Originalquelle zu „Das grönländische Atlilied“

Atlamál in grænlenzku

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Deutsche KI-Übersetzung aus dem Altnordischen mithilfe der englischen Übersetzung.

1

Die Menschen hörten von der Fehde,
die einst entstand,
als Männer zum Rat zusammentraten;
wenigen brachte das Nutzen.
Sie mehrten die heimlichen Absprachen;
Schrecken erwuchs ihnen später daraus
und ebenso Gjukis Söhnen,
die aufrichtig gesinnt waren.

2

Das Schicksal bedrängte die Fürsten
– dem Tod Geweihte sollten nicht so handeln –,
Atli beriet sich schlecht,
obwohl er Verstand besaß;
er fällte eine mächtige Stütze,
fügte sich schweres Leid zu,
sandte eilends die Botschaft,
seine Schwäger sollten bald kommen.

3

Klug war die Hausherrin,
sie sann auf weisen Rat;
sie hörte den Sinn der Worte,
die sie heimlich sprachen.
Da war die Weise ratlos,
sie wollte ihnen helfen;
sie hätte übers Meer fahren müssen,
doch selbst konnte sie nicht fort.

4

Runen begann sie zu ritzen;
Vingi verfälschte sie
– er trieb das Unheil voran –,
bevor er sie übergab.
Dann fuhren weiter
Atlis Boten
über den Limfjord,
wo die kühnen Männer wohnten.

5

Beim Bier wurden sie fröhlich
und entzündeten Feuer;
sie dachten an keinerlei Arglist,
als jene gekommen waren.
Sie nahmen die Geschenke,
die der Edle ihnen sandte,
hängten sie an eine Säule
und maßen dem keine Bedeutung bei.

6

Da kam Kostbera,
sie war Högnis Frau,
eine überaus umsichtige Frau,
und begrüßte die beiden.
Froh war auch Glaumwör,
die Gunnar zur Frau hatte;
die Bedachtsame ließ es an nichts fehlen,
sie sorgte für die Bedürfnisse der Gäste.

7

Sie luden Högni zu sich,
ob er dann eher mitkäme;
der Trug lag offen zutage,
hätten sie sich nur vorgesehen.
Da versprach Gunnar die Fahrt,
wenn Högni es wollte;
Högni widersprach nicht
dem Beschluss des anderen.

8

Die herrlichen Frauen brachten Met,
an vielerlei Speisen fehlte es nicht;
viele Hörner gingen um,
bis man genug getrunken hatte.

9

Das Ehepaar bereitete sein Lager,
wie es ihm am bequemsten schien.
Kostbera war kundig,
sie verstand sich auf Runen;
sie entzifferte die Schriftzeichen
am hellen Feuer.
Sie musste die Zunge
fest an den Gaumen legen;
so verfälscht waren die Runen,
dass sie schwer zu deuten waren.

10

Dann gingen Högni und sie
in ihr Bett.
Die edle Frau träumte
und verschwieg nichts davon;
die Kluge erzählte es dem Fürsten,
sobald sie erwachte:

11

»Du rüstest dich zur Abreise, Högni,
bedenke meinen Rat;
wenige durchschauen alles,
fahre ein andermal.
Ich deutete dir die Runen,
die deine Schwester ritzte;
die Strahlende hat dich diesmal
nicht hergebeten.

12

Eines wundert mich am meisten,
noch kann ich nicht begreifen,
was der Weisen widerfuhr,
dass sie falsch ritzen sollte.
Denn darauf wurde hingedeutet,
als läge darunter
der Tod für euch beide,
wenn ihr bald kämet.
Der Frau fehlt ein Schriftzeichen,
oder andere haben es verschuldet.«
Högni sprach:

13

»Alle Frauen ahnen Böses,
ich kenne solche Furcht nicht;
ich will nicht danach suchen,
es sei denn, wir müssten es vergelten.
Der Fürst wird uns mit Gold
von glühendem Rot beschenken;
ich fürchte mich niemals,
auch wenn wir von Gefahr hören.«
Kostbera sprach:

14

»Unsicher wird euer Gang sein,
wenn ihr dorthin strebt;
freundliche Aufnahme erwartet euch
diesmal nicht.
Ich träumte, Högni,
verhehlen wir uns das nicht;
es wird euch übel ergehen,
oder meine Furcht täuscht mich.

15

Deine Bettdecke sah ich
im Feuer brennen;
hohe Flammen schlugen
durch mein Haus.«
Högni sprach:

16

»Hier liegen Leinentücher,
um die du dich wenig kümmerst;
die werden bald verbrennen,
die du als Bettdecke sahst.«
Kostbera sprach:

17

»Einen Bären sah ich hereinkommen,
er brach die Balken auf,
schüttelte so die Pranken,
dass uns Angst befiel.
Viele von uns hielt er im Rachen,
sodass wir nichts vermochten;
auch war das Getöse
dabei wahrlich nicht gering.«
Högni sprach:

18

»Ein Unwetter wird aufziehen,
bald wird es heftig werden;
einen Eisbären sahst du,
das bedeutet Sturm aus Osten.«
Kostbera sprach:

19

»Einen Adler sah ich hereinfliegen,
der Länge nach durch das Haus;
das wird uns lange zu schaffen machen:
Er besprengte uns alle mit Blut.
Nach seinen Drohgebärden dachte ich,
es sei Atli in Adlergestalt.«
Högni sprach:

20

»Wir werden bald schlachten,
dann werden wir Blut sehen;
oft kündigt es Ochsen an,
wenn man von Adlern träumt.
Atli ist aufrichtig gesinnt,
was immer du träumst.«
Damit ließen sie es bewenden;
jedes Gespräch geht vorüber.

21

Die Hochgeborenen erwachten,
bei ihnen ging es ebenso zu;
Glaumwör erwähnte,
ihre Träume kündeten Unheil
– – – mit Gunnar,
zwischen zwei Wegen zu wählen.
Glaumwör sprach:

22

»Einen Galgen sah ich für dich errichtet,
du gingst hin, um daran zu hängen;
Schlangen fraßen dich,
lebend traf ich dich an;
der Untergang der Götter brach herein.
Deute du, was das bedeutet.«
Gunnar sprach:

23

. . . . . . . . . . .
Glaumwör sprach:

24

»Ein blutiges Schwert sah ich
aus deinem Hemd gezogen
– schlimm ist es, einen solchen Traum
dem geliebten Mann zu erzählen –;
einen Speer sah ich stecken
mitten durch deinen Leib,
Wölfe heulten
an beiden Enden.«
Gunnar sprach:

25

»Hunde laufen dort,
beginnen laut zu bellen;
oft erhebt sich Hundegebell,
bevor die Speere fliegen.«
Glaumwör sprach:

26

»Einen Fluss sah ich hereinströmen,
der Länge nach durch das Haus;
er brauste voller Wut,
stürzte über die Bänke,
brach euch beiden Brüdern
hier die Beine;
das Wasser gab nicht nach.
Etwas muss das doch bedeuten.«
Gunnar sprach:

27

. . . . . . . . . . .
Glaumwör sprach:

28

»Tote Frauen sah ich
heute Nacht hierherkommen;
sie waren nicht dürftig gekleidet,
sie wollten dich erwählen,
luden dich eilends ein
auf ihre Bänke.
Ich sage, deiner Disen
Kraft ist gebrochen.«
Gunnar sprach:

29

»Zu spät sagst du das,
so ist es nun beschlossen;
ich scheue die Fahrt dennoch nicht,
da die Abreise feststeht.
Vieles spricht dafür,
dass wir nur noch kurz leben.«

30

Als es hell wurde, sah man sie;
sie erklärten sich zur Fahrt bereit,
standen alle auf,
die anderen hielten sie zurück.
Zu fünft fuhren sie,
doppelt so viele
Hausleute waren noch da;
schlecht war das bedacht.
Snäwar und Solar,
das waren Högnis Söhne;
Orkning hieß der,
der noch mit ihnen fuhr;
froh war der Schildbaum,
der Bruder seiner Frau.

31

Die schön geschmückten Frauen gingen mit,
bis der Fjord sie trennte;
stets mahnten die Strahlenden ab,
doch jene ließen sich nichts sagen.

32

Glaumwör ergriff das Wort,
die Gunnar zur Frau hatte;
sie sprach zu Vingi,
wie es ihr angemessen schien:
»Ich weiß nicht, ob ihr uns
nach unserem Wunsch vergelten werdet;
ein Frevel ist des Gastes Kommen,
wenn sich daraus Unheil ergibt.«

33

Da schwor Vingi,
er nahm wenig Rücksicht auf sich:
»Die Riesen sollen ihn holen,
wenn er euch belöge,
der Galgen ihn ganz verschlingen,
wenn er an Schonung dächte.«

34

Bera ergriff das Wort,
liebevoll gesinnt:
»Segelt glücklich
und erringt den Sieg;
so gehe es, wie ich es euch wünsche,
niemand soll das vereiteln können.«

35

Högni antwortete,
er meinte es gut mit den Seinen:
»Fasst Mut, ihr Klugen,
wie immer es kommen mag;
viele sagen etwas voraus,
doch irren sie sich sehr;
für manchen bedeutet es wenig,
wie man ihn von daheim verabschiedet.«

36

Sie blickten einander nach,
bis sie einander entschwanden;
da, glaube ich, schied sie das Schicksal,
ihre Wege trennten sich.

37

Die Mächtigen begannen zu rudern,
rissen den halben Kiel entzwei,
warfen sich mit dem Rücken zurück,
legten sich gewaltig ins Zeug;
die Ruderschlingen rissen,
die Dollen brachen;
sie machten das Schiff nicht fest,
bevor sie es verließen.

38

Nur wenig ging es weiter
– ich will davon zu Ende erzählen –,
da sahen sie den Hof stehen,
der Budli gehört hatte;
laut krachten die Tore,
als Högni dagegenstieß.

39

Da sprach Vingi Worte,
die besser ungesagt geblieben wären:
»Bleibt dem Haus fern
– trügerisch ist der Zugang;
bald habe ich euch verbrannt,
rasch sollt ihr erschlagen werden.
Mit schönen Worten bat ich euch her,
doch Arglist lag darunter –,
oder wartet hier draußen,
bis ich euren Galgen haue.«

40

Högni gab zur Antwort,
er dachte kaum ans Weichen,
scheute nichts von dem,
was er bestehen musste:
»Lass ab, uns zu schrecken,
versuche das nur selten;
wenn du noch weiterredest,
verlängerst du dein Leiden.«

41

Sie stießen Vingi nieder
und schlugen ihn tot,
ließen die Äxte auf ihn fallen,
solange noch Atem in ihm röchelte.

42

Atli und die Seinen scharten sich
und legten Brünnen an;
so gerüstet kamen sie,
der Hof lag zwischen ihnen.
Sie wechselten heftige Worte,
alle zugleich voller Zorn:
»Längst waren wir entschlossen,
euch das Leben zu nehmen.«

43

»Das sieht schlecht aus,
wenn ihr es längst beschlossen habt
und dennoch unvorbereitet seid;
wir haben schon einen gefällt,
ihn zu Tode geschlagen,
einen Mann aus eurer Schar.«

44

Da gerieten sie außer sich,
als sie diese Worte hörten;
sie bewegten flink die Finger
und griffen nach den Sehnen,
schossen scharfe Pfeile
und deckten sich mit Schilden.

45

Da drang die Kunde ins Haus,
was draußen vollbrachten
die Männer vor der Halle;
sie hörten es einen Knecht erzählen.

46

Entschlossen war da Gudrun,
als sie von dem Leid hörte;
mit Halsgeschmeide behangen,
riss sie alles von sich,
schleuderte das Silber fort,
dass die Ringe auseinanderbarsten.

47

Dann ging sie hinaus,
stieß die Türen weit auf;
sie schritt ganz ohne Furcht
und begrüßte die Gekommenen,
wandte sich zu den Niflungen,
das war ihr letzter Gruß;
Wahrheit lag in solchen Worten,
und sie sagte noch viel mehr:

48

»Ich suchte euch zu retten,
euch daheim zurückzuhalten;
niemand widersteht dem Schicksal,
und so musstet ihr hierherkommen.«
Sie sprach mit klugem Rat,
ob sie sich versöhnen könnten;
sie ließen sich auf nichts ein,
alle sagten Nein.

49

Da sah die Hochgeborene,
wie erbittert sie kämpften;
sie sann auf kühne Taten
und schlüpfte aus dem Mantel,
ergriff das blanke Schwert
und schützte ihrer Verwandten Leben;
sie war im Kampf nicht sanft,
wo immer sie Hand anlegte.

50

Gjukis Tochter ließ
zwei Krieger fallen;
sie erschlug Atlis Bruder,
forttragen musste man ihn dann;
so führte sie den Kampf,
dass sie ihm den Fuß weghieb.

51

Einen anderen hieb sie nieder,
sodass er nicht wieder aufstand;
sie hatte ihn zu Hel geschickt,
doch ihre Hände zitterten nicht.

52

Sie lieferten dort einen Kampf,
von dem man weithin sprach;
alles andere übertraf,
was Gjukis Kinder vollbrachten.
So, sagte man, hätten die Niflungen,
solange sie selbst noch lebten,
mit Schwertern den Kampf geführt,
die Brünnen zerrissen,
die Helme zerhauen,
wie ihr Mut es ihnen eingab.

53

Den größten Teil des Morgens kämpften sie,
bis der Mittag vorüberging,
die ganze Morgendämmerung
und den frühen Tag.
Ehe der Kampf zu Ende war,
strömte das Feld von Blut;
achtzehn fielen, bevor
man sie überwältigte:
Beras beide Söhne
und ihren Bruder.

54

Der Kühne begann zu sprechen,
obwohl er zornig war:
»Schlimm ist es, sich umzusehen,
euch ist das zuzuschreiben;
dreißig waren wir,
kriegstüchtige Gefolgsleute,
noch elf leben wir,
groß sind unsere Verluste.

55

Fünf Brüder waren wir,
als wir Budli verloren;
nun hat Hel die Hälfte,
und zwei liegen erschlagen.

56

Mächtige Verwandtschaft gewann ich,
das kann ich nicht verhehlen;
eine Frau, die Unheil bringt,
mir gereicht das nicht zum Segen.
Selten hatten wir Frieden,
seit du in unsere Hände kamst;
meiner Verwandten bin ich beraubt,
oft um Besitz betrogen;
ihr schicktet meine Schwester zu Hel,
das schmerzt mich am meisten.«
Gudrun sprach:

57

»Das sagst du, Atli,
du tatest es früher selbst:
Meine Mutter nahmst du
und mordetest sie um Schätze;
deine kluge Cousine
ließest du in einer Höhle verhungern.
Lächerlich scheint es mir,
dass du dein Leid aufzählst;
den Göttern danke ich,
dass es dir schlecht ergeht.«
Atli sprach:

58

»Ich fordere euch auf, ihr Jarle,
noch größer zu machen das Leid
der herrlichen Frau;
das will ich sehen.
Sucht so zu streiten,
dass Gudrun weint;
könnte ich doch sehen,
dass sie keine Freude mehr findet.

59

Ergreift Högni
und schlitzt ihn mit dem Messer auf,
schneidet das Herz heraus,
seid dazu bereit;
den grimmigen Gunnar
hängt an den Galgen,
wagt diese Tat,
bietet ihn den Schlangen dar!«
Högni sprach:

60

»Tu, was dich gelüstet,
froh will ich es erwarten;
tapfer wirst du mich finden,
Schlimmeres habe ich schon bestanden.
Wir haben euch zurückgeschlagen,
solange wir unversehrt waren;
nun sind wir so verwundet,
dass du selbst entscheiden kannst.«

61

Beiti sprach dies,
Atlis Verwalter war er:
»Nehmen wir Hjalli
und verschonen Högni;
richten wir es ein, nur halbe Arbeit zu tun,
er ist ohnehin dem Tod bestimmt;
er wird nicht mehr lange leben,
ein Faulpelz wird er immer heißen.«

62

Der Kesselhüter erschrak,
hielt nicht länger an seinem Platz aus,
begann zu schluchzen,
kletterte auf jeden Balken;
er klagte, ihr Kampf bringe ihm Unheil,
wenn er für ihre Mühen büßen müsse,
und nannte seinen Tag traurig,
da er sterbend seine Schweine verlassen sollte
und all die gute Kost,
die er zuvor gehabt hatte.

63

Sie ergriffen Budlis Koch
und zückten das Messer;
der elende Knecht schrie,
noch ehe er die Spitze spürte.
Er sagte, er habe Zeit,
die Höfe gut zu düngen,
die niedrigste Arbeit zu tun,
wenn sie ihn verschonten;
froh, sagte Hjalli, wäre er schon,
wenn er sein Leben behalten dürfte.

64

Högni nahm sich dessen an
– wenige würden so handeln –,
für den Geknechteten zu bitten,
dass er davonkäme:
»Mich, sage ich, kostet es weniger,
dieses Spiel zu bestehen.
Warum sollten wir hier
dieses Geschrei hören wollen?«

65

Sie packten den hochgeschätzten Mann;
nun gab es keine Möglichkeit,
für die mutigen Krieger
den Vollzug noch länger zu verzögern.
Da lachte Högni,
die Söhne des Tages hörten es;
so verstand er zu kämpfen,
gut ertrug er die Qual.

66

Gunnar nahm die Harfe,
rührte sie mit den Zehen;
so verstand er zu spielen,
dass die Frauen weinten;
es schluchzten die Männer,
die es am deutlichsten hörten.
Der Mächtigen gab er Rat;
die Dachsparren barsten auseinander.

67

Da starben die Edlen,
noch war es früh am Tag;
sie ließen zuletzt
ihre Heldentaten weiterleben.

68

Groß dünkte sich Atli,
er trat über die beiden hinweg,
verkündete der Klugen das Leid
und begann sie heftig zu schelten:
»Morgen ist es nun, Gudrun,
du hast deine Getreuen verloren;
zum Teil bist du selbst schuld,
dass es so gekommen ist.«
Gudrun sprach:

69

»Froh bist du, Atli,
gehst und rühmst deine Morde;
Reue wird dich befallen,
wenn du alles erfährst.
Dieses Erbe bleibt dir,
das kann ich dir sagen:
Dem Unheil entgehst du niemals,
es sei denn, auch ich sterbe.«
Atli sprach:

70

»Das kann ich bestreiten,
ich sehe einen anderen Ausweg,
um die Hälfte leichter
– oft verschmähen wir das Gute –:
Mit Gesinde will ich dich trösten,
mit herrlichen Kostbarkeiten,
mit schneeweißem Silber,
wie du selbst es willst.«
Gudrun sprach:

71

»Darauf besteht keine Hoffnung,
das will ich zurückweisen;
ich brach schon Vergleiche ab,
als mein Anlass geringer war.
Ungeheuerlich schien ich früher,
nun wird es noch ärger werden;
vor nichts schreckte ich zurück,
solange Högni lebte.

72

Wir wurden aufgezogen
in einem einzigen Haus,
spielten manches Spiel
und wuchsen im Hain heran;
Grimhild beschenkte uns
mit Gold und Halsketten.
Den Tod meiner Brüder wirst du mir
niemals vergüten
und nichts vollbringen,
das mich zufriedenstellt.

73

Die Gewaltherrschaft der Männer
zerstört das Glück der Frauen;
der Wipfel geht in die Knie,
wenn die Zweige schwinden;
der Baum beginnt sich zu neigen,
wenn man ihm die Wurzel abhaut.
Nun kannst du allein, Atli,
hier über alles herrschen.«

74

Groß war die Torheit,
dass der Fürst ihr glaubte;
offenbar war ihre Falschheit,
hätte er sich vorgesehen.
Verschlagen war da Gudrun,
verstand gegen ihr Herz zu sprechen;
sie gab sich unbeschwert,
spielte mit zwei Schilden.

75

Sie ließ mehr Bier auftischen,
ihren Brüdern das Totenfest zu halten;
auch Atli erklärte sich bereit,
für die Seinen eines auszurichten.

76

Sie ließen es damit bewenden,
das Trinkgelage war bereitet;
ein Fest war es
mit übermäßigem Lärm.
Hart war die Hochgesinnte,
sie bedrängte Budlis Geschlecht,
wollte an ihrem Mann
ungeheure Rache nehmen.

77

Sie lockte die Kleinen herbei
und legte sie an den Holzblock;
die Trotzigen erschraken
und weinten dennoch nicht,
flüchteten in die Arme der Mutter,
fragten, was mit ihnen geschehen solle.
Gudrun sprach:

78

»Fragt nicht weiter,
ich will euch beide töten;
lange schon gelüstete es mich,
euch vom Alter zu heilen.«
Die Knaben sprachen:
»Opfere deine Kinder, wie du willst,
niemand hindert dich daran;
kurz wird die Ruhe deines Zornes sein,
wenn du es ganz vollbringst.«

79

Da beendete die Kampfentschlossene
die Kindheit der Brüder;
sie verfuhr nicht sanft,
schnitt beiden die Kehle durch.
Atli aber fragte,
wohin seine Knaben
zum Spielen gegangen seien,
da er sie nirgends sah.
Gudrun sprach:

80

»Ich will weitergehen
und es Atli sagen;
verhehlen werde ich es dir nicht,
ich, Grimhilds Tochter.
Wenig wird es dich freuen, Atli,
wenn du alles erfährst;
großes Unheil hast du geweckt,
als du meine Brüder erschlugst.

81

Sehr selten schlief ich,
seit sie gefallen sind;
Hartes drohte ich dir an,
nun habe ich dich daran erinnert.
Du sprachst mir vom Morgen,
noch erinnere ich mich genau daran;
nun ist es auch Abend,
Ähnliches musst du erfahren.

82

Deine Söhne hast du
verloren, wie du es am wenigsten solltest;
ihre Schädel, wisse,
dienten dir als Bierschalen.
So mehrte ich dir den Trank,
ihr Blut mischte ich hinein.

83

Ich nahm ihre Herzen
und briet sie am Spieß,
reichte sie dir dann,
sagte, es sei Kalbfleisch.
Du allein verzehrtest es,
ließest nichts übrig;
du kautest eifrig,
vertrautest deinen Backenzähnen.

84

Nun weißt du von deinen Kindern;
wenige wünschen sich Schlimmeres.
Ich stehe zu meinem Anteil,
rühme mich dessen aber nicht.«
Atli sprach:

85

»Grausam warst du, Gudrun,
dass du so handeln konntest,
mit dem Blut deiner Kinder
mir den Trank zu mischen.
Du hast deine Verwandten vernichtet,
wie du es am wenigsten solltest;
auch mir selbst lässt du
wenig Abstand zwischen den Leiden.«
Gudrun sprach:

86

»Noch hätte ich Lust,
dich selbst zu erschlagen;
kaum kann man einem solchen Fürsten
schlimm genug begegnen.
Schon früher hattest du verübt,
wofür die Menschen kein Beispiel kannten
an Torheit und Gewalttat
in dieser Welt.
Nun hast du noch hinzugefügt,
was wir eben erfuhren;
ein großes Verbrechen hast du begangen,
dein eigenes Totenfest bereitet.«
Atli sprach:

87

»Auf dem Scheiterhaufen wirst du verbrannt
und zuvor mit Steinen erschlagen;
dann hast du erlangt,
wonach du immer verlangtest.«
Gudrun sprach:
»Verkünde dir solche
Leiden morgen früh;
eines schöneren Todes will ich
in ein anderes Licht eingehen.«

88

Sie saßen beisammen,
sandten einander böse Gedanken,
warfen sich Worte des Hasses zu,
keiner fand Freude daran.
In Hniflung wuchs der Hass,
er sann auf eine große Tat,
gab Gudrun zu verstehen,
dass er Atli feind sei.

89

Ihr kam in den Sinn,
was Högni widerfahren war;
sie sagte, es brächte ihm Heil,
wenn er Rache nähme.
Da wurde Atli erschlagen,
nicht lange dauerte es bis dahin;
Högnis Sohn erschlug ihn
und Gudrun selbst.

90

Der Tapfere begann zu sprechen,
erwachte aus dem Schlaf,
spürte bald die Wunden,
sagte, ein Verband sei nicht mehr nötig:
»Sagt die volle Wahrheit:
Wer erschlug Budlis Sohn?
Nicht leicht hat man mir mitgespielt,
keine Hoffnung sehe ich, zu leben.«
Gudrun sprach:

91

»Nicht wird es dir verhehlen
Grimhilds Tochter:
Ich bekenne mich dazu,
dass dein Leben zu Ende geht;
zum Teil auch Högnis Sohn,
dass dich die Wunden quälen.«
Atli sprach:

92

»Zum Mord bist du geschritten,
obwohl es ungehörig war;
übel ist es, einen Freund zu verraten,
der dir fest vertraut.
Gedrängt zog ich von Hause fort,
um um dich zu werben, Gudrun.

93

Als Witwe wurdest du gepriesen,
man nannte dich hochgesinnt;
die Erwartung trog nicht,
wie wir nun erfuhren.
Du zogst hierher ins Haus,
ein Heer von Männern folgte uns;
alles war prächtig
auf unserer Fahrt.

94

Vielerlei Ehre erwiesen uns
die edlen Männer;
Rinder gab es reichlich,
wir genossen großen Wohlstand;
da war eine Fülle von Gütern,
viele erhielten davon.

95

Den Brautpreis zahlte ich der Berühmten,
eine Fülle von Schätzen zu empfangen:
dreißig Knechte,
sieben tüchtige Mägde.
Ehre lag in solchen Gaben,
doch des Silbers war noch mehr.

96

Du tatest, als wäre dir alles,
als wäre es nichts,
solange jene Länder dalagen,
die Budli mir hinterließ.
So untergrubst du mich,
dass ich meinen Anteil nicht erhielt;
deine Schwiegermutter ließest du
oft weinend sitzen.
Von Herzen fand ich seitdem
keine Freude mehr am Eheleben.«
Gudrun sprach:

97

»Nun lügst du, Atli,
auch wenn ich wenig darauf eingehe;
war ich auch selten sanft,
so übertrafst du mich doch weit.
Ihr Brüder bekämpftet euch jung,
trugt Zwietracht untereinander;
die Hälfte ging zu Hel
aus deinem Hause.
Alles verkümmerte,
was zum Gedeihen bestimmt war.

98

Drei Geschwister waren wir,
galten als unbeugsam;
wir zogen aus dem Land,
folgten Sigurd.
Wir ließen die Schiffe dahinjagen,
jeder steuerte das seine;
wir strebten nach Glück,
bis wir nach Osten kamen.

99

Zuerst erschlugen wir einen König,
wählten uns dort das Land;
Hersen unterwarfen sich uns,
Furcht verriet sich darin.
Wir riefen aus dem Wald,
wen wir straffrei sehen wollten,
machten den wohlhabend,
der nichts besaß.

100

Der hunnische Held starb,
bald schwand da das Glück;
schwer war der jungen Frau der Schmerz,
Witwe heißen zu müssen.
Qual schien es mir bei lebendigem Leib,
in Atlis Haus zu kommen;
zuvor hatte ich einen Helden zum Mann,
schlimm war dieser Verlust.

101

Von keinem Thing kamst du,
von dem wir gehört hätten,
dass du einen Streit geschlichtet
oder andere beigelegt hättest.
Immer wolltest du nachgeben,
aber nichts behaupten,
es still dabei belassen,
-- -- -- -- -- --«
Atli sprach:

102

»Nun lügst du, Gudrun;
wenig wird sich bessern
an unser beider Los,
wir haben alles eingebüßt.
Handle nun, Gudrun,
in deiner Güte
uns beiden zur Ehre,
wenn man mich hinausträgt.«
Gudrun sprach:

103

»Ein Schiff will ich kaufen
und einen bemalten Sarg,
das Leichentuch gut wachsen,
um deinen Leib zu verhüllen,
für alles Nötige sorgen,
als wären wir einander zugetan.«

104

Da wurde Atli zur Leiche,
er mehrte den Kummer der Verwandten;
die Hochgeborene erfüllte
alles, was sie versprochen hatte.
Die kluge Gudrun wollte
hingehen und sich das Leben nehmen;
doch ihre Tage verlängerten sich,
sie starb zu einer anderen Zeit.

105

Glücklich ist fortan jeder,
der solche Kinder zeugen kann,
zu großen Taten bestimmt,
wie Gjuki sie zeugte.
Weiterleben werden
in jedem Land
die Berichte von ihrer Standhaftigkeit,
wo immer Menschen davon hören.