete:
Mit der Brust durchschneidet das Ross der Stütze,
das Stevenritzte, die Welt der Planken;
Not leidet das Holz, und es wirft das weite Wasser
über den starren Rand herein.

Dämmerflut, wie Brennu-Njal dichtete:
Zugleich schöpften wir sechzehn, Frau,
in vier Schiffsräumen, während die Brandung wuchs;
die Dämmerflut stob
über die Rümpfe des Seeschiffs.

Dies sind weitere Bezeichnungen für das Meer, bei denen es richtig ist, Schiffe oder Gold darauf zu beziehen. Von Ran heißt es, sie sei Ägirs Frau gewesen, wie hier:
Des Meeres Glut schleuderte er zum Himmel,
die See ging mit Gewalt.
Die Steven, glaube ich, zerschnitten Wolken;
Rans Weg schoss zum Mond empor.

Ägir und Ran haben neun Töchter, und ihre Namen wurden zuvor aufgezeichnet: Himingläwa, Dufa, Blodughadda, Hefring, Udr, Hrönn, Bylgja, Dröfn, Kolga. Einar Skulason zählte in dieser Strophe:
Himingläwa entfacht scharf
am Tapferen das Brausen des Meeres,

sechs ihrer Namen auf, [Himingläwa, Udr, Dufa, Blodughadda, Kolga, Hefring]. Hrönn, wie Walgard dichtete:
Schaum ward in die Lager gelegt,
das aufgewühlte Meer spielte mit Gold;
die Wogen wuschen den Kriegsschiffen
die furchtbaren Häupter.

Bylgja, wie Ottar der Schwarze dichtete:
Mit geglättetem Ruder durchschn ittet ihr
die trinkhohen Wogen; das Segel,
das Frauen gesponnen hatten, spielte
am Masttopp des Rentiers der Rollen.

Dröfn, wie Orm dichtete:
Die wachende Thrud des Habichts des Mahlkastens
übt jede Tugend;
die treue Lofn des Wogenfeuers
vertreibt die Fehler.

Woge, wie Thorleik der Schöne dichtete:
Das Meer tost, und die Woge trägt
hellen Schaum über rotes Holz,
wo grau der goldgeschmückte
Wisent der Rollen den Rachen aufsperrt.

Strandwasser, wie Einar dichtete:
Nie zuvor fanden die Kühnen,
glaube ich, dass sie das Strandwasser stillten,
unsere Freunde an den Steven,
wo das Meer gewaltig gegen sie fiel.

Schwall, wie Ref dichtete:
Berge stürzen auf die Schwalle;
vorwärts rast nun Glammis
Wintergänger der Skier,
der Schotenbär von Gusis Rindern.

Brecher, wie hier:
Ein Brecher fiel jäh über mich.
Die See lud mich zu sich heim.
Ich nahm die Einladung des Meeres nicht an.

Brandungswelle, wie Ottar dichtete:
Die Planken brachen, die Brandung toste,
des Holzes Vernichtung wuchs;
die Männer gerieten in schweres Wetter,
das schmale Schiff stand über der See.

Wasser, wie Bragi dichtete:
Der Windsender des Wassers wollte nicht
vor dem tückischen Ägir zurückweichen,
er, der vor Thor die schmale Angelschnur
der Möwe zerschnitt.

Meerenge, wie Einar dichtete:
Mit Schiffsplanken durchschnitt ich die Meerenge
südlich von Hrund;
meine Hand wurde geschmückt,
als ich den freigebigen Fürsten traf.

Fjord, wie Einar dichtete:
Als Nächstes sehe ich eine Schlange, schön gezeichnet,
auf dem prächtigen Gewand des Schaums;
der Spender des Fjordfeuers vernehme,
wie ich davon in meiner Rede berichte.

Seeflut, wie Markus dichtete:
Den Schmäler der bemalten Sonne der Seeflut
werde ich gewiss nicht schmähen,
Gott des Scheidenaals;
schlecht ist, wer Dichtung verdirbt.

77

Welche Bezeichnungen gibt es für Feuer? So wie hier:
Dieses Feuer brennt nicht selten,
der tüchtige Fürst versengt die Siedlungen;
die Häuser blasen vor dem Herrscher
Rauch aus, wenn Magnus sie entzündet.

Flamme, wie Valgard dichtete:
Rasch schoss aus dem Ruß,
schwang sich um Häuser, und Rauchschwaden
standen danach dicht gedrängt,
die steinwütige Flamme mit ihrer Glut.

Scheiterbrand, wie hier:
Haki wurde auf dem Scheiterbrand verbrannt,
dort, wo die Brandungspfade wogten.

Glut, wie Grani dichtete:
Die Glut von Glammis Pfad, glaube ich,
brachte sie zu Fall; so feuerte der Fürst.

Lohe, wie Atli dichtete:
Manche Axt rötet sich, die Lohen wachsen,
die Hallen flammen,
Häuser brennen, Feuer tost,
die edlen Männer fallen blutend.

Hier wird das Feuer auch Brand genannt. Rauchbrand, wie hier:
Des Herrschers Häuser brannten;
Feuer, glaube ich, stürzte die Halle;
der Rauchbrand warf Reif auf das Heer,
die halbfertigen Häuser am Nid selbst.

Feuerglut, wie Arnor dichtete:
Der zornige Bedränger der Inseldänen
schonte die Raumer bei seinen Maßnahmen nicht.
Die Drohungen der Heiner schwanden,
die Feuerglut brachte sie zum Schweigen.

Feuersbrunst, wie Einar dichtete:
Die Feuersbrunst loderte rasch auf,
und eilends floh
Hisings Heer,
das unterlag.

Feuerschein, wie Valgard dichtete:
Hell wirbelte der Feuerschein;
die Wikinger brachen mit Gewalt
die Befestigung der Burg des starken Fürsten;
Kummer fiel auf das Mädchen.

Feuerstrahl, wie Halldor skvaldri dichtete:
Ihr konntet dort ihre Schätze
verteilen; niemals warst du,
du Feuerstrahl des Schildes,
um den Sieg gebracht, über jenen Wohnstätten.

78

Dies sind die Namen der Zeiten: Zeitalter, ehemals, Lebenszeit, vor langer Zeit, Jahr, Halbjahr, Winter, Sommer, Frühling, Herbst, Monat, Woche, Tag, Nacht, Morgen, Abend, Abenddämmerung, früh am Morgen, früh, spät, zu einer Zeit, vorgestern, nächstens, gestern, morgen, Stunde, Weile. Dies sind weitere Bezeichnungen der Nacht in den Alsvinnsmál:
Nacht heißt sie bei den Menschen,
bei den Göttern Dunkel,
Hülle nennen sie die hohen Mächte,
Sorgenlosigkeit nennen sie die Riesen,
die Alben Schlafesfreude,
die Zwerge Traum-Njörun.

Von der Tagundnachtgleiche an ist Herbst, bis die Sonne im Südwesten untergeht. Dann ist Winter bis zur Tagundnachtgleiche. Dann ist Frühling bis zu den Umzugstagen. Dann ist Sommer bis zur Tagundnachtgleiche. Herbstmonat heißt der Monat unmittelbar vor dem Winter; der erste im Winter heißt Schlachtmonat, dann folgt der Frostmonat, dann der Widdermonat, dann Thorri, dann Goi, dann Einmonat, dann Kuckucksmonat und Saatzeit, dann Eierzeit und Lämmerpferchzeit, dann Sonnenmonat und Sennhüttenmonat, dann die Heuernte, dann der Getreideschnittmonat.

79

Welche einfachen Bezeichnungen gibt es für Männer? Jeder Einzelne ist ein Mensch; die erste und höchste Bezeichnung eines Mannes ist Kaiser, danach König, danach Jarl. Diesen dreien sind alle folgenden Bezeichnungen gemeinsam. Allherrscher, wie hier gedichtet wird:
Alle Allherrscher kenne ich
östlich und südlich der Schiffsplätze;
Sweins Sohn erweist sich
als besser denn jeder Fürst.

Hier wird er auch Fürst genannt. Allherrscher heißt er deshalb, weil er allein über sein ganzes Reich herrscht. Heerordner, wie Gissur dichtete:
Der Heerordner erfreut in der Schlacht
das Ross der Riesin und Hlökks Schwan;
Olaf speist in Sköguls Stürmen
die frohen Gänse Yggs.

Heerordner wird der König deshalb genannt, weil er sein Heer in Schlachtreihen ordnet. Weiser, wie Ottar der Schwarze dichtete:
Der Weise nimmt im Osten
des Schlachten-Freyr begehrte Frau
gewiss ohne Brautpreis; der Allherrscher
führt ein gutes Leben.

Herr oder Gebieter, wie Arnor dichtete:
Der Herr gewann bei jedem
Schwertdonner der Shetlandinseln den Sieg;
der Dichter will den Ruhm des Fürsten mehren,
der unter den Männern der Höchste war.

Herzog heißt ein Jarl, und auch ein König wird so genannt, weil er ein Heer in die Schlacht führt. So dichtete Thjodolf:
Und der Bezwinger der Herzöge ließ
dem Heergefangenen die Augen
aus dem Kopf stechen; ich verkünde sein Lob;
der Hügel eilte voran.

Sinjor oder Senior, wie Sighvat dichtete:
Lass nun den Armen ebenso
wie den Begüterten deine Gesetze genießen,
Herr Norwegens, und gib reichlich;
halte dein Wort.

Freigebiger, wie Markus dichtete:
Der Freigebige fuhr mit Feuer über das feindliche Volk;
den Kriegern war damals der Tod bestimmt.
Den höchsten Feuerschein entzündetet ihr,
Bedränger der Räuber, im Süden bei Jomsburg.

Ruhmreicher, wie Hallvard dichtete:
Unter dem Haselstrauch der Erde ist
kein Ruhmreicher dem Herrn der Mönche
näher als du, Eidbrecher
zum Heil der Dänen.

Landherrscher, wie Thjodolf dichtete:
Der untadelige Landherrscher streut
Krakis helle Saat aus,

wie schon zuvor geschrieben wurde. So heißt er, weil er ein Heer durch das Land anderer Könige führt oder ein Heer aus seinem eigenen Land vertreibt.

80

Ein König hieß Halfdan der Alte; er war der ruhmreichste aller Könige. Er hielt mitten im Winter ein großes Opfer ab und opferte dafür, dass er dreihundert Winter in seinem Königtum leben sollte. Doch er erhielt die Antwort, er werde nicht länger als ein hohes Menschenalter leben; dreihundert Winter aber werde es in seinem Geschlecht weder eine Frau noch einen Mann ohne Fürstenrang geben. Er war ein großer Krieger und zog weithin durch die östlichen Länder. Dort erschlug er im Zweikampf einen König namens Sigtrygg. Darauf heiratete er eine Frau namens Alvig die Weise, die Tochter König Emunds aus Holm gard. Sie hatten achtzehn Söhne, und neun wurden auf einmal geboren. Sie hießen so: Einer war Thengil, der Menschen-Thengil genannt wurde, der zweite Räsir, der dritte Gram, der vierte Gylfi, der fünfte Hilmir, der sechste Jöfur, der siebte Tyggi, der achte Skyli oder Skuli, der neunte Harri oder Herra. Diese neun Brüder wurden im Krieg so ruhmreich, dass ihre Namen seither in aller Überlieferung als Würdenamen gelten, ebenso wie die Bezeichnung König oder Jarl. Sie hatten keine Kinder und fielen alle in Schlachten. So dichtete Ottar der Schwarze:
Thengil war schon jung
kraftvoll und kampfbegierig.
Ich bitte, sein Leben möge währen;
ich halte ihn für einen überragenden Mann.

So dichtete Markus:
Räsir ließ vom geröteten Haupt
die Sonne des Rheins auf die Meeresberge scheinen.

So dichtete Egil:
Gram hat die Felsen der Umfriedung
des Bodens emporgehoben.

So dichtete Eyvind:
Der frohsinnige Gylfi
spielte mit den Söhnen des Volkes;
er sollte das Land verteidigen,
stand unter goldenem Helm.

So dichtete Glum Geirason:
Hilmir rötete unter dem Helm
die Mulde des Wetzsteins an den Gauten.

So dichtete Ottar der Schwarze:
Jöfur höre den Anfang,
des Königs Lob wird sich mehren;
er vernehme recht die Weise
meines Preislieds, seines Gedichts.

Wie Stuf dichtete:
Ruhmgereizt hieb Tyggi
mit beiden Händen die Scharen der Männer;
froh zog das Heer unter Schilden
dort im Süden vor der Nissa.

So dichtete Hallfred:
Von Skyli bin ich getrennt;
der Dichterneid hat es bewirkt.
Des Herrn der Männer Gunst
ist das Höchste und den meisten verborgen.

So dichtete Markus:
Den falkengesinnten Harri des Dänenlandes
rufe ich zu einem kostbaren Lobgedicht.

Halfdan und seine Frau hatten noch neun weitere Söhne, die so heißen: Hildir, von dem die Hildinge abstammen; der zweite Nefir, von dem die Niflungen abstammen; der dritte Audi, von dem die Ödlinge abstammen; der vierte Yngvi, von dem die Ynglinge abstammen; der fünfte Dag, von dem die Döglinge abstammen; der sechste Bragi, von dem die Bragninge abstammen. Das ist das Geschlecht Halfdans des Freigebigen. Der siebte war Budli, von dem die Budlunge abstammen. Aus dem Geschlecht der Budlunge stammten Atli und Brynhild. Der achte ist Lofdi. Er war ein großer Heerkönig. Ihm folgte die Schar, die Lofdar genannt wurde. Seine Nachkommen heißen Lofdunge. Von dort stammt Eylimi, der Großvater mütterlicherseits Sigurds des Fafnirtöters. Der neunte war Sigar; von ihm stammen die Siklinge ab. Das ist das Geschlecht Siggeirs, der mit Wölsung verschwägert war, und das Geschlecht Sigars, der Hagbard hängen ließ. Aus dem Geschlecht der Hildinge stammte Harald der Rotbärtige, der Großvater mütterlicherseits Halfdans des Schwarzen. Aus dem Geschlecht der Niflungen stammte Gjuki, aus dem Geschlecht der Ödlinge Kjar, aus dem Geschlecht der Ylfinge Erik der Redeweise. Auch diese Königsgeschlechter sind berühmt: das von Yngvi, von dem die Ynglinge abstammen; das von Skjöld in Dänemark, von dem die Skjöldunge abstammen; das von Wölsung im Frankenland, dessen Nachkommen Wölsungen heißen. Ein Heerkönig hieß Skelfir, und sein Geschlecht wird das Geschlecht der Skilfinge genannt. Dieses Geschlecht lebt in den östlichen Ländern. Die nun genannten Geschlechternamen hat man in der Dichtung so verwendet, dass sie alle als Würdenamen gelten. So dichtete Einar:
Ich hörte, die Hildinge zogen vor,
um bei der Insel den grauen
Speerthing auszutragen; der grüne
Lindenschild sprang entzwei.

Wie Grani dichtete:
Der Dögling gab dem Jungen des Adlers
dänisches Blut zu trinken.

Wie Gamli Gnävadrskal d dichtete:
Der junge Ödling schlug sich,
als er jung war, auf die Zunge
Naglfaris innerhalb des Bordes
das kraftvolle Mittelstück der Worte.

Wie Jorunn dichtete:
Der Bragning ließ die Schlachten
mit dem Blut des feindlichen Volkes röten;
das Heer erlitt des Königs Zorn,
Häuser sanken oft vor den Lohen.

So dichtete Einar:
Des Budlungs Schwert biss,
Blut fiel auf Speere.
[Hilds Wolke wurde zerrissen
bei Whitby.]

So dichtete Arnor:
Der Sohn der Selbstauswärts gewöhnt
Siklingsschiffe an die offene See.
Er färbt die Kriegsschiffe innen
mit Blut; das ist des Raben Freude.

Wie Thjodolf dichtete:
So endete das Leben des tapferen
Siklings, dass wir alle in Bedrängnis sind;
der gepriesene Lofdung erlitt
des Lebens Vernichtung.

König Lofdi folgte die Schar, die Lofdar heißt. Wie Arnor dichtete:
Ein anderer Skjöldung, höher als du,
Fürst, wird niemals unter der Sonne geboren werden.

Wölsung, wie Thorkel hamarskald dichtete:
Mir ließ senden
über das kühle Meer
der Spross der Wölsungen
eine goldbeschlagene Waffe.

Yngling, wie Ottar der Schwarze dichtete:
Auf Erden gab es keinen kampfbereiten
Yngling vor dir, der sich die Inseln
im Osten bis hin nach Westen
unterworfen hätte.

Yngvi ist auch eine Bezeichnung für einen König, wie Markus dichtete:
Eriks Lob soll die Menschheit hören;
keiner kennt einen trefflicheren Thengil
in dieser Welt; Yngvi hielt
mit langem Ruhm den Sitz der Fürsten.

Skilfing, wie Valgard dichtete:
Der Skilfing hielt dort, wo die Langschiffe
bebten, mit großem Heer vor den weiten
Ländern im Süden; schließlich
wurde Sizilien verwüstet.

Sinjor, wie Sighvat dichtete und zuvor geschrieben wurde:
Lass nun den Armen genießen,
Norwegens Herr, und gib reichlich.

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Dichter heißen Greppar, und in der Dichtung darf man jeden Mann so nennen, den man so nennen will. Rekkar wurden die Männer genannt, die König Half folgten, und nach ihnen werden Krieger Rekkar genannt; auch darf man alle Männer so nennen. Lofdar heißen Männer in der Dichtung ebenfalls, wie zuvor geschrieben wurde. Skatnar wurden die Männer genannt, die jenem König folgten, der Skati der Freigebige genannt wurde. Nach seinem Namen wird jeder Freigebige Skati genannt. Bragnar heißen die, die König Bragi dem Alten folgten. Virdar heißen die Männer, die über die Rechtssachen der Menschen urteilen. Fyrdar und Firar und Verar heißen die Verteidiger des Landes. Wikinger und Flotnar, das ist das Schiffsheer. Beimar hießen die, die König Beimuni folgten. Gumnar oder Gumar heißen Scharführer, so wie bei der Hochzeit der Bräutigam Gumi genannt wird. Gotnar werden nach dem Namen jenes Königs genannt, der Goti heißt und nach dem Gotland benannt ist. Er wurde nach einem Namen Odins benannt, abgeleitet vom Namen Gaut, denn Gautland oder Gotland wurde nach Odin genannt, Schweden aber nach Svidur. Auch das ist ein Name Odins. Zu jener Zeit hieß das ganze Festland, das er besaß, Reidgotaland, alle Inseln aber Eygotaland. Das heißt jetzt das Dänenreich und das Schwedenreich.

Drengir heißen junge Männer ohne eigenen Hof, solange sie sich Vermögen oder Ruhm erwerben; Fahrdrengir heißen die, die zwischen den Ländern reisen, Königsdrengir die, die Fürsten dienen; auch die, die mächtigen Männern oder Bauern dienen, heißen Drengir. Drengir heißen tüchtige Männer, die vorankommen. Seggir werden sie auch genannt, ebenso Kniar und Lidar; das sind Gefolgsleute. Thegnar und Höldar, so werden Bauern genannt. Ljonar heißen die Männer, die sich um Vergleiche zwischen Menschen bemühen. Es gibt Männer, die so genannt werden: Kämpfer, Recken, Haudegen, Könner, Tapfere, Harte, Kraftmenschen, Helden. Diesen Bezeichnungen stehen folgende gegenüber, mit denen man einen Mann bezeichnet: feige, schwach, unansehnlich, Schwächling, Weichling, Schlappschwanz, Feigling, Jammergestalt, Zauderer, Wicht, Nichtsnutz, Elender, Lump, Taugenichts, Tölpel, Träumer, Kümmerling, Bettler, Verächtlicher, Jammerkerl.

Ein freigebiger Mann heißt Spendabler, Ruhmreicher, Edler, Volksedler, Goldspender, Männer-Balder, Begüterter, Wohllebender, Reichtumshäufer, Mächtiger, Häuptling. Dem stehen folgende Bezeichnungen gegenüber: Knauser, Geizhals, Abmesser, Kümmerlicher, Geldgieriger, Gabenscheuer. Ein Weiser heißt Ratgebieter. Ein unverständiger Mann heißt auch Narr, Dummkopf, Tor, Betörter, Grobian, Gaffer, Schnösel, Faselhans, Irrer, Rasender, Wahnsinniger. Ein gepflegter Mann heißt Stutzer, feiner Mann, Glänzender, Geck, Schmuckvoller. Es heißen auch: Schmutzfink, Rüpel, Wanst, Langbeiner, Schlaks, Träge, Stallknecht, Schlamper, Faulpelz. Lyd heißt das Landvolk oder Ljod. Ein Knecht heißt auch Kef sir, Diener, Fronarbeiter, Leibeigener.

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Mann heißt jeder Einzelne,
ein Paar, wenn es zwei sind,
ein Trupp, wenn es drei sind,
vier sind ein Gefolge,
eine Schar sind fünf Männer,
eine Abteilung, wenn es sechs sind,
sieben füllen eine Mannschaft,
acht tragen die Kerbe des Tadels,
Gefährten sind neun,
ein Schwarm, wenn es zehn sind,
Ungestüme sind elf,
eine Zugmannschaft ist es,
wenn zwölf ziehen,
ein Getümmel sind dreizehn,
ein Zug vierzehn,
eine Zusammenkunft ist es,
wenn fünfzehn sich treffen,
eine Sitzung sind sechzehn,
ein Angriff sind siebzehn,
zahlreich scheinen die Feinde
dem, der achtzehn begegnet,
eine Gemeinschaft hat der,
der neunzehn Männer hat,
ein Gefolge sind zwanzig Männer.
Ein Volk sind dreißig,
eine Volksmenge sind vierzig,
eine Schlachtordnung sind fünfzig,
eine Versammlung sind sechzig,
Heerscharen sind siebzig,
ein Menschengeschlecht sind achtzig,
ein Heer ist hundert.

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Ferner gibt es jene Bezeichnungen, die man an die Stelle von Personennamen setzt. Wir nennen sie Beziehungsbezeichnungen, Wesensbezeichnungen oder Beinamen. Beziehungsbezeichnungen entstehen, indem man ein anderes Ding bei seinem richtigen Namen nennt und denjenigen, den man bezeichnen will, dessen Besitzer nennt, oder indem man ihn Vater oder Großvater dessen nennt, den man genannt hat. Der dritte heißt Ahnherr. Ferner heißt es Sohn, Erbe, Erbsohn, Kind, Sprössling und Knabe, Erbberechtigter. Ferner heißt es Bruder, Blutsbruder, Schoßbruder, Bruder, leiblicher Bruder. Ferner heißt es Nachkomme, Neffe, Sippenangehöriger, Spross, Abkömmling, Verwandter, Geschlechtsstamm, Enkel, Sippenstütze, Sippenbruder, Geschlechtszweig, Sippenast, Nachkommenschaft, Nachwuchs, Hauptstamm, Seitentrieb. Ferner heißt es Verschwägerte, angeheiratete Verwandte, durch Heirat Verbundene. Ferner heißt es Freund und Ratgeber, Ratspender, Gesprächsgefährte, Vertrauter, Gesprächspartner, Gefährte der Menschen, vertrauter Freund, Sitzgefährte, Sitznachbar. Ein Ruderbankgefährte ist ein Gefährte auf derselben halben Ruderbank. Ferner heißt es Feind, Widersacher, Gegner, Hassender, Verderber, Schädiger, Töter, Bedränger, Vernichter, Rücksichtsloser.

Diese Bezeichnungen nennen wir Beziehungsbezeichnungen; ebenso verhält es sich, wenn ein Mann nach seinem Hof oder seinem Schiff bezeichnet wird, das einen Namen trägt, oder nach seinem Besitz, dem ein Eigenname gegeben ist. Wesensbezeichnungen nennen wir es, wenn man Menschen einen weisen Mann, einen vorausschauenden Mann, einen wortweisen Mann, einen meisterhaften Ratgeber, einen freigebigen Mann, einen Unermüdlichen, einen umsichtigen Mann, einen prächtigen Mann nennt. Dies sind Beinamen.

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Dies sind unumschriebene Frauenbezeichnungen in der Dichtung: Víf, brúðr und fljóð heißen die Frauen, die einem Mann zur Ehe gegeben sind. Sprund und svanni heißen die Frauen, die sich sehr stolz und prunkvoll geben. Snótir heißen diejenigen, die gewandt mit Worten umgehen. Drósir heißen diejenigen, die still sind, svarri und svarkr diejenigen, die hochmütig sind. Ristill nennt man eine Frau, die tatkräftig ist. Rýgr heißt diejenige, die am mächtigsten ist. Feima nennt man diejenige, die zurückhaltend ist, wie junge Mädchen oder Frauen, die nicht beherzt sind. Sæta heißt eine Frau, deren Ehemann außer Landes gezogen ist. Hæll nennt man eine Frau, deren Ehemann erschlagen worden ist. Ekkja heißt diejenige, deren Ehemann an einer Krankheit starb. Mær heißt jede zunächst, kerlingar aber diejenigen, die alt sind. Es gibt noch weitere Frauenbezeichnungen, die der Schmähung dienen; man kann sie in Gedichten finden, obwohl sie hier nicht aufgeschrieben sind. Eljur heißen Frauen, die denselben Mann haben. Snör heißt die Frau des Sohnes. Sværa heißt die Mutter des Ehemanns. Ferner heißt es Mutter, Großmutter, als dritte Urgroßmutter. Eiða heißt Mutter. Ferner heißt es Tochter und Kind, Sprössling. Ferner heißt es Schwester, Dis, schwesterliche Dis. Eine Frau wird auch Bettgefährtin, Gesprächsgefährtin, Vertraute ihres Ehemanns genannt, und das ist eine Beziehungsbezeichnung.

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Haupt heißt es beim Menschen. Man soll es so umschreiben, dass man es Mühsal oder Last des Halses nennt, Land des Helms und des Hutes und des Hirns, des Haars und der Brauen, der Kopfhaut, der Ohren, der Augen, des Mundes. Auch Heimdalls Schwert; dabei darf man jede beliebige Schwertbezeichnung verwenden und sie mit irgendeinem Namen Heimdalls verbinden. Unumschrieben heißt das Haupt Schädel, Hirnschädel, Kopf, Scheitel. Die Augen heißen Sehen und Blick oder Hinblick, schmale Lichter. Man kann sie so umschreiben, dass man sie Sonne oder Mond, Schilde und Glas oder Edelsteine oder Steine der Wimpern oder Brauen, der Lider oder der Stirn nennt.

Die Ohren heißen Lauscher und Gehör. Man soll sie so umschreiben, dass man sie Land oder mit irgendwelchen Erdbezeichnungen benennt, oder Mund oder Gang oder Gesicht oder Augen des Gehörs, wenn man neue Bilder schafft. Den Mund soll man so umschreiben, dass man ihn Land oder Haus der Zunge oder der Zähne, der Worte oder des Gaumens, der Lippen oder dergleichen nennt; schafft man neue Bilder, so nennt man den Mund ein Schiff, die Lippen dessen Bordwand, die Zunge das Ruder oder Steuer. Die Zähne werden bisweilen Steine oder Schären der Worte, des Mundes oder der Zunge genannt. Die Zunge wird oft Schwert der Rede oder des Mundes genannt.

Der Bart heißt Kinnbart; Schnurrbart oder Knebelbart heißt, was auf den Lippen wächst. Das Haar heißt Strähne, Frauenhaar dasjenige, das Frauen haben. Schopf heißt das Haar. Das Haar wird so umschrieben, dass man es Wald oder mit irgendeiner Baumbezeichnung benennt und dies auf den Schädel oder das Hirn oder das Haupt bezieht; den Bart aber bezieht man auf das Kinn oder die Wangen oder die Kehle.

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Das Herz heißt negg. Man soll es so umschreiben, dass man es Korn oder Stein oder Apfel oder Nuss oder Kugel oder dergleichen nennt und dies auf die Brust oder den Sinn bezieht; man kann es auch Haus oder Erde oder Fels des Sinnes nennen. Die Brust soll man so umschreiben, dass man sie Haus oder Gehege oder Schiff des Herzens, des Atems oder der Leber nennt, Land der Tatkraft, des Sinnes und des Gedächtnisses.

Der Sinn heißt Gemüt und Empfinden, Liebe, Liebesverlangen, Wille, Begehren. Den Sinn soll man so umschreiben, dass man ihn Wind der Trollfrauen nennt, und man darf dabei jede beliebige nennen; ebenso kann man die Riesen nennen oder diese durch ihre Frau oder Mutter oder Tochter umschreiben. Der Sinn heißt auch Gesinnung, Zuneigung, Tatkraft, Stärke, Eifer, Gedächtnis, Verstand, Gemütsart, Wesensart, Treue. Ferner heißt der Sinn Zorn, Feindschaft, Groll, Grimm, Unheil, Kummer, Trauer, Unart, Gereiztheit, Falschheit, Untreue, Mutlosigkeit, Wankelmut, Vorwitz, Hartherzigkeit, Unruhe.

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Die Hand kann man Handfläche, Arm, Pranke, Tatze nennen. An der Hand heißen die Teile Ellenbogen, Unterarm, Handgelenk, Gelenk, Finger, Griff, Flosse, Nagel, Fingerkuppe, Handkante, Nagelfleisch. Die Hand kann man Erde der Waffen oder der Schilde nennen, Baum der Schulter und des Ärmels, der Handfläche und der Finger, Erde der Goldringe und des Falken und des Habichts und aller seiner Bezeichnungen; in neuen Bildern auch Fuß der Schulter, Zwang des Bogens.

Die Füße kann man Bäume der Sohlen, der Fußrücken, der Socken oder dergleichen nennen, laufenden Speer des Weges oder des Gehens, des Schrittes. Man kann den Fuß Baum oder Stütze dieser Dinge nennen. Auf Ski und Schuhe und Hosen werden die Füße bezogen. Am Fuß heißen die Teile Schenkel, Knie, Wade, Knochen, Unterschenkel, Fußrücken, Fußrand, Sohle, Zehe. Auf all dies kann man den Fuß beziehen und ihn Baum nennen; auch Mast und Rah nennt man den Fuß und bezieht dies auf diese Dinge.

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Rede heißt auch Wort und Redewendung und Wortkunst, Gespräch, Erzählung, Wortstreit, Zank, Gesang, Zauberlied, Singen, Geschwätz, Beben, Lärm, Geplauder, Geschrei, Jubel, Gezänk, Spott, Gezeter, Prahlerei, Eigenlob, Gerede, törichtes Geschwätz, kindisches Geplapper, eitles Gerede, lautes Geschrei. Ferner heißt es Stimme, Klang, Stimmklang, Widerhall, Brausen, Gellen, Getöse, Dröhnen, Donnern, Brüllen, Krachen, Bewegung, Schwung, Gang. Verstand heißt Weisheit, Rat, Verständnis, Gedächtnis, Überlegung, Nachdenken, Rechenkunst, Weitblick, Findigkeit, Wortweisheit, Tatkraft. Ferner heißt es Hintergedanke, Arglist, Falschheit, Treulosigkeit.

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Læti hat zwei Bedeutungen. Læti heißt Stimme, læti heißt Gebaren, und æði heißt auch schlechte Laune. Auch reiði hat zwei Bedeutungen. Reiði heißt es, wenn ein Mensch zornig gesinnt ist; reiði heißt auch die Ausrüstung eines Schiffes oder Pferdes. Auch far hat zwei Bedeutungen. Fár ist Zorn, far ist ein Schiff. Solche Ausdrücke verwenden die Menschen oft, um verhüllt zu dichten, und das nennt man sehr ofljóst. Lið nennt man am Menschen die Stelle, wo Glieder zusammentreffen; lið heißt Schiff, lið heißt Menschenmenge, lið heißt auch die Hilfe, die ein Mensch einem anderen leistet; líð heißt Bier. Hlið heißt eine Öffnung im Zaun, und hlið nennt man einen Ochsen, hlíð aber ist ein Hang.

Diese verschiedenen Bedeutungen kann man in der Dichtung so einsetzen, dass man ofljóst schafft und es schwer verständlich wird, wenn eine andere Bedeutung gelten soll als diejenige, auf welche die vorangehenden Versworte zunächst hinzudeuten scheinen. Ebenso verhält es sich mit vielen anderen Wörtern, bei denen mehrere Dinge dieselbe Bezeichnung tragen.