Originalquelle zu „Balders Träume“
Baldrs draumar
Hier kannst du das Werk im altnordischen Original sowie in englischer und deutscher Übersetzung lesen, soweit verfügbar. Mit den Schaltflächen oben wechselst du die Ansicht; deine Auswahl wird für alle Quelltextseiten gespeichert.
Altnordischer Text in der normalisierten Schreibweise der Ausgabe von Guðni Jónsson.
Senn váru æsir
allir á þingi
ok ásynjur
allar á máli,
ok um þat réðu
ríkir tívar,
hví væri Baldri
ballir draumar.
Upp reis Óðinn,
alda gautr,
ok hann á Sleipni
söðul of lagði;
reið hann niðr þaðan
niflheljar til;
mætti hann hvelpi,
þeim er ór helju kom.
Sá var blóðugr
um brjóst framan
ok galdrs föður
gól of lengi;
fram reið Óðinn,
foldvegr dunði;
hann kom at hávu
Heljar ranni.
Þá reið Óðinn
fyrir austan dyrr,
þar er hann vissi
völu leiði;
nam hann vittugri
valgaldr kveða,
unz nauðig reis,
nás orð of kvað:
"Hvat er manna þat
mér ókunnra,
er mér hefir aukit
erfitt sinni?
Var ek snivin snævi
ok slegin regni
ok drifin döggu,
dauð var ek lengi."
Óðinn kvað:
"Vegtamr ek heiti,
sonr em ek Valtams;
segðu mér ór helju,
ek mun ór heimi:
Hveim eru bekkir
baugum sánir,
flet fagrlig
flóuð gulli?"
Völva kvað:
"Hér stendr Baldri
of brugginn mjöðr,
skírar veigar,
liggr skjöldr yfir,
en ásmegir
í ofvæni;
nauðug sagðak,
nú mun ek þegja."
Óðinn kvað:
"Þegj-at-tu, völva,
þik vil ek fregna,
unz alkunna,
vil ek enn vita:
Hverr mun Baldri
at bana verða
ok Óðins son
aldri ræna?"
Völva kvað:
"Höðr berr hávan
hróðrbaðm þinig,
hann mun Baldri
at bana verða
ok Óðins son
aldri ræna;
nauðug sagðak,
nú mun ek þegja."
Óðinn kvað:
"Þegj-at-tu, völva,
þik vil ek fregna,
unz alkunna,
vil ek enn vita:
Hverr mun heift Heði
hefnt of vinna
eða Baldrs bana
á bál vega?"
Völva kvað:
Rindr berr Vála
í vestrsölum,
sá mun Óðins sonr
einnættr vega:
hönd of þvær
né höfuð kembir,
áðr á bál of berr
Baldrs andskota;
nauðug sagðak,
nú mun ek þegja."
Óðinn kvað:
"Þegj-at-tu, völva,
þik vil ek fregna,
unz alkunna,
vil ek enn vita:
Hverjar ro þær meyjar,
er at muni gráta
ok á himin verpa
halsa skautum?"
Völva kvað:
"Ert-at-tu Vegtamr,
sem ek hugða,
heldr ertu Óðinn,
aldinn gautr."
Óðinn kvað:
"Ert-at-tu völva
né vís kona,
heldr ertu þriggja
þursa móðir."
Völva kvað:
"Heim ríð þú, Óðinn,
ok ver hróðigr,
svá komir manna
meir aftr á vit,
er lauss Loki
líðr ór böndum
ok ragna rök
rjúfendr koma."
Gemeinfreie englische Übersetzung von Henry Adams Bellows (1923); die Strophenzählung kann vom Original abweichen.
Once were the gods together met,
And the goddesses came and council held, And the far-famed ones the truth would find,
Why baleful dreams to Baldr had come.
Then Othin rose, the enchanter old,
And the saddle he laid on Sleipnir's back;
Thence rode he down to Niflhel deep,
And the hound he met that came from hell.
Bloody he was on his breast before,
At the father of magic he howled from afar;
Forward rode Othin, the earth resounded
Till the house so high of Hel he reached.
Then Othin rode to the eastern door,
There, he knew well, was the wise-woman's grave;
Magic he spoke and mighty charms,
Till spell-bound she rose, and in death she spoke:
"What is the man, to me unknown,
That has made me travel the troublous road?
I was snowed on with snow, and smitten with rain,
And drenched with dew; long was I dead."
Othin spake: 6.
"Vegtam my name, I am Valtam's son;
Speak thou of hell, for of heaven I know:
For whom are the benches bright with rings,
And the platforms gay bedecked with gold?"
The Wise-Woman spake: 7.
"Here for Baldr the mead is brewed,
The shining drink, and a shield lies o'er it;
But their hope is gone from the mighty gods.
Unwilling I spake, and now would be still."
Othin spake: 8.
"Wise-woman, cease not! I seek from thee
All to know that I fain would ask:
Who shall the bane of Baldr become,
And steal the life from Othin's son?"
The Wise-Woman spake: 9.
"Hoth thither bears the far-famed branch,
He shall the bane of Baldr become,
And steal the life from Othin's son.
Unwilling I spake, and now would be still."
Othin spake: 10.
"Wise-woman, cease not! I seek from thee
All to know that I fain would ask:
Who shall vengeance win for the evil work,
Or bring to the flames the slayer of Baldr?"
The Wise-Woman spake: 11.
"Rind bears Vali in Vestrsalir,
And one night old fights Othin's son; His hands he shall wash not, his hair he shall comb not,
Till the slayer of Baldr he brings to the flames.
Unwilling I spake, and now would be still."
Othin spake: 12.
"Wise-woman, cease not! I seek from thee
All to know that I fain would ask:
What maidens are they who then shall weep,
And toss to the sky the yards of the sails?"
The Wise-Woman spake: 13.
"Vegtam thou art not, as erstwhile I thought;
Othin thou art, the enchanter old."
Othin spake:
"No wise-woman art thou, nor wisdom hast;
Of giants three the mother art thou."
The Wise-Woman spake: 14.
"Home ride, Othin, be ever proud;
For no one of men shall seek me more Till Loki wanders loose from his bonds,
And to the last strife the destroyers come."
Deutsche KI-Übersetzung aus dem Altnordischen mithilfe der englischen Übersetzung.
Einst waren die Asen
alle beim Thing
und die Asinnen
alle zur Beratung,
und darüber berieten
die mächtigen Götter,
warum Balder
unheilvolle Träume hatte.
Auf stand Odin,
der Menschen Stammvater,
und legte Sleipnir
den Sattel auf;
er ritt von dort hinab
nach Niflhel;
ihm begegnete ein Hund,
der aus Hel kam.
Blutig war er
vorn an der Brust
und den Vater der Zauberkunst
bellte er lange an;
weiter ritt Odin,
der Erdenweg dröhnte;
er kam zu Hels
hohem Haus.
Da ritt Odin
östlich der Tür,
wo er das Grab
der Seherin wusste;
der Zauberkundigen sang er
einen Totenzauber,
bis sie widerwillig aufstand
und mit Totenworten sprach:
»Wer ist dieser Mensch,
der mir unbekannt ist,
der mir einen so
beschwerlichen Gang auferlegt hat?
Ich war mit Schnee beschneit
und vom Regen geschlagen
und vom Tau durchnässt,
lange war ich tot.«
Odin sprach:
»Wegtam heiße ich,
Waltams Sohn bin ich;
erzähle mir aus Hel,
ich erzähle aus der Welt:
Für wen sind die Bänke
mit Ringen bestreut,
die prächtigen Sitzplätze
mit Gold übergossen?«
Die Seherin sprach:
»Hier steht für Balder
gebrauter Met,
heller Trank,
ein Schild liegt darüber,
doch die Söhne der Asen
sind voller Verzweiflung;
widerwillig sprach ich,
nun will ich schweigen.«
Odin sprach:
»Schweige nicht, Seherin,
dich will ich befragen,
bis ich alles weiß,
will ich weiter wissen:
Wer wird Balder
den Tod bringen
und Odins Sohn
des Lebens berauben?«
Die Seherin sprach:
»Hödur trägt den hohen,
ruhmreichen Zweig dorthin;
er wird Balder
den Tod bringen
und Odins Sohn
des Lebens berauben;
widerwillig sprach ich,
nun will ich schweigen.«
Odin sprach:
»Schweige nicht, Seherin,
dich will ich befragen,
bis ich alles weiß,
will ich weiter wissen:
Wer wird an Hödur
die Untat rächen
oder Balders Mörder
für den Scheiterhaufen erschlagen?«
Die Seherin sprach:
»Rind gebiert Wali
in den westlichen Sälen;
dieser Sohn Odins wird,
eine Nacht alt, töten:
Er wäscht sich die Hand nicht
und kämmt sich das Haar nicht,
ehe er auf den Scheiterhaufen trägt
Balders Feind;
widerwillig sprach ich,
nun will ich schweigen.«
Odin sprach:
»Schweige nicht, Seherin,
dich will ich befragen,
bis ich alles weiß,
will ich weiter wissen:
Wer sind jene Mädchen,
die nach Herzenslust weinen
und zum Himmel werfen
die Zipfel ihrer Halstücher?«
Die Seherin sprach:
»Du bist nicht Wegtam,
wie ich dachte,
sondern du bist Odin,
der alte Stammvater.«
Odin sprach:
»Du bist keine Seherin
und keine weise Frau,
sondern du bist dreier
Riesen Mutter.«
Die Seherin sprach:
»Reite heim, Odin,
und sei stolz;
komm unter den Menschen
erst wieder zu mir,
wenn Loki frei
seinen Fesseln entkommt
und zum Schicksal der Götter
die Zerstörer kommen.«