Originalquelle zu „Verzeichnis der Versformen“

Háttatal

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Deutsche KI-Übersetzung aus dem Altnordischen mithilfe der englischen Übersetzung.

Was sind die Regeln der Dichtkunst? Dreierlei: Vorschrift, Freiheit und Verbot. Was ist die Vorschrift für die Versformen? Zweierlei. Was? Regelmäßige und abgewandelte Gestaltung. Wie ist die regelmäßige Gestaltung der Versformen beschaffen? Auf zweierlei Weise. Wie? Nach Zahl und Unterscheidung. Was wird bei der Gestaltung der Versformen gezählt? Dreierlei. Was? Zum einen, wie viele Versformen sich in der Dichtung hervorragender Skalden finden. Zum anderen, wie viele Verszeilen in jeder Versform zu einer Strophe gehören. Zum dritten, wie viele Silben in jeder Versform in jede Verszeile gesetzt werden. Welche Unterscheidungen gibt es bei der Gestaltung der Versformen? Zweierlei. Welche? Sprachliche und lautliche Unterscheidungen. Was ist die sprachliche Unterscheidung? Die Anordnung der Buchstaben gliedert die gesamte Sprache; die lautliche Unterscheidung aber besteht darin, Silben lang oder kurz, hart oder weich zu gebrauchen, und die Anordnung solcher Lautentsprechungen nennen wir Binnenreime, wie hier gedichtet ist:

Hier findet sich die Buchstabenanordnung, die die Versform bestimmt und den Versklang erzeugt. Es sind zwölf Stäbe in einer Strophe, und je drei stehen in jedem Strophenviertel. In jedem Viertel stehen zwei Verszeilen. Zu jeder Verszeile gehören sechs Silben. In der zweiten Verszeile steht am Anfang der Zeile der Stab, den wir Hauptstab nennen. Dieser Stab bestimmt den Versklang. In der ersten Verszeile aber muss sich dieser Stab zweimal als Silbenanlaut finden. Diese Stäbe nennen wir Stützstäbe. Ist der Hauptstab ein Konsonant, so müssen die Stützstäbe derselbe Buchstabe sein, wie hier:

Es ist aber falsch, wenn diese Buchstaben in einem Strophenviertel häufiger oder seltener als Silbenanlaut stehen. Ist hingegen der Hauptstab ein Vokal, so müssen auch die Stützstäbe Vokale sein, und schöner ist es dann, wenn jeder von ihnen ein anderer Vokal ist. Dann ist es auch zulässig, dass ein Vokal in einem Strophenviertel noch öfter als Anlaut vorkommt, und zwar in Fürwörtern oder in Füllwörtern, die so lauten: ek – oder so: en, er, at, í, á, of, af, um. Das ist eine Freiheit, entspricht aber nicht der regelmäßigen Vorschrift.

Eine andere Anordnung der Buchstaben ist diejenige, die sich nach der Anordnung der Laute richtet, welche Versform und Versklang erzeugt. Diese Unterscheidung muss im Dróttkvætt so beschaffen sein, dass ein Strophenviertel in seiner gesamten Buchstaben- und Lautanordnung zusammenstimmt. In der ersten Verszeile ist diese Anordnung folgendermaßen zu unterscheiden: Hier steht: jörð, fyrð. An beiden Stellen steht eine Silbe, und jede enthält einen anderen Vokal, ebenso sind die Anfangsbuchstaben verschieden; nach dem Vokal stehen aber in beiden Wörtern dieselben Buchstaben. Diese Anordnung des Gleichklangs nennen wir Halbreim. In der zweiten Verszeile aber ist es so: Hier steht: rofs, ofs. Der Vokal ist derselbe, ebenso alle Buchstaben, die ihm in beiden Wörtern folgen; die Anfangsbuchstaben aber unterscheiden die Wörter. Dies nennt man Vollreime.

Die Binnenreime sind im Dróttkvætt so zu setzen, dass der spätere Reim in jeder Verszeile, der Gegenreim heißt, in der Silbe stehen muss, auf die nur noch eine folgt. Der Reim aber, der Anfangsreim heißt, steht manchmal am Anfang der Verszeile; dann nennen wir ihn Spitzenreim. Manchmal steht er in der Mitte der Verszeile; dann nennen wir ihn Teilreim. Dies ist die Dróttkvætt-Versform. In dieser Versform ist das meiste gedichtet, worauf besondere Sorgfalt verwandt wird. Sie ist der Ursprung aller Versformen, wie die Sprachrunen den anderen Runen vorausgehen.

Wie erfolgt die abgewandelte Gestaltung der Versformen? Auf zweierlei Weise. Wie? Durch Sprache und Laute. Wie soll man durch die Sprache abwandeln? Auf zweierlei Weise. Wie? Indem man die Versformen beibehält oder wechselt. Wie soll man die Versformen abwandeln und dabei dieselbe Versform beibehalten? Indem man Kenningar verwendet, verstärkt, Umschreibungen fortführt, durch zutreffende Eigenschaften kennzeichnet oder neue Bilder dichtet. Was sind Versformen mit Kenningar? So wie diese:

Hier sind alle Bezeichnungen in dieser Strophe umschrieben; Binnenreime, Verslänge und Stabverteilung aber verhalten sich so, wie zuvor beschrieben wurde. Kenningar werden in drei Arten unterschieden. Die erste heißt Kenning, die zweite doppelte Kenning, die dritte fortgeführte Kenning. Eine Kenning ist es, die Schlacht Speerkrachen zu nennen; eine doppelte Kenning aber ist es, das Schwert Feuer des Speerkrachens zu nennen. Wird die Umschreibung noch weitergeführt, so ist sie eine fortgeführte Kenning. Fortgeführte Kenning:

Was sind zutreffende Kennzeichnungen? So wie diese:

Eine zutreffende Kennzeichnung ist es, das Wort auf diese Weise durch einen wahren Sachverhalt zu stützen, etwa die Wunden schwer zu nennen, denn große Wunden sind schwer. Richtig ist es auch, von ihrem Wachsen zu sprechen. Eine zweite zutreffende Kennzeichnung ist es, dass die Wunden gewaltig wachsen. Nun enthält eine Verszeile zwei zutreffende Kennzeichnungen. In der zweiten Verszeile wird die Schneide stark genannt, die Männer aber tapfer. In der dritten heißt es, dass etwas Scharfes schneidet und der Schild fest ist; in der vierten Zeile wird der König groß genannt, sein Leben aber tatkräftig; darauf wird das Schwert blank und kräftig gerötet genannt, jeder Gefolgsmann aber ein Einzelner, und es wäre auch dann richtig ausgedrückt, wenn er als Mann bezeichnet würde. Edel wird der König genannt. Der Schild war vorzüglich und bekam erstaunlich rasch Furchen. Der König war froh und beherzten Herzens. Nun sind hier sechzehn zutreffende Kennzeichnungen in acht Verszeilen gezeigt worden; doch verschönern sie den Versklang sehr, auch wenn sie nicht mit solcher Sorgfalt durchgeführt werden.

Zutreffende Kennzeichnungen haben drei Arten. Die eine heißt zutreffende Kennzeichnung, die zweite Verstärkung, die dritte doppelte Verknüpfung. Verstärkungen:

Hier begleitet eine Verstärkung jede zutreffende Kennzeichnung, wie etwa die Schneide nicht hart, die Männer aber überaus mutig genannt werden. Eine zutreffende Kennzeichnung ist: harte Schneide und mutige Männer. Eine Verstärkung liegt vor, wenn ein zweites bekräftigendes Wort die zutreffende Kennzeichnung begleitet.

Wo finden sich neue Bilder? So wie hier:

Neue Bilder entstehen, wenn man das Schwert eine Schlange nennt und es richtig umschreibt, die Scheide aber ihre Wege nennt und die Schwertgurte samt Beschlägen ihre Haut. Dabei wird die Natur der Schlange beibehalten, dass sie aus ihrer Haut und zum Wasser kriecht. Hier ist das neue Bild so gestaltet, dass sie einen Bach aus Blut aufsucht, indem sie die Pfade des Herzens entlangkriecht; das sind die Brüste der Männer. Neue Bilder gelten dann als gut gedichtet, wenn das einmal aufgegriffene Bild über die ganze Länge der Strophe beibehalten wird. Wird aber das Schwert eine Schlange genannt, dann jedoch ein Fisch oder eine Rute, oder wird das Bild auf andere Weise gewechselt, so nennt man das einen Wechselbalg, und es gilt als Fehler.

Nun ist die Dróttkvætt-Versform mit fünf Abwandlungen dargestellt, und doch ist es dieselbe regelrechte und unveränderte Versform. Häufig finden sich einige oder alle dieser Abwandlungen in einer einzigen Strophe, und das ist richtig, denn Kenningar vermehren den Wortreichtum, zutreffende Kennzeichnungen verschönern und vervollständigen die Sprache, neue Bilder zeigen Wissen und Wortgewandtheit.

Es gehört zu den Freiheiten der Versformen, langsame oder rasche Silben zu gebrauchen, sodass die vorgeschriebene Zahl über- oder unterschritten wird. Es können sich so langsame Silben finden, dass in der zweiten und vierten Verszeile nur fünf Silben stehen, wie hier:

In dieser Strophe sind sämtliche ersten Binnenreime Spitzenreime, und doch gehört diese Versform dem Versmaß nach zum Dróttkvætt. Nun sollen so rasche und so dicht nebeneinanderstehende Silben gezeigt werden, dass sich dadurch die Länge der Verszeile vergrößert:

Hier stehen in der ersten und dritten Verszeile neun Silben, in der zweiten und vierten aber sieben. Hier ist gezeigt, wie viele Silben höchstens in einer Verszeile im Dróttkvætt stehen dürfen; daraus lässt sich erkennen, dass acht oder sieben in der ersten und dritten Verszeile durchaus zulässig sind. In dieser Strophe sind alle Anfangs-